Hinweis zum Sprachgebrauch in älteren Beiträgen
Der folgende ältere Beitrag kann Sprache und Formulierungen enthalten, die heute nicht mehr den Ansprüchen einer diskriminierungsfreien und sensiblen Ausdrucksweise entsprechen. Er wurde im historischen Kontext verfasst und bewusst unverändert gelassen, um unsere jahrzehntelange Menschenrechtsarbeit zu dokumentieren.
Die Gesellschaft für bedrohte Völker (GfbV) hat das heutige Angebot der chinesischen Regierung, mit Unterhändlern des Dalai Lama Gespräche führen zu wollen, als „Farce“ bezeichnet. „Die zeitlich gut koordinierte Gesprächsofferte soll vor allem helfen, den wachsenden internationalen Druck auf die chinesische Führung im Vorfeld der Olympischen Spiele abzuschwächen“, sagte der GfbV-Asienreferent Ulrich Delius am Freitag in Göttingen. Es sei kein Zufall, dass der Vorschlag am Rande eines Treffens der chinesischen Regierung mit der Europäischen Union geäußert werde, denn zahlreiche EU-Regierungen hatten in den vergangenen Wochen die Aufnahme eines glaubwürdigen Dialogs zwischen Peking und dem Dalai Lama gefordert.
Dieses Gesprächsangebot sei wenig verheißungsvoll, da die chinesische Regierung zugleich erklärte, dass sich ihre Tibet-Politik nicht verändern werde. „Was macht es für einen Sinn, zu Beratungen zusammen zu kommen, wenn Chinas Führung gleichzeitig ihre Kampagne der Verunglimpfung und Kriminalisierung des Dalai Lama verstärkt“, sagte Delius. Bevor es einen glaubwürdigen Dialog geben könne, müsse China erst einmal wieder das Vertrauen der Tibeter zurückgewinnen. In den letzten Wochen hätten die staatlich kontrollierten Medien mehrfach über so genannte „Waffenfunde“ in tibetischen Klöstern berichtet. Mit solchen wenig glaubwürdigen Berichten versuche man systematisch, den Dalai Lama zu diskreditieren. Wer das Oberhaupt der Tibeter als „Wolf in Mönchskutte“ diffamiere, sei nicht ernsthaft an einem Dialog interessiert.
Schon am 19. März 2008 habe Chinas Ministerpräsident Wen Jiabao ein so genanntes Gesprächsangebot an den Dalai Lama gerichtet, das nicht aufrichtig gewesen und auch folgenlos geblieben sei. Denn die Vorbedingungen, die Peking stetig formuliere, seien seit 20 Jahren identisch und schon lange vom Dalai Lama erfüllt. In seinem bereits 1988 lancierten Straßburger Appell habe der Friedensnobelpreisträger seine Forderung nach der Unabhängigkeit Tibets aufgegeben und Gewaltverzicht erklärt. Dies sei bis heute Leitlinie seiner Politik. Doch Chinas Führung weigere sich beharrlich, dies anzuerkennen.

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