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Aktuelles News & Artikel PRESSEMITTEILUNG der Gesellschaft für bedrohte Völker

Anhang 1 zur

PRESSEMITTEILUNG der Gesellschaft für bedrohte Völker

Hinweis zum Sprachgebrauch in älteren Beiträgen

Der folgende ältere Beitrag kann Sprache und Formulierungen enthalten, die heute nicht mehr den Ansprüchen einer diskriminierungsfreien und sensiblen Ausdrucksweise entsprechen. Er wurde im historischen Kontext verfasst und bewusst unverändert gelassen, um unsere jahrzehntelange Menschenrechtsarbeit zu dokumentieren.

Berlin, den 24. Oktober 2008

Nach Kinostart von „Anonyma – Eine Frau in Berlin“

Deutsche und bosnische Vergewaltigungsopfer wenden sich gemeinsam an die Öffentlichkeit!

Teilnehmerinnen der Pressekonferenz

  • Frau Sibylle Dreher, Präsidentin vom Frauenverband im Bund der

    Vertriebenen

  • Frau Elfriede Seltenheim, Vergewaltigungsopfer Deutschland
  • Prof. Dr. Gabi Köpp, Zeitzeugin
  • Frau Marija Kovac, Vergewaltigungsopfer Bosnien, ca. 70 Jahre alt. Sie lebte im Stadtviertel Grbavica in Sarajevo und wurde in das Gefangenenlager KULA verschleppt. Ihr Sohn und ihr Mann fielen bei der Verteidigung von Sarajevo. Sie war Zeugin in Den Haag und hat im Prozess gegen Biljana Plavsic und Krajisnik ausgesagt. Sie ist heute aktiv in „der Frauensektion beim Verband der ehemaligen Lagerhäftlinge, Kanton Sarajevo“, Sarajevo und im Verein „Frauen-Opfer des Krieges“, Sarajevo

    Frau Sabiha Turkanovic ,Vergewaltigungsopfer, Bosnien, war im Lager Omarska mit 36 anderen Frauen. Auch mehrere Angehörige ihrer Familie, darunter ihre dreijährige Enkelin waren im gleichen Lager eingesperrt. Sie war Zeugin in Den Haag. Ihr Schwiegersohn wurde in ihrem Heimatort Kozarac von serbischen Milizen ermordet. Sie ist heute aktiv im Verein „Mit dem Herzen zum Frieden“ – Kozarac Prijedor und im Verein „Izvor“ (Quelle)

    in Prijedor

    —————————————————————————————————

    Vergewaltigungslager in Bosnien-Herzegowina

    Etwa 20.000 überwiegend bosnisch muslimische Frauen wurden zu Opfern systematischer Vergewaltigungen durch serbische Truppen. Zahlreiche Vergewaltigungslager wurden vor allem in Ostbosnien, in Städten wie Foca, Rogatica und Visegrad eingerichtet. Auch in vielen Konzentrationslagern wurden Frauen gefangen gehalten und monatelang misshandelt, gequält und vergewaltigt. Die Vergewaltigungen wurden planmäßig und gezielt eingesetzt, um die Familien der Bosniaken zu zerstören, die Frauen und ihre Angehörigen zu demütigen und die Vertreibungen zu beschleunigen. Heute sind die Opfer dieser Verbrechen schwer traumatisiert, meist verarmt und können in ihre ehemaligen Wohnorte in der sogenannten „Republika Srpska“ nicht zurückkehren. Ihre früheren Peiniger leben dort bis heute.

    Die Opferverbände in Bosnien:

    „Frauensektion beim Verband der ehemaligen Lagerhäftlinge, Kanton

    Sarajevo“ – Sarajevo

    Diese Bewegung der Überlebenden der serbischen Vergewaltigungslager vereint die traumatisierten Opfer, deren Männer und Kinder meist ermordet wurden. Der Sektion gehören schon über 1.000 Mitglieder an. Ihre Mehrheit stammt aus den Städten Ostbosniens. Der Frauenverband wurde am 15. Juli 2000 gegründet und kämpft seitdem für die Durchsetzung der Rechte dieser Opfergruppe. Als großen Erfolg kann man verzeichnen, dass der Frauenverband in einer gemeinsamen Kampagne mit der Gesellschaft für bedrohte Völker-BiH und verschiedenen anderen NGOs und Frauenorganisationen im Jahre 2006, die Anerkennung der vergewaltigten Frauen als zivile Kriegsopfer durchgesetzt hat. Sie erhalten jetzt jeweils eine kleine regelmäßige Rente, sie müssen jedoch die Vergewaltigung nachweisen. Viele der Frauen können aber keine Zeugen mehr benennen, weil diese ermordet oder verschwunden sind. Die ethnisch gesäuberte „Republika Srpska“, in der die Vergewaltiger in Freiheit leben, hat bisher den Status der zivilen Kriegsopfer für nichtserbische Frauen nicht akzeptiert.

    „Frauen – Opfer des Krieges“ – Sarajevo

    Der Verein „Frauen – Opfer des Krieges“ wurde im Mai 2003 gegründet. Mit der Veröffentlichung der Wahrheit über die Verbrechen, dem Identifizieren der Kriegsverbrecher und der Bereitschaft der Mitglieder des Vereines, gegen angeklagte Kriegsverbrecher auszusagen, wird die Arbeit des Tribunals in Den Haag und der Gerichte in Bosnien und Herzegowina unterstützt. Der Verein zählt heute über 1.000 Mitglieder – vergewaltigte und misshandelte Frauen. Diese Zahl erhöht sich laufend durch neue Einträge. Zu den Schwerpunkten ihrer Arbeit zählen das Sammeln von Aussagen der Frauen, die Kriegsverbrechen erlebt haben und die Erstellung einer Datenbank mit allen Angaben über die Opfer und Täter.

    Die Forderungen der Opferverbände (aus der Broschüre: Achtung nicht nur vergewaltigte Frauen!) sind:

  • Verhaftung und Verurteilung aller Kriegsverbrecher, mit Ratko Mladic an der Spitze;
  • Veränderung der ICTY-Regeln, damit die Dokumente des Höchsten

    Verteidigungsrates von Serbien, die vom ICTY als vertraulich eingestuft

    wurden, veröffentlicht werden können;

  • Unterstützung bei der Suche nach Vermissten, bei ihrer Exhumierung und Identifizierung;
  • Unterstützung, Entschädigung und medizinische Betreuung der

    Angehörigen der Opfer von Genozid und Kriegsverbrechen und Förderung

    ihrer Kinder;

  • Appell an die Regierungen der EU, den Schutz der Augenzeugen von

    Kriegsverbrechen aktiv zu unterstützten, und Verträge mit dem Staat

    Bosnien und Herzegowina für Zeugenschutzprogramme zu unterzeichnen;

  • Aufhebung der Teilung des vor den Vertreibungen multiethnischen und multireligiösen Landes in zwei Entitäten und Schaffung neuer Kantone nach traditionellen und geographischen Gesichtspunkten;
  • Schaffung einer gesamtbosnischen multikulturellen Polizei und Auflösung der für den Genozid mitverantwortlichen Polizei der „Republika Srpska“;
  • Wirtschaftlicher und administrativer Sonderstatus für die Opstina/Berzirk

    Srebrenica durch die internationale Gemeinschaft und Investitionen für den Wiederaufbau der gesamten Wirtschaftstruktur;

  • Unterstützung der Rückkehr aller Vertriebenen in ihre Heimatorte und

    ehemaligen Wohnplätze;

  • Schaffung von Beschäftigungsmöglichkeiten für Überlebende des

    Genozids und der Kriegsverbrechen sowie für alle Rückkehrer;

  • Unterstützung eines schnellen und bedingungslosen EU-Beitritts von

    Bosnien-Herzegowina.

  • Projekte der Frauen:

    Alle Angaben aus : „BeFreier und Befreite“

    Krieg, Vergewaltigung, Kinder

    Hrsg. Von Sander und Johr

    Angaben für Berlin und die sowjetische Besatzungszone

    Das Ergebnis: Als 1945 über 450 000 Soldaten der Roten Armee in Berlin kämpften, lebten 1,4 Millionen Mädchen und Frauen in der Stadt. Zwischen Frühsommer und Herbst 1945 wurden mindestens 110 000 dieser Mädchen und Frauen von Rotarmisten vergewaltigt (7,1 %). Die meisten Vergewaltigungen, mindestens 100 000, geschahen im April, Mai und Juni 1945. Von den betroffenen Frauen waren 600 000 in gebärfähigem Alter. 57 800 von ihnen wurden vergewaltigt und mehr als 11 000 von ihnen wurden schwanger (20 %). Das bedeutet , nach Grundannahmen der Autorinnen: mehr als 1 100 Kinder wurden zur Welt gebracht (10 %). Das sind 5 % der Kinder , die in Berlin zwischen Ende 1945 und Sommer 1946 geboren wurden. ) Seite 54

    Der Autor Reichling schätzt die Zahl der vergewaltigten Mädchen und Frauen in Berlin auf mindestens 100 000 (6,7 %) , unter Auswertung deutscher und ausländischer Dokumente und Statistiken, ohne Unterlagen aus Kliniken. Er kommt wie Sander und Johr auf unterschiedlichen Wegen zu ähnlichen Ergebnissen. Die Zahlen von Sander und Johr stimmen nicht mit den Aussagen von Zeitzeug/Innen überein, 60-70 % der weiblichen Bevölkerung seien vergewaltigt worden, also über 800 000 Frauen.

    Die Zahl der vergewaltigten Mädchen und Frauen ist im übrigen nicht identisch mit der Zahl der Vergewaltigungen. Nach allen Unterlagen, die Sander und Johr ausgewertet haben, wurden über 40 % mehrfach vergewaltigt. (Seite 55)Die meisten zwei- bis viermal, aber auch viel häufiger. Für Berlin liegt die Zahl der Vergewaltigungen daher um ein Vielfaches höher als die der Opfer. Ein Teil der Opfer überlebte die Tat nicht, viele litten lebenslang. Reichling schätzt, dass in Berlin etwa 10 000 Mädchen und Frauen die Vergewaltigungen mit dem Leben oder einer bleibenden gesundheitlichen Schädigung bezahlt haben (Krankheit mit Todesfolge, Selbstmord, Misshandlung mit Todesfolge, Tötung) Seite 55

    Nach Dr. Gerhard Reichling

    Reichling hat die Zahl der vergewaltigten Mädchen und Frauen für die Sowjetische Besatzungszone, die ehemaligen deutschen Ostgebiete sowie Flucht und Vertreibung geschätzt. In seinen Zahlen ist berücksichtigt, dass Mädchen und Frauen auf dem Land und in den Flüchtlingstrecks noch mehr als in den Städten den Vergewaltigungen ausgeliefert waren, weil ihre Möglichkeiten, sich zu verstecken, gering waren.Nach Reichling wurden 1,9 Millionen deutscher Frauen und Mädchen während des Vormarsches bis Berlin von Männern der Roten Armee vergewaltigt, davon 1, 4 Millionen in den ehemaligen deutschen Ostgebieten und während Fluch und Vertreibung, 500 000 in der späteren sowjetischen Besatzungszone. Über 4 Millionen Soldaten waren an den Kämpfen auf deutschem Boden beteiligt: in Ostpreußen 1,1, Millionen, zwischen Weichsel und Oder 1,6 Millionen, zwischen der Order und Berlin 1,4 Millionen. Es ist nicht möglich zu sagen, wie viele Kinder als Folge dieser Vergewaltigungen geboren wurden. Dr. Reichling schätzt 292 200. Definitive Angaben sind aber nicht möglich….Seite 58

    Weitere Angaben:

  • In Berlin sind nicht unter 100 000 Frauen vergewaltigt worden. Die Zahlen können höher sein, manches deutet darauf hin, ist aber nicht beweisbar. (Es gab noch 75 000 Todesfälle in Berlin bis zum Ende 1945. Es gab Männer, die ihre Frauen und sich selbst umbrachten!)

  • In ganz Deutschland, vor allem in Ostgebieten , waren es von Dezember 1944 bis zum Winter 1945 ca. 2 Millionen betroffene Frauen. Das heisst, ca. 10 % der deutschen Frauenbevölkerung wurde innerhalb eines Jahres einfach oder mehrfach vergewaltigt.
  • Autor Ryan zitiert in seinem Buch „Der letzte Kampf“ die Aussage von Ärzten, nach denen sich die Zahl der Vergewaltigungen in Berlin „zwischen 20 000 und 100 000 bewegt“ Zeitzeuginnen, die Sander und Johr interviewt haben, meinen sogar, dass 60-70 % der weiblichen Bevölkerung, d. h. zwischen 840 000 und 980 000 Mädchen und Frauen, in Berlin vergewaltigt wurden.
  • Etwa 20 % der vergewaltigten Frauen wurden schwanger
  • Etwa 90 % dieser Frauen haben abgetrieben, 10 % das Kind zur Welt

    gebracht

  • Etwa 5 % der Kinder, die in Berlin zwischen Ende 1945 und Sommer 1946 geboren wurden, waren „Russenkinder“
  • Siehe Hochrechnung anhand der Berliner Bevölkerungsstatistiken, Seite 54:

    u.a.

    ad 4 ) 1945 lebten in Berlin 600 000 Frauen in gebärfähigem Alter (18 bis 45 Jahre). 57 800 von ihnen wurden vergewaltigt. Das sind 9,5 % in dieser Altersgruppe.

    Ad 5) 1945 lebten in Berlin 800 000 Mädchen und Frauen im Alter von 14 bis 18 Jahren und über 45. Wenn man voraussetzt, dass auch in diesen Altersgruppen 9,5 % vergewaltigt wurden, sind dies 73 300 der Jüngeren und Älteren (36 650 bei 4, 75 %)

    Ad 6) Ergebnis: Von 1,4 Millionen Menschen und Frauen in Berlin wurden zwischen 94 450 und 131 100 vergewaltigt, im Mittelwert: mehr als 110000 Mädchen und Frauen wurden zwischen Frühsommer und Herbst 1945 vergewaltigt (Durchschnitt 7,1 %)

  • Nicht bewiesen, aber als Gerücht aufgetaucht, dass deutsche Soldaten ca. eine Million Kinder mit russischen – weißrussischen und ukrainischen Frauen – gezeugt hätten.
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