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Aktuelles News & Artikel Rettung der Roma aus bleibelasteten Flüchtlingslagern im Kosovo nicht in Sicht

Rettung der Roma aus bleibelasteten Flüchtlingslagern im Kosovo nicht in Sicht

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Der folgende ältere Beitrag kann Sprache und Formulierungen enthalten, die heute nicht mehr den Ansprüchen einer diskriminierungsfreien und sensiblen Ausdrucksweise entsprechen. Er wurde im historischen Kontext verfasst und bewusst unverändert gelassen, um unsere jahrzehntelange Menschenrechtsarbeit zu dokumentieren.

aus: bedrohte völker_pogrom 248, 3/2008

Seit 2000 informierte die GfbV die deutsche und internationale Weltöffentlichkeit intensiv über das skandalöse Verhalten der UNMIK-Verwaltung und der Partnerorganisationen des UNHCR gegenüber den Flüchtlingen der Roma und Aschkali, die in den Flüchtlingslagern in Nord-Mitrovica seit 1999 einer schweren Bleiblastung durch eine nahe gelegene Abraumhalde ausgesetzt sind. Inzwischen leiden sie an den Symptomen schwerer Bleivergiftungen. Doch nicht nur sie, sondern auch die in der gesamten Region Mitrovica lebenden Albaner sind von der Bleibelastung betroffen.

Bei Erwachsenen führt eine hohe Bleibelastung zu hohem Blutdruck und einer verminderten Funktion der Nieren sowie des zentralen Nervensystems. Die Gesundheit von Schwangeren und Kindern ist besonders gefährdet. Viele Kinder bekommen Krämpfe und fallen immer wieder in Ohnmacht. Bereits niedrigere Konzentrationen werden mit verminderter Intelligenz, Wachstumsstörungen und Hörschwäche in Verbindung gebracht. Es ist zu befürchten, dass das Wachstum und die Entwicklung dieser Kinder weit unter dem Altersdurchschnitt liegen werden. Die GfbV geht davon aus, dass bisher mindestens 37 Todesfälle in den Flüchtlingslagern auf die hohe Bleibelastung und deren Folgen zurückzuführen sind. Auch über viele Miss- und Fehlgeburten wurde bisher berichtet.

Die gefährlichen Auswirkungen von Blei auf das Gehirn sind zwar seit längerem bekannt, nun aber erstmals in einer Langzeitstudie, veröffentlicht in der jüngsten Ausgabe des Online-Journals „PLoS Medicine“, belegt worden. Zwei US-Forscherteams zeigten, dass eine hohe Bleibelastung im Babyalter die Hirnentwicklung hemmt und das Risiko erhöht, als Erwachsener gewalttätig zu werden. Forderungen der GfbV, alle Flüchtlinge (insgesamt 638 Menschen, davon 324 Kinder) sofort zu evakuieren und medizinisch behandeln zu lassen, blieben bis heute ohne Erfolg.

Dem Team der GfbV im Kosovo gelang es, die neuesten, schockierenden Ergebnisse der Bluttests in den Flüchtlingslagern zu erfahren. Die Testergebnisse der Bleiwerte im kapillaren Blut der Kinder, die vom „Zavod za javno zdravlje / Institute of Public Health“ in Kosovoska Mitrovica im April 2008 ermittelt wurden, bestätigten die Befürchtungen, dass die Bleiwerte der Kinder (im Alter von ein bis 16 Jahren) weit über dem zugelassenen Grenzwert liegen und damit gefährliche Auswirkungen auf ihre Gesundheit haben können. Bei 51 Kindern (von 105) liegen die Bleiwerte über dem kritischen Höchstmaß von 40 µg/dl. Bei den 21 Kindern liegen die Bleiwerte sogar über 65 µg/dl, so dass diese von den Messgeräten nicht mehr ermittelt werden konnten. Bereits ab einem Level von 10 µg/dl Blei im Blut können irreversible Hirnschäden einsetzen – besonders bei den Kindern unter 6 Jahren, deren Immunsystem noch vergleichsweise schwach entwickelt ist. Auch andere Organe werden bereits bei einem niedrigeren Blei-Niveau beeinträchtigt.

Die GfbV wird sich an Regierungen und internationale Institutionen wenden und fordern, dass eine Delegation von Ärzten und Umweltmedizinern in die Gegend geschickt und dafür gesorgt wird, dass die Bewohner der Flüchtlingslager in eine sichere Gegend evakuiert und unverzüglich behandelt werden. Auch auf eine Offenlegung Ergebnisse aller bisherigen Bluttests durch die WHO sowie die Einrichtung eines umweltmedizinischen Behandlungszentrums in einer unbelasteten Region wird gedrängt. Die Millionen Tonnen von Abfall der früheren Mine Trepca müssen dringend professionell abgedeckt oder vollkommen abgetragen und geräumt werden, damit die belastenden Stoffe nicht weiter in die Umwelt gelangen und die Gesundheit der Bevölkerung in der gesamten Region weiter gefährden können. Sowohl die UNMIK-Verwaltung als auch die EU dürfen diese Umweltkatastrophe, die das Leben von Tausenden Menschen beeinträchtigt, nicht länger ignorieren.

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