Hinweis zum Sprachgebrauch in älteren Beiträgen
Der folgende ältere Beitrag kann Sprache und Formulierungen enthalten, die heute nicht mehr den Ansprüchen einer diskriminierungsfreien und sensiblen Ausdrucksweise entsprechen. Er wurde im historischen Kontext verfasst und bewusst unverändert gelassen, um unsere jahrzehntelange Menschenrechtsarbeit zu dokumentieren.
Mit seinem Tod ist Serbiens ehemaliger Diktator seiner Verurteilung entkommen. Aber sein großserbisches Projekt der ethnischen Säuberung, der Zerstörung des achthundertjährigen Bosnien-Herzegowinas wurde bis heute nicht rückgängig gemacht. Bosnien ist de facto ein geteiltes Land. Die USA und Europa haben seinen Anhängern in Dayton die Hälfte des Territoriums überlassen. Die von dort vertriebenen nicht serbischen Bosnier konnten in ihrer überwältigenden Mehrheit nicht dorthin zurückkehren, leben gegenwärtig über vier Kontinente zerstreut.
Milosevics Name bleibt verbunden mit den ersten europäischen Konzentrations- und Vergewaltigungslagern, den ersten Massenvertreibungen, den ersten Bombardements europäischer Städte, den schrecklichsten Massakern seit dem Grauen der 40-er Jahre. Milosevic kreierte den Begriff ethnische Säuberung, der heute in der internationalen Berichterstattung weitgehend den Terminus Genozid verdrängt hat.
Europa hat den Kriegsverbrecher Slobodan Milosevic vier Jahre lang als Verhandlungspartner hofiert, zwei europäische Regierungschefs John Major und Francois Mitterand haben seine Politik der ethnischen Säuberung kontinuierlich begünstigt.
Bosniens tolerante Muslime stellten die große Mehrheit der Opfer des von ihm initiierten Genozids, 1 347 ihrer Moscheen und Medresen wurden zerstört. Europa gab dem multikulturellen Bosnien keine Chance. Serbische und kroatische Bosnier, die für das gemeinsame Bosnien eintraten, wurden allein gelassen. Die Stimmen von General Divjak, dem serbisch-bosnischen Verteidiger Sarajevos, von Mirko Pejanovic, dem Vorsitzenden des Serbischen Bürgerrates und Alternativen Nobelpreisträger, von Parlamentspräsident Miro Lazovic, und den kroatisch- bosnischen Präsidiumsmitgliedern Ivo Komsic und Stjepan Kljuic fanden kaum ein Echo.
Auch Deutschlands Regierung und Parteien versagten vier Jahre lang, schoben schließlich 50 000 bosnische Flüchtlinge nach Nordamerika und Australien ab, wohl wissend, dass ihre Heimatorte ihnen de facto verschlossen blieben. Nur wenige deutsche Abgeordnete traten rechtzeitig dafür ein, diese Aggression und diesen Völkermord schnell zu beenden.
Die Gesellschaft für bedrohte Völker dokumentierte den Genozid vom ersten Kriegstag an (7.4.1992), publizierte das weltweit erste Buch über den Genozid, mit dessen Inhalt dann Christian Schwarz-Schilling seinen Rücktritt aus der Regierung Kohl begründete und versorgte die UN-Untersuchungskommission, das UN-Kriegsverbrechertribunal in Den Haag und das deutsche BKA mit hunderten von Augenzeugenberichten überlebender Genozidopfer, organisierte mit dem Europäischen Forum für Bosnien-Herzegowina das bosnische Exil und die Vereine der bosnischen Flüchtlinge in Westeuropa und veranstaltete unter Schirmherrschaft von Simon Wiesenthal, Rita Süssmuth und Haris Silajdzic den ersten und bis Kriegsende einzigen internationalen Genozidkongress im August 1995 in Bonn. Die Sektion Bosnien-Herzegowina der GfbV, zu der Persönlichkeiten aller ethnischen und religiösen Gemeinschaften und aller Opfergruppen angehören unterhält Büros in Srebrenica und Sarajevo.

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