Hinweis zum Sprachgebrauch in älteren Beiträgen
Der folgende ältere Beitrag kann Sprache und Formulierungen enthalten, die heute nicht mehr den Ansprüchen einer diskriminierungsfreien und sensiblen Ausdrucksweise entsprechen. Er wurde im historischen Kontext verfasst und bewusst unverändert gelassen, um unsere jahrzehntelange Menschenrechtsarbeit zu dokumentieren.
Mit Empörung hat die Gesellschaft für bedrohte Völker (GfbV) zur Kenntnis nehmen müssen, dass der einzige krimtatarische Fernsehsender ATR in der Nacht zum Mittwoch tatsächlich abgeschaltet wurde. „Die russischen Behörden haben ihre Drohung wahrgemacht und diese wichtige Stimme der Minderheit zum Verstummen gebracht“, kritisierte die GUS-Referentin der GfbV, Sarah Reinke, in Berlin. „Wir appellieren dringend an die deutsche Bundesregierung gegen diese Verletzung der Pressefreiheit zu protestieren.“ Die Beauftragte für die Freiheit der Medien bei der Organisation für Sicherheit und Zusammenarbeit in Europa (OSZE), Dunja Mijatovic, bat die Menschenrechtsorganisation, in ihrer Kritik gegen die Schließung der krimtatarischen Medien nicht nachzulassen. Auch der Kindersender Lale, die Radiostation Meydan, die krimtatarische Nachrichtenagentur und mehrere Zeitungen der Minderheit wurden eingestellt.
Vier Mal hatte ATR bei der russischen Medienaufsicht Roskomnadzor erfolglos Anträge für eine weitere Lizenz gestellt. „Hier geht es nicht um Formalien, sondern um eine zielgerichtete Diskriminierung der krimtatarischen Bevölkerung“, erklärte Reinke. Der Eigentümer von ATR, Lenur Islajmow, berichtete, dass auf ihn massiver Druck ausgeübt worden sei, den Sender zu verkaufen. Doch er habe sich dem nicht gebeugt. „Alles könne man verkaufen, aber doch nicht die Mitarbeiter von ATR“, sagte er.
Der Aufbau krimtatarischer Medien, die die Sprache wiederbeleben, für und über die Krimtataren berichten sollten, war nach Auffassung der GfbV ein wichtiger Schritt nach der Rückkehr der Krimtataren in ihre Heimat seit Ende der 1990er Jahre. „Das Aus für ihre Medien verletzt und entrüstet die rund 300.000 Krimtataren, die alles getan hatten, um ihre Medien zu retten“, berichtete Reinke. „Jetzt drohen denjenigen, die sich über die Verbote der russischen Medienaufsicht hinwegsetzen und weiter publizieren, hohe Geldstrafen und Strafverfolgung.“

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