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Aktuelles News & Artikel Uri Avnery über Ariel Sharon und Yasser Arrafat: Also, wer ist irrelevant?

Uri Avnery über Ariel Sharon und Yasser Arrafat: Also, wer ist irrelevant?

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Der folgende ältere Beitrag kann Sprache und Formulierungen enthalten, die heute nicht mehr den Ansprüchen einer diskriminierungsfreien und sensiblen Ausdrucksweise entsprechen. Er wurde im historischen Kontext verfasst und bewusst unverändert gelassen, um unsere jahrzehntelange Menschenrechtsarbeit zu dokumentieren.

Seit Jahresbeginn findet sich ein neuer Begriff im hebräischen politischen Lexikon: „irrelevant“. Irrelevant steht für eine neue Phase des Duells zweier altgedienter Gladiatoren, Ariel Sharon und Yasser Arafat.

Sharon hat lauthals verkündet, dass Arafat irrelevant geworden ist. Arafat gelang es wieder einmal, die Weltöffentlichkeit auf sich zu lenken. Dessen Haus ließ Sharon mit Panzern umstellen, die Kanonen zielen auf die Fenster. Sharon ging wohl davon aus, dass Arafat davonläuft oder gar um sein Leben bettelt. Sharon kennt Arafat nicht. Ich habe ihn 1982 in West-Beirut getroffen, nach dem Einmarsch der israelischen Armee unter der Führung von General Sharon. Seine Spezialtruppen suchten die Stadt nach Arafat ab. Der Auftrag lautet: Tötet Arafat. Dieser ließ sich aber davon nicht beeindrucken. Aber auch Arafat täuschte sich gewaltig. Er nahm wohl an, seine Rede an die Öffentlichkeit beeindruckt Sharon, entwaffnet den General.

Arafat kennt Sharon nicht. Sharon lässt sich nicht aufhalten, nicht von Hindernissen, nicht von Arafat. Sharon versucht es immer wieder, um sein Ziel zu erreichen. Der israelisch-palästinensische Konflikt ist eine Auseinandersetzung zweier großer historischer Bewegungen, Sharon und Arafat sind deren Symbole. Sharon ist der letzte Zionist. Arafat verkörpert die palästinensische Nationalbewegung. Da prallen eine unwiderstehliche Kraft und ein unbewegliches Objekt aufeinander.

Mit der Parole Frieden und Sicherheit gewann Sharon die Wahlen. Auf einer Seite stehen die Zionisten, deren Ziel die Wiedergewinnung verlorenen hebräischen Landes zwischen dem Mittelmeer und dem Jordan für einen homogenen jüdischen Staat ist. In Etappen wurde das Ziel umgesetzt, immer waren es Siedler, die die Staatsgrenzen ostwärts verschoben. Auf der anderen Seite agiert der palästinensische Nationalismus für einen unabhängigen palästinensischen Staat auf verbliebenem palästinensischen Land. Davon sind gerade mal 22 Prozent für die Palästinenser übriggeblieben. Sharon wurde mit dem Versprechen ins Amt des Ministerpräsidenten gewählt, für Frieden und Sicherheit zu sorgen. Sharon, der israelische De Gaulle, gab sich schaf- und kinderliebend, gleichzeitig begann er seinen Krieg mit verschiedenen Tricks.

Sharon schert sich keinen Deut um Frieden und Sicherheit, denn beide Begriffe stehen für Schwäche und Verweichlichung. Mit der Parole Frieden und Sicherheit gewann Sharon die Wahlen, seit Amtsantritt verfolgt Sharon aber nur ein Ziel: den Oslo-Prozess zu stoppen und zu zerstören. Die Zerschlagung der palästinensischen Autonomiebehörde und deren Polizeiapparates, die Förderung der Siedlerbewegung. Sharon täuschte die Weltöffentlichkeit damit, indem er den Sozialdemokraten Perez zum Außenminister machte, um seine wahren Beweggründe zu kaschieren. Eigentlich war es aber frühzeitig klar, was Sharon will und zwar seit der Besteigung des Tempelberges – dort oben entzündete er sein Feuer.

Mit der Parole Frieden und Sicherheit gewann Sharon die WahlenViele glaubten, Sharon hat kein politisches Konzept. Ganz im Gegenteil, Sharon verfolgt ein klar umrissenes Konzept: Liquidierung der palästinensischen Führung zugunsten von Hamas. Während Arafat und seine PLO-Behörde trotz nationalistischer Rhetorik dialogbereit war, ist dies Hamas nicht. Bei einer Hamas-Führung könnte Sharon dann lauthals klagen, die Palästinenser wollen mit den Israelis nicht mehr verhandeln. Sharon ist verblendet, er geht davon aus, dass die Palästinenser ihr restliches Land verlassen, fliehen, wie schon 1948 oder resigniert aufgeben und sich in mehrere kleine, isolierte und von Israelis umgebene Enklaven zurückziehen – in Bantustans. Und wie reagierte und agiert Arafat – sumud, ruhig also, auf überleben getrimmt. Bewegungslos, nicht bereit, aufzugeben. Die Strategie: politische Aktionen lösen diplomatische Aktivitäten ab, gefolgt von Gewalt. Mittel, um die Palästinenser zu stärken. Sie halten die vielen Strafaktionen aus, daran verzweifeln inzwischen israelische Militärs. Die Konflikt ist noch lange nicht zu Ende, er wird unentschieden enden und schlussendlich zu einem großen historischen Kompromiss führen.

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