Hinweis zum Sprachgebrauch in älteren Beiträgen
Der folgende ältere Beitrag kann Sprache und Formulierungen enthalten, die heute nicht mehr den Ansprüchen einer diskriminierungsfreien und sensiblen Ausdrucksweise entsprechen. Er wurde im historischen Kontext verfasst und bewusst unverändert gelassen, um unsere jahrzehntelange Menschenrechtsarbeit zu dokumentieren.
Die Wiederaufbauteams der Bundeswehr in Kundus und Feisabad machen Afghanistan nach Auffassung der Gesellschaft für bedrohte Völker (GfbV) nicht sicherer. In einem am Montag veröffentlichten zwölfseitigen Memorandum stellt die Menschenrechtsorganisation fest, dass dieses Konzept gescheitert sei, da die Teams weder die Entwaffnung der Kriegsfürsten unterstützen noch bei der Bekämpfung des Drogenanbaus helfen sollen, mit dem sich die Warlords finanzieren. „Zu behaupten die Aufbauteams würden trotzdem allein durch ihre Anwesenheit Sicherheit bringen, ist Augenwischerei“, warnte der GfbV-Asienreferent Ulrich Delius. Außerdem hätten die meisten NATO-Staaten nicht einmal – wie ursprünglich geplant – Soldaten für weitere Aufbauteams zur Verfügung gestellt. Diese sollten im ganzen Land sichere Regionen schaffen, von denen aus dann positive Signalwirkung für das Umland erwartet wurde. „Die NATO-Staaten dürfen sich jedoch nicht einfach verweigern, sondern sie müssen jetzt schnell über Möglichkeiten beraten, wie die afghanische Armee bei der Entwaffnung der Kriegsfürsten unterstützt werden kann.“
Zwar begrüßte die GfbV ausdrücklich, dass die Bundeswehr auch außerhalb des Großraumes Kabul eingesetzt wird. Doch der Erfolg der regionalen Wiederaufbauteams in den Provinzen (PRT) lasse sich nicht daran messen, ob deutsche Soldaten beim Bau von Schulen und Wähler-Erfassungsstellen mitgeholfen habe, widersprach die GfbV Bundesverteidigungsminister Peter Struck, der die Leistungen der PRT am Sonntag in Afghanistan ausdrücklich gelobt hatte. Denn Dutzende internationale Hilfsorganisationen errichteten in ganz Afghanistan Schulen und andere soziale Einrichtungen, sagte Delius. Auch in Kundus und Feisabad seien vor dem Eintreffen der Bundeswehr bereits internationale Helfer tätig gewesen, die auch ohne Mithilfe der deutschen Soldaten ihre Arbeit geleistet hätten.
„Die PRTs gefährden den Wiederaufbau in Afghanistan immer mehr, da die Grenzen zwischen Militärs und Helfern verschwimmen und Mitarbeiter internationaler Hilfsorganisationen zur Zielscheibe von Terroranschlägen werden“, sagte Delius. So würden sich deutsche Soldaten in Kundus teilweise in nicht militärisch gekennzeichneten Fahrzeugen bewegen, die ähnlich auch von Helfern genutzt würden. Seien im Jahr 2003 sieben Mitarbeiter internationaler Hilfswerke getötet worden, so seien es dieses Jahr bereits 23. Folge der wachsenden Unsicherheit sei der Rückzug von ausländischen Helfern, der wiederum den Wiederaufbau und die Stabilität ernsthaft gefährden.

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