Hinweis zum Sprachgebrauch in älteren Beiträgen
Der folgende ältere Beitrag kann Sprache und Formulierungen enthalten, die heute nicht mehr den Ansprüchen einer diskriminierungsfreien und sensiblen Ausdrucksweise entsprechen. Er wurde im historischen Kontext verfasst und bewusst unverändert gelassen, um unsere jahrzehntelange Menschenrechtsarbeit zu dokumentieren.
Tschetschenien im Winter 2007- das heißt fehlende Versorgung mit Wasser und Wärme, fehlende Ausstattung der Krankenhäuser und Schulen. Die Menschen leben in einer Atmosphäre der Angst. In der tschetschenischen Bergregion fliegt die russische Luftwaffe immer noch Angriffe auf vermutete Stellungen tschetschenischer Kämpfer. Milizen und Einheiten des russischen Geheimdienstes führen so genannte „Säuberungsaktionen“ durch, während derer es zu Verschleppungen von Unschuldigen, zu Beschimpfungen, Schlägen und Plünderungen kommt. Die Verschleppten landen in Kellern und Untersuchungshaftanstalten, wo weiter gefoltert wird, um Geständnisse zu erpressen. Die russische Organisation Memorial geht davon aus, dass die Zahlen der Verschwunden zurückgegangen sind, weil sich viele Menschen nicht mehr getrauen, die Verbrechen anzuzeigen.
Im Jahr 2006 und zu Beginn von 2007 hat der Europäische Menschenrechtsgerichtshof etliche Urteile zu Fällen von schweren Menschenrechtsverletzungen in Tschetschenien gefällt. Diese Urteile, in denen es zum Beispiel darum geht, dass Russland gegen das Folterverbot verstoßen hat, dass Menschen willkürlich festgenommen und ermordet wurden, machen das Ausmaß der Verbrechen gegen Unschuldige in Tschetschenien sehr deutlich.
Bis zu 200.000 Menschen kamen seit 1994 in Tschetschenien um – knapp 20 % des kleinen Kaukasus-Volkes. 20.000 russische Soldaten wurden getötet, 80.000 verletzt oder verkrüppelt. Zehntausende tschetschenische Kinder, Alte, Frauen und Männer starben bei den Bombardements ziviler Ziele wie Dörfer, Städte, Krankenhäuser, Flüchtlingskonvois, Schulen, Moscheen, Marktplätze. Tausende junger Tschetschenen wurden durch Filtrationslager geschleift, gefoltert, Männer und Frauen vergewaltigt, in Erdgruben festgehalten, misshandelt. Fast 50 % der tschetschenischen Bevölkerung wurde zeitweise vertrieben, Alte, Kranke, Behinderte, Schwangere, Kleinkinder und Säuglinge hatten nur geringe Überlebenschancen.
Der russische Präsident Putin hat den Krieg in Tschetschenien schon mehrmals für beendet erklärt, obwohl es nie einen Waffenstillstand oder Friedensverhandlungen gab. Nun regiert in Tschetschenien eine pro-russische Miliz unter Führung des Kriegsverbrechers Ramzan Kadyrow. Die tägliche Gewalt dauert an. Dies dokumentiert die GfbV in ihrem Tschetschenientagebuch, in Reporten und Memoranden, Presseerklärungen und Veranstaltungen.
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