Hinweis zum Sprachgebrauch in älteren Beiträgen
Der folgende ältere Beitrag kann Sprache und Formulierungen enthalten, die heute nicht mehr den Ansprüchen einer diskriminierungsfreien und sensiblen Ausdrucksweise entsprechen. Er wurde im historischen Kontext verfasst und bewusst unverändert gelassen, um unsere jahrzehntelange Menschenrechtsarbeit zu dokumentieren.
In Deutschand lebende Yeziden gedenken am kommenden Sonnabend in Lollar bei Gießen der Opfer des furchtbaren Attentates von Sinjar im Nordwesten des Irak, bei dem vor einem Jahr 336 Yeziden getötet und 1000 Familien obdachlos wurden. Die Êzîdîsche Gemeinde Hessen e.V., die die Gedenkveranstaltung organisiert, erwartet Hunderte von Yeziden aus ganz Deutschland, viele christliche und muslimische Gäste und als herausragenden Teilnehmer das weltliche Oberhaupt der Yeziden aus dem Irak, Mir Tahsim Saeed Beg.
Bei dem Anschlag am 14. August 2007 waren zwei yezidische Wohnsiedlungen total zerstört worden. Muslimische Terroristen hatten mehrere LKW, darunter auch einen als Wasserwagen getarnten Benzintankwagen, mit Sprengstoff beladen, in die beiden Ortschaften gefahren und zeitgleich zur Explosion gebracht.
Die Yeziden bilden unter den mehrheitlich muslimischen Kurden eine religiöse Minderheit. Sie bilden eine Jahrtausende alte nahöstliche nichtchristliche und nichtislamische Glaubensgemeinschaft und sprechen die Kurmanci-Variante des Kurdischen. Ihre Gesamtzahl wird nach Angaben der Gesellschaft für bedrohte Völker auf rund 800.000 Angehörige im Nahen Osten und der europäischen Diaspora geschätzt. Ihr Hauptsiedlungsgebiet liegt im Nordirak. Hier leben etwa 550.000 Yeziden. In Armenien leben rund 18.000 Yeziden, in Syrien etwa 5000 und in Georgien noch 1.200. Die rund 50.000 Yeziden in Deutschland kamen meist als Religionsflüchtlinge aus der Türkei. Dort wird ihre Zahl heute auf etwas mehr als 400 geschätzt.
In der nordwestirakischen Bergregion Sinjar stellen die Yeziden mit etwa 400.000 Angehörigen rund 80 % der Bevölkerung. Die Straßen, die aus der Provinz Mosul in diese nordwestirakische Bergregion führen, sind meist blockiert oder nur unter Lebensgefahr passierbar. Die einzige, bisher einigermaßen sichere Verbindungslinie verläuft über Dohuk und Al-Rabia. Doch auch hier drohen islamistische Terroristen immer häufiger mit Angriffen.

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