Die Wayúus häkeln traditionelle Hängematten und Taschen, sogenannte Mochilas.
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Die Wayúu sind eines der größten Indigenen Völker in Kolumbien und Venezuela. Sie sind in beiden Ländern die zahlenmäßig größte indigene Bevölkerungsgruppe. Besonders ihr Kunsthandwerk, gehäkelte Hängematten und Taschen (sogenannte Mochilas), ist berühmt und hat durch die abgebildeten Mythen und Bräuche neben dem ökonomischen auch einen spirituellen Wert für sie. Die Wayúu leben vom Fischfang, der Viehwirtschaft, dem Tourismus sowie von kleinflächigem Obst- und Gemüseanbau. Ihre indigene Sprache Wayuunaiki wird von etwa 420.000 Menschen aktiv gesprochen. Auch in der Medizin haben sie ihre Traditionen und ihr Wissen über medizinische Pflanzen weitestgehend erhalten. Außerdem genießen sie bis zu einem gewissen Grad juristische Unabhängigkeit: Bei Auseinandersetzungen innerhalb ihrer Gemeinschaften gilt ihre eigene Rechtsprechung.

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Infrastrukturprojekte verschärfen Wasserknappheit
Das Gebiet der Wayúu erstreckt sich von der Guajira-Halbinsel im Nordosten Kolumbiens bis zum Maracaibo-See in Venezuela. Ein Abkommen zwischen den beiden Ländern erlaubt ihnen Freizügigkeit. Traditionell wandern sie während der Trockenzeit nach Venezuela und in der Regenzeit nach Kolumbien.
Gleichzeitig ist das besondere Ökosystem der Guajira – das trotz tropischer Breitengrade wüstenähnlich daherkommt – stark vom Klimawandel bedroht: Der Regen fällt immer seltener. Die Wasserknappheit hat sich in den letzten Jahren auch wegen großer Infrastrukturprojekte verschärft.
2011 baute der kolumbianische Staat den Staudamm Cercado am Fluss Ranchería, einem der beiden Flüsse, die durch die Guajira fließen – ohne die freie, vorherige und informierte Zustimmung (FPIC) der Wayúu einzuholen. Der Ranchería war ihre wichtigste Trinkwasserquelle und ermöglichte Viehhaltung sowie Obst- und Gemüseanbau. Der Fluss trocknete in den folgenden Jahren aus. Viele Nutztiere starben, was die Ernährungssicherheit in der Region weiter verschärfte.

Rohstoffabbau führt zu Menschenrechtsverletzungen
Die Wayúu sind durch weitere Projekte bedroht. Seit den 1980er Jahren wird im Tagebau El Cerrejón – einem der größten Tagebaue der Welt – Steinkohle abgebaut. Das Extraktionsgebiet wird ständig erweitert, mittlerweile beträgt es die Größe von Hamburg.
Dafür müssen immer mehr Dörfer umgesiedelt werden. Beim Abbau und Transport entsteht Feinstaub, der die überdurchschnittlich hohen Lungen- und Hauterkrankungen – vor allem bei Kindern – erklärt. Gleichzeitig sind viele Wayúu von Lohnarbeit im Tagebau oder bei der Öl-Förderung in der benachbarten Region Maracaibo in Venezuela abhängig.

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Bis heute hinterlässt auch der kolumbianische Bürgerkrieg und grassierender Drogenschmuggel seine Spuren: Die Gemeinschaften sind hochbewaffnet und zahlreiche Massaker wurden in dem Gebiet der Wayúu dokumentiert. Über 50.000 Menschen mussten in den vergangenen Jahrzehnten aus der Region fliehen. Heute versuchen die Wayúu durch nachhaltige Wirtschaftsmodelle, wie Öko-/Ecotourismus und traditionellem Kunsthandwerk vermehrt alternative Einkommensquellen zu entwickeln. Gleichzeitig kämpfen sie für ihre Landrechte, gegen weiteren Rohstoffabbau und den neu hinzugekommenen „Grünen Kolonialismus“, der Wind- und Solarparks in ihrem Gebiet vorsieht, die die Wirtschaft im globalen Norden entkarbonisieren soll, während die Menschen vor Ort weder Strom noch Wasser haben und von ihren traditionellen Ländereien verdrängt werden.
Blogbeiträge
Autorin: Regina Sonk
Redaktion: Elena Dellmuth, Stefanie Grolig und Myriam Givens
Zuletzt bearbeitet im Juni 2025.
