Foto: © Warchi/iStock

Liebe Leserin, lieber Leser,

426 Millionen. So viele Kinder sind 2019 in bewaffneten Konflikten aufgewachsen. Das ist fast jedes fünfte Kind der Welt. Die Anzahl der Verbrechen an Kindern in Konfliktgebieten erreichte ein Allzeithoch. Die gefährlichsten Staaten für Kinder waren im Jahr 2019 Afghanistan, die Demokratische Republik Kongo, Irak, Jemen, Mali, Nigeria, Syrien, Somalia, Sudan, Südsudan und die Zentralafrikanische Republik. Diese erschütternden Daten veröffentlichte die Hilfsorganisation „Save the children“ (dt. Rettet die Kinder) in einem Bericht am 20. November 2020, dem Internationalen Tag der Kinderrechte.

Die Kinderrechtskonvention der Vereinten Nationen von 1989 ist die meistratifizierte Konvention überhaupt. Nur die USA haben sie als einziger UN-Mitgliedsstaat nicht unterzeichnet. Trotzdem bleiben Kinderrechte immer wieder auf der Strecke. Dabei sind Kinder Zukunft – für Familien, Gemeinschaften, ganze Länder. Ihr Wohlergehen sollte allen am Herzen liegen.

Die jüngsten und am häufigsten vergessenen Opfer von Kriegen und Genoziden sind die sogenannten Kinder des Krieges. Das sind Kinder, die in Vergewaltigungen von den Angreifern gezeugt wurden. In den Gemeinschaften der Mütter gelten solche Kinder als „Kinder des Feindes“. Sie werden stigmatisiert, diskriminiert, ausgeschlossen – obwohl sie selbst unschuldig sind! Die Gesellschaft für bedrohte Völker nimmt sich der Thematik seit 2019 intensiv an. Auch unsere diesjährige Weihnachtsaktion, ein Adventskalender, war den Kindern des Krieges gewidmet. Sie finden die Türchen des Kalenders über die Seiten des Titelthemas dieser Ausgabe verteilt. Sie sollen anregen, über die Kinder des Krieges zu sprechen, das Schweigen zu brechen. Denn nur so können wir diesen Kindern eine bessere Zukunft ermöglichen.

Ebenfalls zukunftsentscheidend für Kinder ist ihr Zugang zu Bildung. In Kamerun ist dieser kaum noch möglich – im Norden durch die Terrorgruppe Boko Haram, im Westen durch den bewaffneten Konflikt zwischen den anglophonen Rebellen und der frankophonen Regierung. Die Jugend gerät überall zwischen die Fronten. Wer kann, flieht. Kamerun belegte im Jahr 2020 schon das zweite Mal in Folge Platz eins der Liste „die vergessenen Krisen dieser Welt“, die der Norwegische Flüchtlingsrat jedes Jahr veröffentlicht.

Doch auf Kindern ruht die Hoffnung von Gemeinschaften. Der junge Rohingya Sirazul Islam ist im Flüchtlingslager Kutupalong geboren. Dort lebte er, bis er acht Jahre alt war. Im Interview erzählt er, wie sich sein Leben wendete und wie er sich heute für seine Gemeinschaft einsetzt.

Auch dank ihrer Kreativität können Kinder, Jugendliche und junge Erwachsene viel erreichen. In Argentinien entdecken junge Filmemacher*innen den Wert des Kinos für ihre indigenen Gemeinschaften. Im Internet behaupten sich junge Aktivist*innen geschickt sogar gegen die Zensur durch die chinesische Regierung. Hoffnung ist also da. Geben wir sie nicht auf!

In diesem Sinne wünsche ich Ihnen alles Gute für das Jahr 2021 und wünsche Ihnen eine spannende Lektüre dieser Ausgabe!

Herzliche Grüße

Johanna Fischotter



GfbV-Zeitschrift im Abo

Wir würden uns besonders darüber freuen, wenn Sie unsere Zeitschrift regelmäßig lesen möchten: Das Abonnement umfasst sechs Ausgaben im Jahr und kostet inklusive Versand 25 Euro pro Jahr (ermäßigt 20 Euro).

Jetzt Zeitschrift abonnieren oder kostenloses Probeheft anfordern.


Lesen Sie weiter