Bildnachweis Titel: Am Internationalen Frauentag demonstrieren Tausende in Mexico City gegen die Gewalt und für die Rechte von Frauen. Polizistinnen haben von Demonstrantinnen als Zeichen der Anerkennung Blumen überreicht bekommen. So solidarisch ist das Verhältnis nicht überall. Foto: Mike González/Pexels.com

Liebe Leser*innen,

wer vertraut, reduziert Komplexität. Eben weil er im Zutrauen auf das Funktionieren der (Um-)Welt Entscheidungen treffen kann, ohne alle Eventualitäten durchdenken zu müssen. So geben wir Gas, wenn die Ampel „Grün“ zeigt, oder trinken ohne Zögern ein Glas Wasser aus dem Hahn mit der Gewissheit, dass dieses sauber und bekömmlich ist. 

Wie aber ergeht es Menschen, denen diese Selbstverständlichkeit geraubt wurde oder in deren Leben sie nie existierte? Menschen, die sich berechtigterweise fragen müssen, ob nicht im nächsten Augenblick eine zentnerschwere Gleitbombe den Supermarkt in Schutt und Asche legen wird, in dem sie gerade den Wocheneinkauf erledigen. Oder deren nächtlicher Nachhauseweg nicht nur gefühlt, sondern ganz faktisch gefährlich ist – und sie zwingt aufmerksam ihre Umgebung zu sondieren, vollgepumpt mit Adrenalin, immer mit dem Schlimmsten rechnend. „Ohne Sicherheit ist alles andere nichts“, konstatierte der frühere Bundeskanzler Olaf Scholz auf der diesjährigen Münchner Sicherheitskonferenz – einen Tag nachdem US-Vize JD Vance verbal das Vertrauen ins transatlantische Bündnis zertrümmerte. Mit diesem Satz hob er die unmittelbare Bedeutung der eigenen Verteidigungsfähigkeit als Grundlage für Demokratie, Freiheit und damit auch die Menschenrechte hervor. Sicherheit in Europa hat wieder spürbar einen Preis – eine Zeitenwende, mit deren Ausmaß und Folgen die deutsche Gesellschaft bis heute hadert und über die wir mit dem Friedens- und Konfliktforscher Prof. Dr. Christoph Daase gesprochen haben (S. 14). Sicherheit wird aber nicht nur von außen angegriffen. So mussten sich Indigene in Cherán selbst gegen verbrecherische Kartelle erheben (S. 18). Andere, wie eine Gemeinschaft im bolivianischen Teil des Amazonasbeckens, entschieden sich vor Generationen gegen die Unterwerfung und für die Flucht in die Wälder (S. 44). Wie gefährdet insbesondere Menschenrechtler*innen sind, zeigen aktuelle Zahlen (S. 8) und persönliche Geschichten von Männern und Frauen, die nicht in großer Sicherheit über sich verengende Meinungskorridore philosophieren können, sondern ganz faktisch ihr Leben riskieren müssen, um das Schweigen zu brechen (S. 48). Diese Menschen gilt es mit Wort und Tat zu unterstützen und das Selbstverständliche nicht selbstverständlich zu nehmen. Denn, so fasst es Holistic-Security-Trainer Peter Steudtner (S. 40) zusammen: „Wir spüren gerade alle, dass der Gegenwind schärfer wird. Also lasst uns aufeinander aufpassen ...“

 

Eine gute Lektüre und viele Impulse wünscht ...

Holger Isermann

 

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