Nach dem russischen Angriffskrieg hat Deutschland im Rekordtempo zwei LNG-Terminals in Betrieb genommen, um unabhängig vom russischen Gas zu werden. Hier zu sehen ist die „Hoegh Gannet“ in Brunsbüttel im Juli 2023, die bis zum Betriebsbeginn des Terminals an Land das Flüssiggas aus den Tankschiffen umwandelt und ins Netz einspeist.
Foto: HenSti/Wikipedia BY-SA 4.0

 

Der Klimawandel wurde zuletzt durch Kriege und protektionistische Politik von der globalen Agenda verdrängt. Über die fatalen Folgen dieser Aufmerksamkeitsverschiebung, globale Hotspots und die Ungerechtigkeit, dass Extremwetterereignisse und Dürren mit Minderheiten und indigenen Gemeinschaften im Süden jene Menschen am härtesten treffen, die für die Erwärmung am wenigsten verantwortlich sind, sprachen wir mit Professor Dr. Walter Leal. Den Kritikern der Energiewende entgegnet der Leiter des Forschungs- und Transferzentrums „Nachhaltigkeit und Klimafolgenmanagement“ der HAW Hamburg: „Die Idee, der Globale Norden könne sich von diesen Folgen abschotten oder sie technokratisch beherrschen, ist eine gefährliche Illusion.“
 

Von Holger Isermann

Prof. Dr. (mult.), Dr. h.c. (mult.) Walter Leal leitet das Forschungs- und Transferzentrum
„Nachhaltigkeit und Klimafolgenmanagement“ der HAW Hamburg und lehrt an weiteren europäischen Universitäten, wie der Universität Uppsala in Schweden und der polnischen Merito University. Er ist Initiator des Internationalen Klimawandel-Informationsprogramms ICCIP und agiert als Review Editor für den Weltklimarat.

 

Herr Leal, vor dem russischen Angriffskrieg auf die Ukraine schien es so, als ob die Welt verstanden hätte. Quer über den Globus waren gewaltige politische Anstrengungen zum Schutz des Klimas beobachtbar. Wie blicken Sie auf die gegenwärtige Situation? Hat der Krieg auch hier zerstörerische Wirkung bewiesen?

Absolut, der Krieg hat eine zerstörerische Doppelwirkung entfaltet. Zunächst als brutaler, direkter ökologischer Angriff durch Zerstörung von Industrieanlagen, Wäldern und Agrarland. Viel folgenschwerer ist jedoch die indirekte, globale Wirkung: Die energiepolitische Notlage hat kurzfristige Versorgungssicherheit über langfristige Klimaziele gestellt, weltweit. Kohle- und LNG-Projekte erhielten neuen Aufschwung, die Einsparzwänge wurden gelockert. Die immense Aufmerksamkeit und politische Kapazität, die für die Transformation nötig ist, wird nun von der Sicherheitskrise absorbiert. Der Krieg hat gezeigt, wie fragil der multilaterale Klimakonsens ist, sobald fundamentale geopolitische Interessen kollidieren.

 

Im Bericht des Weltklimarates aus dem Jahr 2022 an dem Sie mitgeschrieben haben, heißt es: „Jede weitere Verzögerung bei konzertierten globalen Maßnahmen wird ein kurzes und sich schnell schließende Zeitfenster zur Sicherung einer lebenswerten Zukunft verpassen.“ Wie blicken Sie vier Jahre später auf diesen Satz?

Vier Jahre später hat dieser Satz eine beklemmende, fast prophetische Dringlichkeit erhalten. Das Zeitfenster schließt sich nicht nur, es wird aktiv zugeschlagen. Die Verzögerungen haben sich fortgesetzt – durch Pandemie, Energiekrise und geopolitische Brüche. Die Lücke zwischen dem Notwendigen und dem tatsächlich politisch Umsetzbaren ist größer, nicht kleiner geworden. Jedes Zehntelgrad Erwärmung, das wir jetzt durch unzureichende Maßnah-men verfestigen, schränkt die Optionen für künftige Generationen drastisch ein. Die Wissenschaft war nie klarer, doch die konzertierte globale Aktion bleibt das entscheidende Versäumnis.

 

Der Global Tipping Points Report warnt, dass mit den Warmwasserkorallen der erste Klimakipppunkt überschritten ist. Ist es eigentlich noch „fünf vor zwölf“?

Die Metapher verliert hier leider ihre Bedeutung. Wenn Kipppunkte aktiviert werden, tritt keine lineare, sondern eine unumkehrbare, sich selbst verstärkende Veränderung ein. Es ist bereits nach zwölf für jene Systeme. Das Abschmelzen des Grönlandeises oder des Westantarktischen Eisschilds ist jetzt ein Jahrhundert- bis Jahrtausende andauernder Prozess, den wir ausgelöst haben. Der Punkt „nach zwölf“ ist also kein globaler einheitlicher Zeitpunkt, sondern eine Abfolge von Ereignissen, die wir bereits beobachten. 

 

Was bedeutet das konkret?

Die entscheidende Frage heute ist nicht mehr, ob wir alle Kipppunkte verhindern können, sondern wie viele wir aktivieren und wie heftig die Kaskade wird. Jede Verzögerung bei Emissionsminderungen und Anpassung bedeutet, dass weitere dieser irreversiblen Schwellen überschritten werden. Das Ziel ist es, die Kettenreaktion so weit wie möglich zu begrenzen. Es ist also nicht „fünf vor oder nach zwölf“ – wir befinden uns bereits in der ersten Stunde einer neuen, von uns mitgeprägten Ära, in der es um Schadensbegrenzung und das Management der Folgen der Klimaerwärmung geht.

 

Ein Argument in der deutschen Politik ist, dass Klimaschutz nur funktioniert, wenn alle auf der Welt mitmachen. Damit wird der Sinn von nationalen Klimaschutzansätzen hinterfragt. Was denken Sie?

Diese Argumentation ist ein logischer Trugschluss, der zu gefährlichem politischem Stillstand führt. Er übersieht drei zentrale Punkte: Die Führungs- und Vorbildrolle: Kein Land würde jemals beginnen, wenn alle auf den anderen warten. Historisch gingen transformative Technologien (z. B. Erneuerbare Energie) und Regulierung (z. B. Emissionshandel) immer von Vorreitern aus, die Märkte, Skaleneffekte und Lösungswege schufen. Deutschland hat hier als Industrienation eine besondere Verantwortung und Chance.
Die ökonomische und technologische Dynamik: Nationaler Klimaschutz ist kein reines „Opfer“, sondern der wichtigste Treiber für Innovation, zukunftssichere Jobs und energetische Unabhängigkeit. Wer zu lange wartet, verpasst den Anschluss in den Schlüsselindustrien des 21. Jahrhunderts und bleibt von fossilen Krisen abhängig. Die politische Glaubwürdigkeit: Auf internationaler Bühne können Deutschland oder die EU nur dann wirksam auf globale Mitwirkung drängen, wenn sie ihren eigenen Haushalt in Ordnung haben. Glaubwürdigkeit entsteht durch eigenes Handeln.
 

Müsste der Globale Norden stärker die eigene Verantwortung für die Erderwärmung anerkennen?

Absolut. Die historische Verantwortung des Globalen Nordens ist eine unumstößliche Tatsache und das ethische Fundament der Klimagerechtigkeit.Die Industrienationen haben durch ihre frühe und massive Nutzung fossiler Brennstoffe den größten Teil der bereits in der Atmosphäre akkumulierten Treibhausgase verursacht. Der Globale Norden muss seine Emissionen nicht nur proportional, sondern überpro-portional und deutlich schneller reduzieren. Das ist eine Frage der Fairness, aber auch der Machbarkeit, da hier die finanziellen und technologischen Kapazitäten vorhanden sind. Die Zusage von 100 Milliarden US-Dollar jährlich für Klimafinanzierung an den Globa-en Süden ist nicht einfach „Hilfe“, sondern eine moralische Pflicht. Diese Mittel sind notwendig für Anpassung an bereits unvermeidbare Folgen und für eine saubere Entwicklung, die den fossilen Pfad umgeht.

 

Wie könnte aus Ihrer Sicht eine faire Lastenverteilung auf der Welt aussehen?

Sie muss sich an zwei ethischen Grundprinzipien orientieren: Verursacherverantwortung (historische Emissionen) und Handlungsfähigkeit (wirtschaftliche Kapazität). Ein gerechtes Modell umfasst daher mehrere, sich ergänzende Säulen. Konkret bedeutet dies, dass Deutschland oder die USA nicht nur früher klimaneutral werden, sondern auch substanziell die Transformation in Bangladesch oder Kenia finanzieren müssten. Gleichzeitig dürfen Schwellenländer wie Indien ihr Recht auf Entwicklung nicht verwirken, müssen aber mit unterstützter Technologie einen anderen Pfad als den fossilen einschlagen. Faire Lastenverteilung ist kein Nullsummenspiel, sondern ein Anerkennungs- und Ausgleichsprozess für historisches Unrecht und gegenwärtige Ungleichheit. Nur so bleibt das 1,5°C-Ziel erreichbar – und der soziale Frieden ebenfalls.
 

Lässt sich mit einem Beispiel oder einer Zahl greifbar machen, wie sehr viel stärker der Globale Süden unter den Folgen leidet?

Ja. Ein besonders eindrückliches Beispiel ist der Zyklon „Idai“, der 2019 Mo-sambik, Malawi und Simbabwe traf. Die Regenmengen und die Sturmflut wur-den durch die wärmere Meeresoberfläche infolge des Klimawandels deutlich verstärkt. Die humanitären und wirtschaftlichen Folgen zeigen die brutale Ungerechtigkeit: Über 1.000 Menschen starben, drei Millionen waren unmittelbar betroffen. Der wirtschaftliche Schaden belief sich auf über zwei Milliarden US-Dollar – ein existenzbedrohender Verlust für Länder, in denen das jährliche Gesundheitsbudget pro Kopf oft unter 50 Dollar liegt. Dieser einzelne Sturm macht sichtbar, was Statistiken global belegen: Die zehn am stärksten von Wetterextremen betroffenen Staaten sind überwiegend arme Länder des Globalen Südens. Sie erleiden nicht nur häufiger Katastrophen, sondern haben auch die geringsten finanziellen und technischen Mittel, sich zu schützen, anzupassen und zu erholen. Sie tragen die existenziellen Kosten einer Krise, die sie kaum verursacht haben.

 

 

Der Zyklon „Idai“ hat im März 2019 den Osten des afrikanischen Kontinents getroffen. Auf dem Foto ist zu sehen, wie sich die Menschen in Mosambik auf die Dächer ihrer Häuser retten. Foto: World Vision/Wikipedia BY 2.0

 

Modellrechnungen gehen von einer mittleren globalen Erwärmung von 3,2 °C bis ins Jahr 2100 aus, wenn sich die bisherige Politik fortschreibt. In was für einer Welt würden wir dann leben?

Wir würden in einer Weltgesellschaft im permanenten Krisenmodus existieren, in der heute bereits beobachtbare Extreme zur neuen Normalität werden. Die Folgen wären keine isolierten Umweltprobleme, sondern tiefgreifende menschliche, ökonomische und geopolitische Katastrophen.

 

Was bedeutet dies?

Ökologisch wäre dies eine Welt massiver Verluste: Ein Großteil der Korallen-riffe und des Amazonas-Regenwaldes wäre kollabiert, die Arktis im Sommer eisfrei, und der beschleunigte Meeresspiegelanstieg würde zahlreiche Küstenregionen und Inselstaaten unbewohnbar machen. Extreme Hitzewellen, die heute als Jahrhundertphänomen gelten, wären alljährlich, und Dürren sowie Überschwemmungen würden die Landwirtschaft in vielen Weltregionen an ihre Grenzen bringen, was zu chronischer Ernährungsknappheit und Wasserkriegen führen könnte.

 

Und könnte der Globale Norden diese Folgen noch beherrschen oder aussperren?

Die Idee, der Globale Norden könne sich von diesen Folgen abschotten oder sie technokratisch beherrschen, ist eine gefährliche Illusion. Zwar verfügen reiche Nationen über mehr finanzielle Ressourcen für Deiche, Klimaanlagen und Notreserven, doch auch ihre Resilienz hat Grenzen. Die wirtschaftlichen Schäden wären selbst für die reichsten Volkswirtschaften nicht mehr zu stemmen, globale Lieferketten und Märkte würden unter dem chronischen Stress zusammenbrechen. Versicherungssysteme würden kollabieren. Vor allem aber wäre die Welt politisch destabilisiert. Klimabedingte Massenmigration, Ressourcenkonflikte und Staatszerfallsprozesse im Globalen Süden würden massive Fluchtbewegungen und Sicherheitsrisiken auslösen, die durch keine Mauer aufzuhalten wären.

 

Sie schreiben, dass der Klimawandel die Armut verschlimmert und die Ungleichheiten verschärft …

Der Klimawandel wirkt wie ein Verstärker jeder bestehenden sozialen, wirtschaftlichen und politischen Ungleichheit. Konkret verschlimmert er die Armut, indem er die Lebensgrundlagen derjenigen zerstört, die am stärksten von natürlichen Ressourcen abhängen und am wenigsten Puffer haben. Eine Kleinbäuerin in der Sahelzone, deren Familie seit Generationen von einer kleinen Parzelle lebt, erlebt dies direkt: Durch unberechenbare Regenzeiten und verlängerte Dürren fallen Ernten aus oder werden vernichtet. Sie hat keine Bewässerungssysteme, keine Versicherung und keine Ersparnisse. Ein einziger Zyklon kann einer Fischerfamilie in Bangladesch nicht nur ihr Boot, sondern ihr gesamtes Hab und Gut nehmen. Diese Menschen fallen nicht nur temporär in Armut, sondern in eine tiefe, generationenübergreifende Armutsfalle, aus der es ohne Hilfe kaum ein Entrinnen gibt.

 

Was bedeutet der Klimawandel für indigene Gemeinschaften und Minderheiten?

Für sie hat der Klimawandel eine existenzielle, kulturelle Dimension. Sie sind oft die Hüter besonders klimasensitiver Ökosysteme wie Wälder, Tundra oder Küsten. Der Klimawandel entzieht ihnen nicht nur ihre physische Lebensgrundlage, sondern zerstört das Fundament ihrer kulturellen Identität. Das Schmelzen des Permafrosts in der Arktis bedroht die Lebensweise der Inuit und Samen, da traditionelle Jagdgründe unsicher werden und ganze Siedlungen umgesiedelt werden müssen. Im Amazonasgebiet bedrohen zunehmende Dürren und Brände nicht nur den Regenwald selbst, sondern die gesamte kosmologische und physische Heimat Hunderter Indigener Völker. Diese Gruppen tragen oft die geringste historische Verantwortung für die Emissionen, sind aber durch ihre enge Verbindung zur Natur und ihre häufig prekäre politische und rechtliche Stellung am verwundbarsten. Ihre Stimmen werden zudem bei Entscheidungen über Landnutzung und „Klimaschutzprojekte“ oft übergangen, was zu weiterer Enteignung und Ungerechtigkeit führt.

 

Wenn sich die Welt wie prognostiziert bis zum Jahr 2100 um rund 3,2 Grad Celsius erwärmt, würde ein Großteil der Korallenriffe kollabieren.
Foto: Francesco Ungaro

Wo liegen besondere globale Hotspots und was zeichnet diese aus?

Dazu zählen kleine Inselstaaten wie die Malediven, die durch Meeresspiegelanstieg existenziell bedroht sind; Dürregebiete wie die Sahelzone, wo Wassermangel zu Ernteausfällen führt; und dicht besiedelte Flussdeltas wie in Bangladesch, die Sturmfluten und Versalzung ausgesetzt sind. Auch die Arktis, die sich überproportional erwärmt, und Gletscherregionen des Himalaya sind Hotspots. Gemeinsam ist ihnen, dass sie kaum zum Klimawandel beitrugen, aber überlebenswichtige Systeme verlieren und oft die Ressourcen für deren Schutz fehlen.

 

Unter dem Begriff „Just Transition“ wird eine vermeintlich faire Transformation zur Klimaneutralität verhandelt. Menschenrechtsorganisationen kritisieren viele Projekte und Initiativen im Globalen Süden dagegen als „grünen Kolonialismus“, weil sie Abhängigkeiten fortschreiben würden, statt diese aufzubrechen ...

Die Kritik ist absolut berechtigt und ernst zu nehmen. Eine echte „Just Transition“ darf nicht bedeuten, dass der Globale Norden seine Klimaziele erreicht, indem er im Süden grünen Wasserstoff oder Bioenergie monopolisieren lässt, lokale Gemeinden verdrängt oder Rohstoffe ohne faire Wertschöpfung extrahiert. Transformation muss gerecht sein, sonst ist sie keine. Sie muss von unten mitgestaltet werden, lokales Wissen respektieren und wirtschaftliche Souveränität stärken, anstatt alte Ausbeutungsmuster nur ökologisch neu zu lackieren. Indigene Gemeinschaften leben zumeist im Einklang mit der Natur und haben ein sehr feines Gespür für Veränderungen ihrer Umwelt. Trotzdem fließen ihre Erkenntnisse und Erfahrungen kaum in Forschung und politische Entscheidungen ein, sind gar strukturell unsichtbar ...

Das ist ein folgenschwerer Fehler und immenser Wissensverlust. Diese Gemeinschaften besitzen seit Generationen gesammeltes, ortspezifisches Wis-sen über Ökosysteme, Artenverhalten und Anpassungsstrategien. Dieses Wissen ist ein unschätzbarer Daten- und Frühwarnschatz. Seine systematische Ausgrenzung macht Klimapolitik nicht nur ungerecht, sondern auch unwirksam. Lösungen, die ihre Perspektive und Landrechte ignorieren, scheitern oft oder führen zu neuer Vertreibung. Eine wahrhaft resiliente Klimastrategie muss indigenes Wissen als gleichberechtigte Wissenschaft anerkennen und in Entscheidungen einbetten.
 

„Ein einziger Zyklon kann einer Fischerfamilie in Bangladesch nicht nur ihr Boot, sondern
ihr gesamtes Hab und Gut nehmen.“
Foto: Miad Ahmed/Wikipedia BY 4.0

Neben der Reduktion von klimaschädlichen Emissionen fordern Wissenschaftler wie Sie auch eine bessere Vorbereitung auf die heute schon nicht mehr abwendbaren Folgen der Klimaerwärmung. Wie könnte das aussehen?

Anpassung bedeutet, unsere Systeme widerstandsfähig zu machen. Konkret sieht das aus wie der naturbasierte Hochwasserschutz durch Deichrückver-legung, hitzeresiliente Stadtplanung mit mehr Grünflächen, die Züchtung trockenresistenterer Nutzpflanzen und der Aufbau effektiver Frühwarnsysteme für Extremwetter.

 

Wer ist hier gefragt? Die internationale Gemeinschaft, nationale Regierungen, jeder Einzelne?

Hier sind alle Ebenen gefragt: Die in-ternationale Gemeinschaft muss Finanzierung für den Globalen Süden bereitstellen. Nationale Regierungen müssen Anpassung durch Gesetze und Infrastrukturprojekte zur Priorität machen, Kommunen planen und umsetzen. Und jeder kann durch lokales Engagement und eigenes Vorsorgeverhalten, wie der Begrünung des eigenen Umfelds, dazu beitragen.

 

Gibt es etwas, das Ihnen Hoffnung macht?

Sicher. Die Geschwindigkeit, mit der erneuerbare Energien und Elektromobilität inzwischen wirtschaftlich wettbewerbs-fähig geworden sind, hat alle Prognosen übertroffen. Dies ist ein machtvoller, struktureller Wendepunkt. Noch entscheidender ist die junge Generation, die mit einer klaren, unerbittlichen Stimme intergenerationale Gerechtigkeit einfordert – in Gerichtssälen oder auf den Straßen. Und ich sehe die ungebrochene Stärke und den Wissensschatz indigener Gemeinschaften und lokaler Bewegungen, die weltweit für den Erhalt ihrer Lebensgrundlagen kämpfen. Sie sind die lebendige Widerstandskraft. Diese Kombination aus technologischem Kipppunkt, moralischem Druck der Jugend und beharrlicher lokaler Verteidigung unserer natürlichen Systeme schafft eine neue politische Realität. Der Wandel ist nicht mehr nur notwendig, er ist bereits im Gange. Unsere Aufgabe ist es, ihn mit aller Kraft zu beschleunigen und gerecht zu gestalten. Darin liegt meine Hoffnung.
 

 


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