Hinweis zum Sprachgebrauch in älteren Beiträgen
Der folgende ältere Beitrag kann Sprache und Formulierungen enthalten, die heute nicht mehr den Ansprüchen einer diskriminierungsfreien und sensiblen Ausdrucksweise entsprechen. Er wurde im historischen Kontext verfasst und bewusst unverändert gelassen, um unsere jahrzehntelange Menschenrechtsarbeit zu dokumentieren.
Liebe Leserin, lieber Leser,
zwei Weltkriege erschütterten die Menschheit im vergangenen Jahrhundert. Eine neue, stärkere Weltorganisation sollte den fragilen Frieden künftig besser sichern. „Wir, die Völker“ verpflichten uns zum Frieden. Die Vereinten Nationen (UN) waren mit 51 Gründungsmitgliedern geboren. Am 24. Oktober 1945 trat die UN-Charta in Kraft.
Heute haben die UN 193 Mitglieder – fast alle Staaten der Welt. Um Mitglied zu werden, muss ein Staat von allen anderen Staaten der Welt anerkannt sein. Vatikan-Staat ist aktuell der einzige Staat der Welt, der diese Bedingung erfüllt und trotzdem (freiwillig) kein Mitglied der UN ist. Mit der Unterzeichnung der UN-Charta verschreiben sich die Staaten den Zielen der UN: Frieden sichern, Menschenrechte durchsetzen, nachhaltig entwickeln.
Die UN sind zu einer Weltorganisation gewachsen. Mit ihren komplexen Strukturen sind sie jedoch wenig reformbereit. Dabei legen die vielen Fehlschläge das Versagen der Vereinten Nationen, ihre Schwachstellen, schmerzlich offen. „Nie wieder“ hatte sich die Weltorganisation nach dem Zweiten Weltkrieg und nach dem Holocaust auf die Fahnen geschrieben – doch was kam waren weitere Kriege, Massaker und sogar Völkermorde.
Ruanda, Srebrenica oder jüngst den Genozid an den Rohingya in Burma konnten die Vereinten Nationen nicht verhindern. Im Bürgerkrieg in Sri Lanka schützten sie die Zivilbevölkerung ebenso wenig wie sie es aktuell im Syrienkrieg tun. Die UN-Gremien blockieren sich selbst und gegenseitig. Handeln oder gar ein Eingreifen wird unmöglich.
Und doch sind die Vereinten Nationen die einzige Organisation der Welt, bei der (fast) alle Staaten der Welt zusammenkommen, um über Probleme zu reden – und nicht nur Staaten kommen mittlerweile zusammen. Auch dem Anspruch „Wir, die Völker“ werden die UN heute ein bisschen gerechter als noch 1945. So haben sich indigene Völker und Minderheitenvertreter*innen Gehör verschafft. Wahre Gerechtigkeit scheitert zwar noch immer spätestens an den Strukturen der UN, aber es ist ein Schritt in die richtige Richtung.
75 Jahre Vereinte Nationen sind eine Geschichte des Scheiterns und der Erfolge. Werden die UN aus ihren Fehlern lernen und Reformen anstreben? Oder lassen sie sich aktuell von Diktaturen unterwandern? Der Frieden und die Menschenrechte stehen auf dem Spiel.
Ich wünsche Ihnen eine spannende Lektüre!
Herzliche Grüße
Johanna Fischotter
Redakteurin
aus „bedrohte Völker – pogrom“ Nr. 316, 01/2020
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