Die Mandäer*innen sind eine kleine religiöse Minderheit im Nahen Osten, deren Ursprünge vermutlich in die Zeit zwischen der Geburt Christi und etwa dem 3. Jahrhundert n. Chr. zurückreichen. Ihre Religion, das Mandäertum, gilt als die älteste noch existierende gnostische Religion und ist monotheistisch geprägt.
Eine zentrale religiöse Figur ist Johannes der Täufer, der im Mandäertum als wichtiger Prophet verehrt wird. Die mandäische Religion legt großen Wert auf rituelle Reinheit; daher spielt die Taufe in fließendem Wasser eine zentrale Rolle im religiösen Leben der Gemeinschaft und wird mehrfach im Leben durchgeführt. Die Gebetshäuser der Mandäer*innen befinden sich deshalb traditionell in der Nähe von Flüssen.
Heimat der Mandäer*innen im Irak und Iran
Das traditionelle Siedlungsgebiet der Mandäer*innen liegt im Süden des Irak, insbesondere in den Regionen um Basra, Amarah und Nasiriyah, sowie im angrenzenden Südwesten des Iran, vor allem in der Provinz Chuzestan. Weltweit gibt es schätzungsweise 60.000 bis 100.000 Mandäer*innen, wobei nur noch ein kleiner Teil von ihnen in ihrer ursprünglichen Heimat lebt.
Viele Angehörige der Gemeinschaft sind in den vergangenen Jahrzehnten nach Europa, Nordamerika oder Australien ausgewandert und bilden dort eine wachsende Diaspora. In Deutschland leben schätzungsweise 2.500 Mandäer*innen. Die größten Gemeinden befinden sich in München (ca. 850 Personen) und Nürnberg (ca. 800 Personen).
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Die Mandäer*innen sehen sich seit Jahrhunderten immer wieder Diskriminierung und Verfolgung ausgesetzt. Obwohl sie in einigen islamischen Traditionen als Angehörige einer „Buchreligion“ betrachtet werden, werden sie von extremistischen Gruppen häufig als Ungläubige angesehen. Immer wieder kommt es zu Übergriffen wie Entführungen, Vergewaltigungen, Zwangskonversionen und Plünderungen. Viele Mandäer*innen leben daher in ständiger Angst. Viele sehen sich gezwungen, ihre Heimat zu verlassen oder ihren Glauben zu verbergen.
Verschlechterung der Lage seit Irak-Krieg 2003
Im Irak hat sich ihre Situation seit dem Irak-Krieg 2003 drastisch verschlechtert. Während zuvor noch mehrere Zehntausend Mandäer*innen im Irak lebten, ist ihre Zahl durch Gewalt, Entführungen und religiöse Verfolgung stark zurückgegangen. Viele Familien sind geflohen, sodass heute nur noch wenige Tausend Angehörige dieser Gemeinschaft im Land leben.
GfbV fordert internationalen Schutz
Die Gesellschaft für bedrohte Völker (GfbV) macht regelmäßig auf die prekäre Lage der Mandäer*innen aufmerksam und fordert stärkeren internationalen Schutz für diese Minderheit. Mandäer*innen gehören zu den besonders gefährdeten religiösen Gemeinschaften im Nahen Osten. Ohne internationale Unterstützung ist ihre kulturelle und religiöse Existenz in ihrer historischen Heimat langfristig gefährdet.
Stand: Juni 2026
Autor: Dr. Kamal Sido Redaktion: Sarah Neumeyer
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Völkermord verhindern & Menschen schützen: Wir erkennen Risiken frühzeitig, warnen vor Eskalationen und setzen uns entschlossen für den Schutz der Zivilbevölkerung ein. Gewalt beenden, für Gerechtigkeit und Versöhnung.
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Internationaler Tag der Indigenen Völker (9.8.): Indigene Menschenrechtsverteidiger weltweit schützen
Zum Internationalen Tag der Indigenen Völker am 9. August ruft die Gesellschaft für bedrohte Völker (GfbV) dazu auf, indigene Umwelt- und Menschenrechtsverteidiger weltweit wirksam zu schützen. Viele von ihnen begeben sich in große persönliche Gefahr, wenn sie für die Rechte ihrer Gemeinschaften, den Erhalt ihrer Territorien und den Schutz von Umwelt und Klima kämpfen. In verschiedenen Weltregionen werden sie dafür bedroht und oft auch angegriffen.
Religiöse Unterdrückung in Syrien: Priester verhaftet, Erzbischof zurückgerudert
Die Gesellschaft für bedrohte Völker (GfbV) appelliert an die beiden großen christlichen Kirchen, die Evangelische Kirche in Deutschland (EKD) und die Römisch-Katholische Kirche, sowie an den Beauftragten der Bundesregierung für Menschenrechtspolitik und humanitäre Hilfe, Lars Castellucci, Glaubensfreiheit in Syrien als Menschenrecht ernst zu nehmen und sich dafür einzusetzen. Hintergrund ist der Verhaftung des kurdisch-christlichen Priesters Nihad Hasan (46) in Afrin am 20. Juli. Die Region wird seit 2018 von der Türkei besetzt. Inzwischen gibt es Berichte, dass Nihad Hassan nach fast drei Wochen Haft wieder freigelassen wurde.
Berichte über Zwangsrückführungen: Keine Sicherheit für Rohingya in Myanmar
Die Gesellschaft für bedrohte Völker (GfbV) warnt eindringlich vor der drohenden Zwangsrückführung tausender Rohingya aus Malaysia nach Myanmar: „Für die Rohingya gibt es keinen sicheren Ort. Sie fliehen vor Verfolgung durch das Militär und die De-facto-Herrschaft der Arakan Army im Bundesstaat Rakhine in Myanmar. In Malaysia wüten Hetzkampagnen und Inhaftierungswellen gegen sie”, berichtet Mirjam Kobold, GfbV-Referentin für Asien. „Die Zurückdrängung in die weiterhin gefährliche Lage in Myanmar verletzt eindeutig das völkerrechtliche Refoulement-Verbot, das auch für Malaysia gilt.” Neben den mehr als eine Million Rohingya, die seit Jahrzehnten – in immer neuen Fluchtwellen – ohne Perspektive in den Lagern von Cox’s Bazar in Bangladesch festsitzen, registriert das UNHCR rund 126.000 geflüchtete Rohingya in Malaysia. Das Land hat die Genfer Flüchtlingskonvention nicht unterzeichnet.
Europäischer Völkermord-Gedenktag für Sinti und Roma (2.8.): Roma in der Ukraine fordern gleichberechtigtes Gedenken und Unterstützung in der Kriegssituation
Anlässlich des europäischen Völkermord-Gedenktages für Sinti und Roma am 2. August fordern Roma in der Ukraine, dass der Genozid an ihren Vorfahren stärker in das nationale Bewusstsein und in die Erinnerungskultur der Ukraine integriert wird, wie die Gesellschaft für bedrohte Völker (GfbV) berichtet: „In den von ihnen besetzten Gebieten ermordeten die Nationalsozialisten unsere Vorfahren systematisch: im Distrikt Galizien, im Reichskommissariat Ukraine und in der von der Wehrmacht kontrollierten Zone“, erklärt Natalia Tomenko von der GfbV-Partnerorganisation Youth Agency for the Advocacy of Roma Culture (ARCA), deren Großmutter den Völkermord an den Roma der Ukraine überlebte.
12. Jahrestag des Völkermordes an den Yeziden (3.8.): Weiter unsichere Situation für Minderheiten im Irak
Anlässlich des 12. Jahrestags des Völkermords an der yezidischen Bevölkerung im Irak durch den sogenannten „Islamischen Staat“ (IS) wirft die Gesellschaft für bedrohte Völker (GfbV) der deutschen Bundesregierung vor, die Aufarbeitung verschleppt und keine wirksamen Konsequenzen gezogen zu haben. Mit der Anerkennung des Völkermordes durch den Deutsche Bundestag im Jahr 2023 wäre das erforderlich gewesen. „Auch wenn es noch nicht dazu gekommen ist, werden immer wieder Stimmen laut, Yeziden, die Opfer des Völkermordes geworden sind, in den unsicheren Staat Irak abzuschieben“, kritisierte Dr. Kamal Sido, Nahostreferent der GfbV, am heutigen Donnerstag in Göttingen. „Auch Angehörige christlicher und anderer Minderheiten sind im Irak und dem islamistisch regierten Syrien nicht sicher. Sie aus populistischen Motiven abzuschieben, würde ihr Leben unmittelbar gefährden.“
Anschlag auf den CSD in Berlin: Wer Islamisten hofiert, stärkt sie
Die Gesellschaft für bedrohte Völker (GfbV) hat heute in einem dringenden Appell an Bundeskanzler Friedrich Merz (CDU) die sofortige Beendigung der Zusammenarbeit mit islamistischen Regimen gefordert. Anlass ist der Anschlag auf den Berliner Christopher Street Day am 25. Juli 2026, der nach Einschätzung der Menschenrechtsorganisation ein Weckruf für die deutsche Außen- und Migrationspolitik sein muss: „Durch ihre laufende Kooperation mit islamistischen Regimen, zum Beispiel in der Türkei, Afghanistan, Katar oder Syrien macht die Bundesregierung den radikalen politischen Islam salonfähig. Ihre Außenpolitik legitimiert und stärkt damit militante Kräfte, die den gesamten Nahen Osten destabilisieren und auch unsere Sicherheit in Deutschland bedrohen“, betont Sarah Reinke, Leiterin der Menschenrechtsarbeit der GfbV.