Zum Inhalt springen

Mauretanien

Tiwilit Nouakchott
Nouakchott, die Hauptstadt Mauretaniens © jbdodane, Flickr CC BY-NC 2.0

Mauretanien ist ein Wüstenstaat im Nordwesten Afrikas mit rund 4,7 Millionen Einwohner*innen. Trotz der formellen Abschaffung der Leibeigenschaft vor mehr als 30 Jahren besteht moderne Sklaverei in Mauretanien weiterhin fort. Viele Betroffene verrichten unentgeltlich Hausarbeit, hüten Vieh oder arbeiten auf Feldern – oft unter Zwang und ohne Aussicht auf eigene Rechte. 

Mauretanien: Warum Sklaverei weiterbesteht

Die Haratin sind historisch in einem gesellschaftlichen System verankert, das sie gegenüber den politisch und wirtschaftlich dominanten Bidhan strukturell benachteiligt. Schätzungen gehen von bis zu 600.000 Menschen in sklavereiähnlichen Verhältnissen aus; rund 90 Prozent davon sind Frauen und Kinder. Kinder von versklavten Müttern gelten weiterhin als Eigentum der „Herren“, sodass sich moderne Sklaverei über Generationen fortsetzt. 

Obwohl der offene Handel mit Sklav*innen nicht mehr existiert und Sklaverei seit 2007 strafbar ist, bleibt die erblich weitergegebene Leibeigenschaft in vielen Regionen verbreitet. Die mauretanische Gesellschaft ist von einem ethnischen Pluralismus geprägt, der einer doppelten Logik folgt: Vielfalt einerseits und monolithische Herrschaft andererseits.

Staat und Tradition in Mauretanien: Ein verflochtenes System

In Mauretanien sind Staat und traditionelle Gemeinschaftsstrukturen eng miteinander verflochten. Es besteht eine Verbindung aus Macht, die sich auf traditionelle Strukturen stützen, und religiösem Scheichtum, da diese sozialen Normen selbst nach der Einführung staatlicher Institutionen ihre Autorität bewahrt haben. Dadurch sind staatliche Institutionen oft zu bloßem Dekor ohne tatsächlichen Einfluss geworden. Sie agieren weder fair noch neutral, da Ämter und Positionen so vergeben werden, dass sie die bestehende traditionelle Hierarchie festigen. 

Ohne starke Verbündete ist unsere Arbeit nicht möglich!

Ihre Spende sorgt dafür, dass wir Betroffene vor Ort stärken, Missstände dokumentieren und politischen Druck aufbauen können – konsequent, unabhängig und solidarisch.

Jeder Euro zählt – jeder Euro schützt.

Spenden Sie jetzt für die GfbV

Einen Intervall auswählen
Spendenbetrag
Spendenbetrag

Repression gegen Anti-Sklaverei-Aktivist*innen 

Initiativen zur Befreiung von Menschen aus sklavereiähnlichen Abhängigkeiten  scheitern oft an der mangelnden Umsetzung der Anti-Sklaverei-Gesetze. Viele Betroffene bleiben daher weiterhin ohne rechtliche Unterstützung. Menschen, die sich gegen Sklaverei einsetzen, leben in Mauretanien gefährlich. Behörden behindern ihre Arbeit, verweigern die Registrierung von Nichtregierungsorganisationen (NGOs).  Es werden immer wieder  Verhaftungen und Razzien durchgeführt. Einigen Aktivist*innen wurde mit dem Tod gedroht, viele sind daher ins Exil geflohen.

Menschenrechtsaktivist Biram Dah Abeid: Eine Stimme gegen die Sklaverei

Der mauretanische Menschenrechtsaktivist Biram Dah Abeid ist Gründer und Präsident der Anti-Sklaverei-Organisation IRA (Initiative pour la Résurgence du Mouvement Abolitionniste, deutsch: Initiative zur Wiederbelebung der Abschaffungsbewegung). Die Organisation wurde 2008 gegründet und  kämpft gegen die religiöse Rechtfertigung der Sklaverei. Sie hat sich seitdem an Sitzstreiks vor dem Justizministerium, Hungerstreiks und Demonstrationen in ganz Mauretanien beteiligt. 

Biram Dah Abeid ist eine der prominentesten Stimmen im Kampf gegen moderne Sklaverei. Er will Sklav*innen, die durch Analphabetismus, Armut und geografische Abgeschiedenheit isoliert sind, auf die Möglichkeit eines Lebens außerhalb der Knechtschaft aufmerksam machen. Wegen seines Engagements wird er stark verfolgt. Er wurde mehrfach verhaftet und zu langjährigen Haftstrafen verurteilt. Internationaler Druck führte zu seiner Freilassung im Mai 2016. Immer wieder begleiten europäische Botschafter*innen seine öffentlichen Auftritte, um ihn vor Übergriffen zu schützen. Die GfbV nominierte Biram Dah Abeid 2011 für den Weimarer Menschenrechtspreis und 2013 für den Menschenrechtspreis der Vereinten Nationen. Beide Auszeichnungen wurden ihm verliehen und würdigen sein herausragendes Engagement.

Stand: März 2026

Autorin: Laura Mahler
Redaktion: Sarah Neumeyer

Wofür wir uns einsetzen

Minderheiten & Indigene Völker stärken:
Wir setzen uns weltweit für bedrohte Gemeinschaften ein – für Selbstbestimmung, Schutz und Teilhabe.

Menschenrechtsverletzungen sichtbar machen:
Wir dokumentieren Unrecht, benennen es klar und bringen es in Öffentlichkeit, Politik und Medien. Sichtbarkeit schafft Schutz.

Völkermord verhindern & Menschen schützen:
Wir erkennen Risiken frühzeitig, warnen vor Eskalationen und setzen uns entschlossen für den Schutz der Zivilbevölkerung ein. Gewalt beenden, für Gerechtigkeit und Versöhnung.

Menschenrechte für alle durchsetzen: Wir sind solidarisch mit Betroffenen von Menschenrechtsverletzungen und stärken sie. Wir arbeiten für eine Politik ohne Doppelmoral, die Menschenrechte für alle garantiert. Solidarität und klare Haltung für Menschenrechte weltweit!

Ihre Ansprechpartnerin

Laura Mahler

Laura Mahler

Referentin für Subsahara-Afrika

E-Mail: l.mahler@gfbv.de 

Telefon: 03051 / 695825-3

Aktuelles zum Thema

Hintergründe

Keine Ergebnisse

Publikationen zum Thema

Die Türkei wählt

GfbV-Nahostreferent Kamal Sido stellt das Wahlsystem und die wichtigsten Parteien vor und erklärt, warum man aus Sicht der religiösen und ethnischen Minderheiten besonders auf das Abschneiden der HDP (Demokratische Partei der Völker) achten sollte.

# Dossier# Infomaterial# Reporte/Memoranden

Mehr

Ulrich Delius über die Lage der Rohingya vor dem ASEAN-Gipfel am 29.5.2015
© EU/ECHO/Pierre Prakash

Ulrich Delius über die Lage der Rohingya vor dem ASEAN-Gipfel am 29.5.2015

„Ohne eine politische Lösung wird auch die Massenflucht der Rohingya aus Burma nicht enden“, warnte der GfbV-Asienreferent Ulrich Delius am Donnerstag in Göttingen. „Das ASEAN-Gipfeltreffen am Freitag darf kein Feigenblatt sein, um Engagement für Menschenrechte und gegen Menschenhandel vorzutäuschen. Wer nun nur über humanitäre Hilfe für Boatpeople spricht, ignoriert, dass Regierung und Parlament in Burma ständig neue gesetzliche Grundlagen zur Ausgrenzung und Diskriminierung von Rohingya schaffen.“

# Infomaterial# Reporte/Memoranden

Mehr

Mahnwache vor der Aula der Universität: Wissenschaftler sollen sich für Freilassung von inhaftiertem Professor von chinesischer Partner-Universität einsetzen

Mit einer Mahnwache haben wir anlässlich des „2. Wirtschaftstages China“ an der Göttinger Universität an das Schicksal des in der chinesischen Partnerstadt Nanjing inhaftierten Professors Guo Quan erinnert und mehr Einsatz der Göttinger Universität für die Freilassung des Wissenschaftlers angemahnt.

# Infomaterial# Reporte/Memoranden

Mehr

Zum Thema aus unserer Zeitschrift

324 Großveranstaltungen im Sport: Die zwei Seiten der Medaille

324 Großveranstaltungen im Sport: Die zwei Seiten der Medaille

Zur Ausgabe

323 Umwelt und Menschenrechte: Die Elemente der Natur

323 Umwelt und Menschenrechte: Die Elemente der Natur

Zur Ausgabe

322 Welt der Mode: Einfach schick oder politisches Statement?

322 Welt der Mode: Einfach schick oder politisches Statement?

Zur Ausgabe