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Tansania

Tansania
Tansania © MISA

Tansania ist ein ostafrikanisches Land am Indischen Ozean mit einer Fläche von rund 945.000 Quadratkilometern und fast 62 Millionen Einwohner*innen. Die Bevölkerung setzt sich aus mehr als 130 ethnischen Gruppen zusammen, darunter die Maasai. Aufgrund frühzeitlicher Funde in der Region gilt Ostafrika als „Wiege der Menschheit“. Von 1885 bis 1918 war das heutige Tansania Teil der deutschen Kolonie „Deutsch-Ostafrika“. Im Anschluss stand es unter britischem Mandat. 1961 wurde das Festland Tanganjika unabhängig und vereinigte sich 1964 mit Sansibar und Pemba zur Vereinigten Republik Tansania. 

Widerstand gegen die deutsche Kolonialherrschaft in Tansania

Ab 1885 wurde das Gebiet vom Deutschen Reich kolonisiert. Die Kolonie „Deutsch-Ostafrika“ schloss neben Tansania auch die heutigen Staaten Ruanda, Burundi und einen kleinen Teil von Mosambik ein. Die Kolonialverwaltung errichtete Plantagen und Infrastruktur. Die einheimische Bevölkerung wurde systematisch unterdrückt, enteignet und zur Zwangsarbeit gezwungen. 

Während der rund drei Jahrzehnte deutscher Herrschaft in Ostafrika kam es nahezu ununterbrochen zu Kämpfen. Widerstand gegen die Kolonialherrschaft formierte sich früh: Bereits 1889 erhoben sich die Küstenbevölkerungen, in den 1890er Jahren folgten weitere: Die Hehe unter ihrem Anführer Mkwawa im Südwesten sowie die Dschagga um Mangi Meli in der Kilimandscharo-Region. Der schwerste Konflikt war der Maji-Maji-Krieg von 1905 bis 1907, bei dem schätzungsweise rund 300.000 Menschen durch Kämpfe, Hunger und Krankheiten starben. Auslöser war der Widerstand der Bevölkerung gegen die von den Deutschen erzwungenen Steuern und die weitverbreitete Zwangsarbeit. Er wurde von der deutschen Kolonialmacht mit einer Politik der verbrannten Erde niedergeschlagen: Dörfer, Felder und Vorräte wurden systematisch zerstört, um den Widerstand zu brechen und die Versorgung der einheimischen Bevölkerung unmöglich zu machen.

Nach dem Ersten Weltkrieg übernahm Großbritannien die Kontrolle über das Gebiet. Unter dem  Freiheitskämpfer und ersten Präsidenten (ab 1962) Julius Nyerere wurde Tanganjika 1961 schließlich unabhängig. 1964 vereinigte es sich mit Sansibar und Pemba zur Vereinigten Republik Tansania.

Vieh der Maasai lebt in Koexistenz mit Wildtieren. © MISA
Vieh der Maasai lebt in Koexistenz mit Wildtieren. © MISA

(Neo)kolonialer Natur- und Klimaschutz: Vertreibung der Maasai

Heute ist Tansania weltweit für Schutzgebiete wie die Serengeti oder den Ngorongoro-Krater bekannt. Viele dieser Naturschutzmodelle basieren jedoch auf dem kolonialen Konzept des „Festungsnaturschutzes“: Natur soll geschützt werden, indem man sie vor menschlicher Nutzung, insbesondere durch indigene Gemeinschaften, abschirmt. Schon während der deutschen und später britischen Kolonialherrschaft wurden große Gebiete zu Schutzräumen erklärt, was häufig mit der gewaltsamen Vertreibung der ansässigen Bevölkerung verbunden war. Diese Denkweise wirkt bis heute fort. 

Unter dem Vorwand des Natur- und Klimaschutzes wurden in den vergangenen Jahren Tausende Maasai aus ihren traditionellen Gebieten verdrängt – oft unter Gewaltanwendung. Die tansanische Regierung begründet dies mit einem angeblich wachsenden Bevölkerungsdruck und einer Umweltbelastung durch den Viehbestand der Maasai. Dies blendet aus, dass die Maasai seit Jahrhunderten im Einklang mit ihrer Umwelt leben und wesentlich zum Schutz von Ökosystemen beitragen. Tatsächlich stecken hinter den Vertreibungen meist wirtschaftliche Interessen, etwa die Ausweisung von Tourismus- und Jagdgebieten.

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CO2-Projekt mit Beteiligung von Volkswagen auf Gebieten der Maasai

Auch Klimaschutz wird zunehmend politisch instrumentalisiert. Unter den Schlagworten „Klimakompensation“ und „Kohlenstoffausgleich“ sollen Maasai-Weideflächen als CO₂-Senken genutzt werden, etwa in Projekten großer Konzerne wie Volkswagen. Vorgesehen ist, dass die Maasai über 40 Jahre hinweg alle zwei Wochen ihre Weideflächen wechseln sollen. Die Vorgabe ist wissenschaftlich nicht belegt und mit der Lebensweise der Maasai unvereinbar.

Eine solche rotierende Weidehaltung schränkt die traditionellen Weidemuster der Maasai ein und untergräbt die Mobilität der pastoralistischen Gemeinschaften. Dadurch geraten sowohl die Ernährungssicherheit als auch bewährte Anpassungsstrategien an die Klimakrise in Gefahr. 

Die betroffenen Gemeindemitglieder werden von den Projektbetreibern häufig nur unzureichend über Kohlenstoffmärkte, Vertragsbedingungen und deren Folgen informiert, stehen zugleich jedoch unter Druck, entsprechende Verträge zu unterzeichnen. Während sie ihr Leben umstellen sollen, um Emissionen des Globalen Nordens zu kompensieren, bleiben die eigentlichen Verursacher weitgehend unangetastet.

Ngorongoro in Tansania, ein Teil des angestammten Landes der Maasai. © MISA
Ngorongoro in Tansania, ein Teil des angestammten Landes der Maasai. © MISA

Gewalt und Repression nach den Wahlen 2025

Nach den Präsidentschafts- und Parlamentswahlen in Tansania am 29. Oktober 2025 erschütterte massive Gewalt das Land. Die Proteste richteten sich gegen den gesamten Wahlprozess, dem viele Menschen aus tiefem Misstrauen ferngeblieben waren. Bereits vor der Wahl waren Oppositionsparteien und -kandidat*innen festgenommen worden oder verschwunden. Der Verbleib von Präsidentin Samia Suluhu Hassan im Amt galt daher als absehbar. Es kam zu Angriffen auf Demonstrierende, Ausgangssperren, Kommunikationsblockaden. Medienberichte sprechen von Tausenden Toten. Zahlreiche, oft sehr junge Menschen wurden unter dem Vorwurf des Hochverrats verhaftet, häufig auf Grundlage haltloser Anschuldigungen. In Tansania steht darauf die Todesstrafe.

In diesem Klima staatlicher Repression sind Minderheiten wie die Maasai besonders gefährdet. Schon in ihrer ersten Amtszeit ging die Präsidentin gezielt gegen die Maasai vor und zeigte, wie gewaltsam ihre Politik gegenüber marginalisierten Gruppen sein kann. Die Vertreibungen und die Umnutzung indigenen Landes haben gravierende soziale, kulturelle und wirtschaftliche Folgen. Um diese Entwicklungen sichtbar zu machen und Verantwortliche zu menschenrechtlichem Handeln zu bewegen, arbeitet die GfbV eng mit dem MISA-Netzwerk (Maasai International Solidarity Alliance) zusammen. Gemeinsam setzen wir uns national und international dafür ein, die Menschenrechtsverletzungen gegen die Maasai öffentlich zu machen und politischen sowie wirtschaftlichen Druck aufzubauen. Das Netzwerk informiert darüber regelmäßig in einem eigenen Newsletter.

Stand: April 2026

Autorin: Laura Mahler
Redaktion: Sarah Neumeyer

Wofür wir uns einsetzen

Minderheiten & Indigene Völker stärken:
Wir setzen uns weltweit für bedrohte Gemeinschaften ein – für Selbstbestimmung, Schutz und Teilhabe.

Menschenrechtsverletzungen sichtbar machen:
Wir dokumentieren Unrecht, benennen es klar und bringen es in Öffentlichkeit, Politik und Medien. Sichtbarkeit schafft Schutz.

Völkermord verhindern & Menschen schützen:
Wir erkennen Risiken frühzeitig, warnen vor Eskalationen und setzen uns entschlossen für den Schutz der Zivilbevölkerung ein. Gewalt beenden, für Gerechtigkeit und Versöhnung.

Menschenrechte für alle durchsetzen: Wir sind solidarisch mit Betroffenen von Menschenrechtsverletzungen und stärken sie. Wir arbeiten für eine Politik ohne Doppelmoral, die Menschenrechte für alle garantiert. Solidarität und klare Haltung für Menschenrechte weltweit!

Ihre Ansprechpartnerin

Laura Mahler

Laura Mahler

Referentin für Subsahara-Afrika

E-Mail: l.mahler@gfbv.de 

Telefon: 03051 / 695825-3

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