Die Tawergha (auch Tawurga) sind eine Schwarze Bevölkerungsgruppe in Libyen mit einer tragischen Geschichte. Ihre Vorfahren wurden im 18. und 19. Jahrhundert überwiegend als Sklav*innen nach Libyen verschleppt. Aufgrund ihrer Hautfarbe werden sie bis heute brutal verfolgt und diskriminiert. Obwohl sie libysche Staatsbürger*innen sind, werden sie als Bürger*innen zweiter Klasse behandelt.
Die Bezeichnung Tawergha bezieht sich auf ihre Heimatstadt Tawergha. Diese liegt etwa 40 Kilometer südlich der Hafenstadt Misrata im Nordwesten Libyens. 2011 wurde die Stadt von islamistischen Milizen angegriffen. Angehörige der Tawergha wurden gezielt ermordet und vertrieben. Vor 2011 lebten dort etwa 50.000 Menschen, nach den Angriffen war Tawergh eine Geisterstadt.
Minderheit der Tawergha in Libyen
Seit dem Arabischen Frühling 2011 hat sich die Lage der Tawergha – wie auch die anderer Minderheiten in Libyen – grundlegend verschlechtert. Im Bürgerkrieg ab 2011 verhielten sich viele Tawergha loyal oder neutral gegenüber dem Regime von Diktator Muammar al-Gaddafi. Dieses hatte sie erstmals in der Geschichte des Landes als gleichberechtigte Staatsbürger*innen behandelt.
Diese politische Haltung wurde ihnen zum Verhängnis. Islamistische Kräfte, insbesondere aus der Stadt Misrata, führten den Aufstand gegen das Gaddafi-Regime an. Sie warfen den Tawergha vor, sich an den Verbrechen des Regimes beteiligt zu haben. Tatsächlich bestand das Gaddafi-Regime vor allem aus Angehörigen der arabisch-sunnitischen Mehrheit in Libyen und wurde von dieser unterstützt.
Ohne starke Verbündete ist unsere Arbeit nicht möglich!
Ihre Spende sorgt dafür, dass wir Betroffene vor Ort stärken, Missstände dokumentieren und politischen Druck aufbauen können – konsequent, unabhängig und solidarisch.
Im August 2011 eroberten islamistische Rebellenmilizen aus Misrata die Stadt Tawergha. Sie ermordeten und vergewaltigten dabei gezielt Angehörige der Tawergha. Diese wurden unter Generalverdacht gestellt, mit al-Gaddafi kollaboriert zu haben. Wer noch am Leben war, wurde systematisch vertrieben. Die Stadt wurde geplündert und teilweise niedergebrannt, um eine Rückkehr unmöglich zu machen.
Rückkehr in die Geisterstadt Tawergha fast unmöglich
Über Jahre hinweg blieb Tawergha eine unbewohnte Geisterstadt. Die Infrastruktur ist bis heute weitgehend zerstört. Es gibt kaum sauberes Trinkwasser, Strom oder Schulen. Erst zwischen 2024 und 2026 durften einige wenige Tawergha in ihre Heimat zurückkehren. Viele von ihnen sind weiterhin Binnenvertriebene. Sie leben immer noch in Geflüchtetenlagern in der Hauptstadt Tripolis oder in der östlichen Metropole Bengasi.
Wie viele Tawergha in Deutschland leben, lässt sich nicht ermitteln. Das BAMF und andere deutsche Behörden erfassen Zuwander*innen in der Regel nach ihrer Staatsangehörigkeit. Die Zahl der libyschen Staatsangehörigen in Deutschland ist relativ klein. Die Tawergha wiederum sind nur eine kleine Untergruppe der libyschen Bevölkerung.
GfbV fordert Aufarbeitung der VerbrechenDie GfbV bezeichnet die Vertreibung der Tawergha als Verbrechen gegen die Menschlichkeit und ethnische Säuberung. Sie fordert ein Ende der Verfolgung, die Bestrafung der Täter, eine Entschädigung der Bevölkerung sowie den Wiederaufbau der Stadt. Die Tawergha müssen als gleichberechtigte Bürger*innen des Landes anerkannt werden, jegliche Diskriminierung muss unter Strafe gestellt werden.
Stand: Mai 2026
Autor: Kamal Sido Redaktion: Sarah Neumeyer
Wofür wir uns einsetzen
Minderheiten & Indigene Völker stärken: Wir setzen uns weltweit für bedrohte Gemeinschaften ein – für Selbstbestimmung, Schutz und Teilhabe.
Menschenrechtsverletzungen sichtbar machen: Wir dokumentieren Unrecht, benennen es klar und bringen es in Öffentlichkeit, Politik und Medien. Sichtbarkeit schafft Schutz.
Völkermord verhindern & Menschen schützen: Wir erkennen Risiken frühzeitig, warnen vor Eskalationen und setzen uns entschlossen für den Schutz der Zivilbevölkerung ein. Gewalt beenden, für Gerechtigkeit und Versöhnung.
Menschenrechte für alle durchsetzen: Wir sind solidarisch mit Betroffenen von Menschenrechtsverletzungen und stärken sie. Wir arbeiten für eine Politik ohne Doppelmoral, die Menschenrechte für alle garantiert. Solidarität und klare Haltung für Menschenrechte weltweit!
Brasilien: Indigene warnen vor Bedrohung ihres Lebensraums
Die Gesellschaft für bedrohte Völker (GfbV) warnt vor den verheerenden Folgen der geplanten Privatisierung des Tapajós-Flusses im Amazonasgebiet für die dort lebenden Indigenen Völker. Die GfbV fordert die brasilianische Regierung und Präsident Luiz Inácio Lula da Silva auf, das Dekret zu widerrufen, und appelliert an die deutsche Bundesregierung, sich für den Schutz indigener Rechte in Brasilien einzusetzen.
Prozess gegen indigene Menschenrechtsverteidigerin in Russland beginnt
Die Gesellschaft für bedrohte Völker (GfbV) zeigt sich zutiefst besorgt über den am morgigen 11. Februar beginnenden Prozess gegen die indigene Menschenrechtsverteidigerin Daria Egereva in Russland. Die Ko-Vorsitzende des internationalen indigenen Forums zum Klimawandel (IIPFCC) war am 17. Dezember 2025 verhaftet worden und sitzt seitdem in Haft. Ihr wird die Teilnahme an einer terroristischen Organisation (Artikel 205.5) vorgeworfen, für die ihr eine Gefängnisstrafe von zehn und 20 Jahren droht.
Die Gesellschaft für bedrohte Völker (GfbV) wirft dem Bundesamt für Migration und Flüchtlinge (BAMF) vor, Beweise zur Verfolgung der alawitischen Minderheit in Syrien zu ignorieren, und kritisiert einen entsprechenden Bericht vom Januar 2026 scharf. Die Menschenrechtsorganisation fordert einen bundesweiten Abschiebestopp für Alawiten, Drusen, Kurden und andere syrische Minderheiten.
Lage in belagerten Städten in Nordsyrien verschlechtert sich
Die Gesellschaft für bedrohte Völker (GfbV) ruft den Deutschen Bundestag angesichts der dramatischen Lage in Nordsyrien erneut dazu auf, eine Initiative zum Schutz der kurdischen Bevölkerung und anderer Minderheiten zu ergreifen.
Die Gesellschaft für bedrohte Völker (GfbV) würdigt den außergewöhnlichen Einsatz der ehemaligen Bundestagspräsidentin Rita Süssmuth für die Opfer des Krieges und des Genozids in Bosnien und Herzegowina. „Mit Rita Süssmuth verliert Deutschland eine große Kämpferin für die Menschenrechte.“
Besorgnis über neue Antiterror-Einheit in der Republika Srpska
Die Gesellschaft für bedrohte Völker (GfbV) äußert sich tief besorgt über die Etablierung einer Anti-Terror-Einheit innerhalb der Polizei der Republika Srpska in Bosnien-Herzegowina, die unter der Leitung der ungarischen Eliteeinheit TEK (Terrorelhárítási Központ) stehen soll.
GfbV-Nahostreferent Kamal Sido stellt das Wahlsystem und die wichtigsten Parteien vor und erklärt, warum man aus Sicht der religiösen und ethnischen Minderheiten besonders auf das Abschneiden der HDP (Demokratische Partei der Völker) achten sollte.
Ulrich Delius über die Lage der Rohingya vor dem ASEAN-Gipfel am 29.5.2015
„Ohne eine politische Lösung wird auch die Massenflucht der Rohingya aus Burma nicht enden“, warnte der GfbV-Asienreferent Ulrich Delius am Donnerstag in Göttingen. „Das ASEAN-Gipfeltreffen am Freitag darf kein Feigenblatt sein, um Engagement für Menschenrechte und gegen Menschenhandel vorzutäuschen. Wer nun nur über humanitäre Hilfe für Boatpeople spricht, ignoriert, dass Regierung und Parlament in Burma ständig neue gesetzliche Grundlagen zur Ausgrenzung und Diskriminierung von Rohingya schaffen.“
Mahnwache vor der Aula der Universität: Wissenschaftler sollen sich für Freilassung von inhaftiertem Professor von chinesischer Partner-Universität einsetzen
Mit einer Mahnwache haben wir anlässlich des „2. Wirtschaftstages China“ an der Göttinger Universität an das Schicksal des in der chinesischen Partnerstadt Nanjing inhaftierten Professors Guo Quan erinnert und mehr Einsatz der Göttinger Universität für die Freilassung des Wissenschaftlers angemahnt.