Zum Inhalt springen

Transnationale Repression

Blauer Pfeil

Autoritäre Staaten verfolgen Menschenrechtsverteidiger*innen zunehmend auch im Ausland. Diese Form der Verfolgung wird als transnationale Repression (TNR) bezeichnet. Staaten oder ihre Stellvertreter versuchen dabei, Menschenrechtverteidiger*innen, Journalist*innen, Kritiker*innen, Aktivist*innen oder Angehörige von Minderheiten über ihre eigenen Landesgrenzen hinaus einzuschüchtern, zu überwachen oder zum Schweigen zu bringen. Sie nutzen dafür unter anderem digitale Überwachung, Schikane, direkte Angriffe, Drohungen gegen Familienangehörige und sie missbrauchen internationale Rechtssysteme. TNR ist heute eine weit verbreitete Menschenrechtsverletzung und betrifft viele Partner*innen der Gesellschaft für bedrohte Völker direkt. Die GfbV setzt sich daher gezielt für den Schutz verfolgter Menschenrechtsverteidiger*innen ein. 

Die Folgen transnationaler Repression sind tiefgreifend. Viele Betroffene ziehen sich aus dem öffentlichen Leben zurück, üben Selbstzensur oder distanzieren sich von internationalen Institutionen. Die Vereinten Nationen warnen deshalb, dass transnationale Repression die Meinungsfreiheit, zivilgesellschaftliches Engagement und die Integrität der internationalen Zusammenarbeit untergräbt.

Einige Staaten wie China, Russland, die Türkei und Turkmenistan nutzen transnationale Repression in besonderem Ausmaß, um Kritik im Ausland zu unterdrücken. 

Transnationale Repression durch China

Die Volksrepublik China gehört zu den Staaten, die transnationale Repression besonders systematisch einsetzen. Betroffen sind unter anderem Uigur*innen, Tibeter*innen, Mogol*innen, Falun-Gong-Praktizierende, politische Dissident*innen, Menschenrechtsaktivist*innen und Journalist*innen. 

China nutzt ein breites Spektrum an Taktiken, um diese Menschen auch im Ausland unter Druck zu setzen. Dazu zählen: direkten Angriffe,  der Missbrauch internationaler Rechtssysteme um die Inhaftierung und Auslieferung von Exilant*innen im Ausland zu erreichen, Mobilitätskontrollen, digitale Drohungen, Spyware und Nötigung durch Stellvertreter. Die schiere Breite und der globale Umfang der von China ausgeübten TNR sind beispiellos. 

Betroffene Tibeter*innen und Uigur*innen berichten uns

  • über gezielte Anwerbeversuche des chinesischen Geheimdienstes,
  • über ominöse Anrufe, die teils konkrete Drohungen enthalten,
  • über digitale Angriffe 
  • über Diffamierungskampagnen,
  • dass sie auf Demonstrationen fotografiert werden und
  • dass ihren Familien im Heimatland diese Fotos gezeigt werden, um Druck aufzubauen.

Helfen Sie mit, Aktivist*innen zu schützen!

Das gelingt nur durch konsequentes Engagement. Mit Ihrer Spende ermöglichen Sie langfristigen Schutz für gefährdete Menschenrechtsverteidiger*innen. Tragen Sie bei, um:

  1. Aktivist*innen vor Gewalt und Einschüchterung zu schützen
  2. Menschenrechtsverletzungen öffentlich zu machen
  3. Gemeinschaften zu stärken, die unter Druck stehen

Spenden Sie jetzt für die GfbV

Einen Intervall auswählen
Spendenbetrag
Spendenbetrag

Trasnantionale Repression durch Russland 

Russland setzt seit vielen Jahren transnationale Repression gegen Oppositionelle, Menschenrechtsverteidiger*innen, Journalist*innen und Vertreter*innen indigener Gemeinschaften ein. Bereits während der Kriege gegen Tschetschenien Anfang der 2000er Jahre berichteten Geflüchtete aus Russland und Tschetschenien, dass ihre Teilnahme an Demonstrationen als Druckmittel gegen Familienangehörige verwendet wurde. Seit der Besetzung der Krim 2014 und besonders seit dem vollumfänglichen Angriff auf die Ukraine 2022 hat der Kreml den Druck auf oppositionelle Stimmen im Ausland weiter verschärft. 

Transnationale Repression ist für Russland ein wichtiges Element im hybriden Krieg gegen Deutschland und andere europäische Staaten. Der autoritäre russische Staat verletzt nicht nur die Rechte Einzelner sondern auch die deutsche Souveränität. Ziel ist es, den deutschen Staat zu destabilisieren, Angst und Unsicherheit zu verbreiten sowie Entscheidungsmechanismen im deutschen demokratischen Diskurs zu manipulieren. 

Eines der zentralen Instrumente russischer transnationaler Repression gegen deutsche Einrichtungen ist die Kriminalisierung und Einstufung von über 40 deutschen Organisationen, Vereinen und Stiftungen als „unerwünschte Organisation“. Auch Partnerorganisationen der GfbV wie das Internationale Komitee der Indigenen Völker Russlands (ICIPR) sind von diesen Maßnahmen betroffen. Die Folgen für die Betroffenen sind erheblich. Die Listung bringt strenge administrative Auflagen mit sich, deren Nichteinhaltung zu Strafen für Vorstand, Mitarbeitende und Projektpartner der Organisation führen – bis hin zu mehrjährigen Gefängnisstrafen. Auch die Sicherheit der Mitarbeiter*innen und ihrer Familien ist bedroht.  Darüber hinaus erschweren russische Cyberangriffe die Arbeit und verursachen zusätzliche Investitionen in IT- und Cybersicherheit.  

Zu einer Eskalation kam es im Juli 2024, als Russland die Deutsche Gesellschaft für Osteuropakunde (DGO), begleitet von einer Cyber-Attacke, als „extremistische Organisation“ einstufte. Damit wurde die Mitgliedschaft, sowie jede Form der Zusammenarbeit mit der DGO – seien es Konferenzen oder Veröffentlichungen – in Russland automatisch zu einer Straftat. Verstöße können mit bis zu zwölf Jahren Haft in russischen Lagern geahndet werden.

Einsatz der GfbV gegen transnationale Repression

Transnationale Repression betrifft viele Partner*innen der Gesellschaft für bedrohte Völker unmittelbar. Wir dokumentieren Fälle transnationaler Repression, setzen uns für den ((Schutz bedrohter Menschenrechtsverteidiger*innen)) ein, machen in Deutschland und vor den UN auf Einzelfälle und die systematische Verfolgung aufmerksam, arbeiten an politischen Initiativen mit und sind in deutschen und internationalen Netzwerken zu TNR aktiv. Unser besonderer Ansatz ist die intersektionale Verfolgung, die unsere Partner*innen betrifft. Oftmals werden sie sowohl als Angehörige eines Indigenen Volkes oder einer Minderheit diskriminiert und zugleich als Aktivist*innen verfolgt. Durch unsere Arbeit machen wir diese Verfolgung sichtbar und schützen die Betroffenen.

Forderungen der GfbV

Als präventive Maßnahme müssen Gesetzesinitiativen entwickelt werden, damit Täter und Hintermänner nicht straffrei bleiben. In allen Fällen müssen individuelle Sanktionen gegen Täter geprüft werden.

Eine Monitoring-Stelle, die Fälle von transnationeler Repression dokumentiert, ausgewertet und veröffentlicht und Hilfe für Betroffene vermittelt. 

Eine Sensibilisierung von Regierungen, Parlamenten und Sicherheitsbehörden in Europa, damit diese politisch und diplomatisch zügig und eindeutig auf Fälle von TNR reagieren. 

Schnelle Unterstützung für betroffene Menschenrechtsverteidiger*innen in akuter Not: Humanitäre Visa müssen schnell und unbürokratisch ausgestellt und Schutz- und Aufnahmeprogramme müssen weiter ausgebaut werden. 

Stand: Juni 2026

Autor: Gerrit Hofert
Redaktion: Sarah Neumeyer

Wofür wir uns einsetzen

Minderheiten & Indigene Völker stärken:
Wir setzen uns weltweit für bedrohte Gemeinschaften ein – für Selbstbestimmung, Schutz und Teilhabe.

Menschenrechtsverletzungen sichtbar machen:
Wir dokumentieren Unrecht, benennen es klar und bringen es in Öffentlichkeit, Politik und Medien. Sichtbarkeit schafft Schutz.

Völkermord verhindern & Menschen schützen:
Wir erkennen Risiken frühzeitig, warnen vor Eskalationen und setzen uns entschlossen für den Schutz der Zivilbevölkerung ein. Gewalt beenden, für Gerechtigkeit und Versöhnung.

Menschenrechte für alle durchsetzen: Wir sind solidarisch mit Betroffenen von Menschenrechtsverletzungen und stärken sie. Wir arbeiten für eine Politik ohne Doppelmoral, die Menschenrechte für alle garantiert. Solidarität und klare Haltung für Menschenrechte weltweit!

Ihr Ansprechpartner

Gerrit Hofert

Gerrit Hofert

Referent der Geschäftsführung

E-Mail: gl@gfbv.de 

Telefon: +49 551 49906 27

Aktuelles zum Thema

Hintergründe

Keine Ergebnisse

Publikationen zum Thema

„Von ‚ethnischen Säuberungen‘ in Til Abyad gegen die Araber oder Turkmenen kann keine Rede sein.“

„Von ‚ethnischen Säuberungen‘ in Til Abyad gegen die Araber oder Turkmenen kann keine Rede sein.“

Die Syrische Beobachtungsstelle für Menschenrechte (Syrian Observatory for Human Rights, SOHR) ist eine in London ansässige Organisation. Sie wird von Rami Abdulrahman geleitet, sammelt und veröffentlicht Informationen über Menschenrechtsverletzungen in Syrien.

# Infomaterial# Reporte/Memoranden

Mehr

Repressionen, Menschenrechte und die European Games in Aserbaidschan

Michaela Böttcher lebte in den Jahren 2013 und 2014 in Aserbaidschan. Im Gespräch erklärt sie, wie Aserbaidschan alle Kritik an Menschenrechtsverletzungen unterdrückt und welche Auswirkungen das auf ihr Leben hatte.

# Infomaterial# Reporte/Memoranden

Mehr

Unsere Impressionen vom Kirchentag

Wir waren beim Kirchentag 2015 in Stuttgart und haben jede Menge erlebt. Schaut selbst.

# Infomaterial# Reporte/Memoranden

Mehr

Zum Thema aus unserer Zeitschrift

327 Hält zusammen: Die Kraft der Familie

327 Hält zusammen: Die Kraft der Familie

Zur Ausgabe

326 Medizin und Drogen: Indigene und Minderheiten kämpfen um ihre Gesundheit

326 Medizin und Drogen: Indigene und Minderheiten kämpfen um ihre Gesundheit

Zur Ausgabe

325 Religion im Dialog: Lasst uns miteinander reden!

325 Religion im Dialog: Lasst uns miteinander reden!

Zur Ausgabe