Die Yezid*innen (auch Jesid*innen oder Êzid*innen) sind eine der ältesten religiösen Gemeinschaften im Nahen Osten. Sie sind eine der wenigen nichtchristlichen und nichtislamischen Glaubensgruppen der Region und überwiegend im kurdischen Sprachraum beheimatet. Die Mehrheit der Yezid*innen spricht Kurdisch-Kurmandschi. Eine Ausnahme sind die Yezid*innen in Bashiqa und Bahzani nördlich von Mossul (Nordirak), die einen arabischen Dialekt als Muttersprache sprechen. Das Yedzidentum gilt als Urreligion der Kurd*innen, die heute allerdings mehrheitlich zum Islam konvertiert sind.
Einige Yezid*innen begreifen sich als eigenständige ethnische Gruppe. Trotz ihrer jahrtausendealten Geschichte sind sie bis heute von Verfolgung, Gewalt und gesellschaftlicher Ausgrenzung betroffen.
Glauben und kulturelle Identität der Yezid*innen
Das Yezidentum ist streng endogam organisiert, ein Übertritt ist nicht möglich, da man als Yezid*in durch Geburt Teil der Gemeinschaft wird. Im Zentrum ihrer religiösen Vorstellung steht der Glaube an einen einzigen Gott sowie an Melek Taus, den sogenannten „Engel Pfau“, der als wichtigster Vermittler zwischen Gott und den Menschen gilt. Diese Glaubensvorstellungen haben jedoch immer wieder zu Missverständnissen geführt, weshalb Yezid*innen in ihrem Umfeld häufig fälschlicherweise als „Teufelsanbeter*innen“ diffamiert wurden – ein Vorwurf, der maßgeblich zu ihrer historischen Verfolgung beigetragen hat.
Verbreitung und Diaspora der Yezid*innen
Die Zahl der Yezid*innen weltweit wird auf eine Million geschätzt (Stand: 2026). Die Mehrheit der Yezid*innen lebt im Nordwesten des ((Irak)), die meisten von ihnen im Bergland von Sinjar (auch Shingal oder Sindschar genannt) und dem angrenzenden autonomen Bundesstaat Irakisch-Kurdistan. Infolge von Verfolgung und Migration lebt inzwischen ein bedeutender Teil der Gemeinschaft in der Diaspora. Die größte Diaspora-Gemeinschaft der Yezid*innen lebt in ((Deutschland)). In der ((Türkei)) lebten ursprünglich etwa 300.000 Yezid*innen, heute nur noch wenige Hundert. Die meisten von ihnen assimilierten sich, Zehntausende flohen ins Ausland.
Außerdem gibt es yezidische Gemeinschaften in ((Syrien)), ((Armenien)), Georgien und ((Russland)). Diese Gemeinschaften entstanden infolge der Verfolgung im Osmanischen Reich. In den letzten Jahrhunderten wanderten viele Yeziden nach Russland aus, um Schutz und Sicherheit zu suchen.
- Irak: (bis zu 550.000) Angehörige
- Deutschland: 150.000 bis 200.000 Angehörige
- Syrien: etwa 10.000
- Georgien: etwa 18.000
- Türkei: wenige Hundert, ursprünglich etwa 300.000
- Armenien: rund 35.000
- Russland: etwa 26.000
Historische Verfolgung und der Völkermord durch den IS
Die Geschichte der Yezid*innen ist geprägt von wiederholten Gewalterfahrungen, Zwangskonversionen und systematischer Diskriminierung, die bis in die Gegenwart reichen. Bereits seit Jahrhunderten sind Yezid*innen Ziel religiös motivierter Gewalt, unter anderem im Osmanischen Reich. Aufgrund ihrer eigenständigen Glaubenslehre wurden sie innerhalb mehrheitlich muslimisch geprägter Gesellschaften immer wieder als Außenseiter wahrgenommen.
Íhre strukturelle Verwundbarkeit kulminierte im Jahr 2014 im Völkermord durch die Terrororganisation „Islamischer Staat“ (IS), der die Gemeinschaft in ihren Grundfesten erschütterte. Kämpfer des IS ermordeten bis zu 5.000 Yezid*innen – vor allem Männer und Jungen, die nicht zum Islam konvertieren wollten. Etwa 6.400 Frauen und Kinder wurden entführt, viele wurden versklavt und Opfer schwerster sexualisierter Gewalt. Ganze Siedlungsgebiete wurden zerstört. Etwa 430.000 Yezid*innen flohen vor dem IS. Rund 300.000 dieser Vertriebenen sind bis heute in Lagern in Irakisch-Kurdistan untergebracht. Ihre Rückkehr in ihre Heimatregionen wird durch anhaltende Unsicherheit und politische Instabilität erschwert. Der Deutsche Bundestag hat diese Verbrechen des IS inzwischen als Völkermord eingestuft. 2021 wurde erstmalig ein Kämpfer des IS unter dem Vorwurf des Völkermordes an Yezid*innen verurteilt.
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Aktuelle Herausforderungen: Unsicherheit und kultureller Erhalt
Auch außerhalb des Irak sind Yezid*innen Diskriminierung ausgesetzt. Sie werden marginalisiert, kulturell unterdrückt und teilweise zur Assimilation gezwungen. In Syrien werden Yezid*innen nicht als eigenständige Religionsgemeinschaft anerkannt und leiden unter rechtlicher Benachteiligung sowie Einschränkungen in der Ausübung ihrer Religion. In der Türkei führen die fehlende Anerkennung ihres Glaubens sowie gesellschaftliche Feindseligkeit dazu, dass viele Yezid*innen ihre Heimat verlassen mussten und dort heute nur noch eine sehr kleine Restgemeinschaft existiert.
Diese anhaltende Unsicherheit und fehlende politische Repräsentation haben dazu geführt, dass die yezidische Gemeinschaft zunehmend schrumpft. Migration, insbesondere nach Europa, bietet zwar Sicherheit, birgt jedoch die Gefahr eines langfristigen Verlusts kultureller und religiöser Traditionen.
Schutz und Anerkennung für Yezid*innen
Das Schicksal der Yeziden verdeutlicht exemplarisch die prekäre Lage religiöser Minderheiten im Nahen Osten. Der Schutz ihrer Rechte, die Sicherung ihrer Lebensräume und die Anerkennung ihrer religiösen Identität stellen daher zentrale Herausforderungen dar, die nicht nur nationale, sondern auch internationale Aufmerksamkeit und Verantwortung erfordern.
Die GfbV setzt sich ein für:
- Die Aufarbeitung des Völkermords an den Yeziden.
- Den Schutz der yezidischen Gemeinschaft sowie sichere Rückkehrmöglichkeiten für Vertriebene.
- Die Diaspora in Deutschland durch die Förderung von Austausch- und Unterstützungsprogrammen.
Politische Forderungen an die deutsche Bundesregierung:
- Keine Abschiebungen von Yezid*innen in Länder, in denen ihnen Verfolgung droht.
- Einsatz für die weltweite Anerkennung der Yezid*innen als eigenständige Religionsgemeinschaft
- Schutz vor Diskriminierung und Stärkung der kulturellen Identität.
Der Deutsche Bundestag hat durch die Anerkennung des Völkermords an den Yezid*innen am 19. Januar 2023 eine besondere Verantwortung, die Yezid*innen zu unterstützen.
Stand: März 2026
Autor: Dr. Kamal Sido
Redaktion: Sarah Neumeyer





