Mit dem Sieg von Keiko Fujimori bei der Präsidentschaftswahl in Peru kehrt der Fujimorismus, die autoritäre politische Bewegung des früheren Präsidenten Alberto Fujimori, an die Macht zurück. Die Gesellschaft für bedrohte Völker (GfbV) warnt vor den Folgen für die Indigenen Völker Perus. Diese gehörten bereits während des internen bewaffneten Konflikts in der Regierungszeit ihres Vaters, Alberto Fujimori, zu den Hauptbetroffenen staatlicher Gewalt. Gleichzeitig schwächt Peru bereits jetzt die juristische Aufarbeitung dieser Verbrechen.
„Die Wahl Fujimoris ist weit mehr als ein Regierungswechsel. Sie markiert die Rückkehr einer Politik, deren Erbe bis heute nicht aufgearbeitet ist. Indigene Gemeinschaften wurden von der Fujimori-Regierung vertrieben, erlebten massive Gewalt und verloren grundlegende Rechte. Dass ausgerechnet diese politische Bewegung nun wieder die Regierung stellt, ist ein alarmierendes Signal“, erklärt Jan Königshausen, Referent für Indigene Völker bei der Gesellschaft für bedrohte Völker.
Nach Schätzungen des peruanischen Wahrheits- und Versöhnungsausschusses forderte der bewaffnete Konflikt zwischen 1980 und 2000 rund 70.000 Todesopfer. Die Mehrheit stammte aus ländlichen Regionen mit überwiegend indigener Bevölkerung. Staatliche Sicherheitskräfte wie auch die Guerillaorganisation Sendero Luminoso begingen dabei schwere Menschenrechtsverletzungen. Bis heute sind viele dieser Verbrechen weder vollständig aufgearbeitet noch wurden sie strafrechtlich geahndet.
Die GfbV zeigt sich besorgt über die aktuellen Entwicklungen in Peru. Zentrale Fortschritte bei der juristischen Aufarbeitung werden zunehmend infrage gestellt. Das 2025 verabschiedete Amnestiegesetz für zahlreiche Angehörige von Militär und Polizei sowie ein jüngst beschlossenes Gesetz zur Ausweitung der Militärgerichtsbarkeit fördern die Straflosigkeit. Indigene Gemeinschaften, die bis heute auf Wahrheit und Gerechtigkeit warten, sind davon besonders betroffen.
Gleichzeitig setzt Keiko Fujimori auf einen wirtschaftspolitischen Kurs, der den Ausbau des Rohstoff- und Energiesektors vorantreiben soll. Viele der für neue Rohstoff- und Energieprojekte vorgesehenen Regionen überschneiden sich mit indigenen Territorien. Eine Beschleunigung solcher Projekte birgt daher erhebliches Konfliktpotenzial.

Jan Königshausen
Referent für Indigene Völker
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