Die Gesellschaft für bedrohte Völker (GfbV) kritisiert die gezielte Abschottung der seit sechs Monaten in Russland inhaftierten Menschenrechtsaktivistinnen Daria Egereva und Natalia Leongardt. „Daria Egereva und Natalia Leongardt werden isoliert und gezielt von der Außenwelt abgeschirmt. Wir machen uns große Sorgen um ihre Sicherheit“, sagt Sarah Reinke, Leiterin der Menschenrechtsarbeit der GfbV.
Der Prozess gegen die Menschenrechtlerinnen Daria Egereva und Natalia Leongardt ist laut der Menschenrechtsorganisation politisch motiviert. Ihnen wird die Beteiligung an einer terroristischen Organisation vorgeworfen. „Der Kreml nutzt diesen Vorwurf gezielt, um die Arbeit von Menschenrechtlern und indigenen Aktivisten zu unterbinden und zu kriminalisieren. Indigene Stimmen sollen in Russland zum Schweigen gebracht werden. Daria Egereva und Natalia Leongardt müssen unverzüglich freigelassen werden!“, betont Reinke.
Daria Egereva und Natalia Leongardt sind seit sechs Monaten in Russland in Haft. Sie waren beide am 17. Dezember 2025 im Rahmen einer Razzia-Welle verhaftet worden. Ihnen drohen bis zu 20 Jahre Haft wegen der angeblichen Beteiligung an einer terroristischen Organisation. Familienangehörigen, Journalisten und Vertretern von vier Botschaften wurde der Zugang zum Gericht am vergangenen Freitag (12. Juni) verweigert.
„Selbst in solch einem Scheinverfahren haben sie ein Recht auf Transparenz und Sichtbarkeit. Dass nun Beobachter ausgeschlossen wurden, unterbricht den Informationsfluss zu den Unterstützern weltweit. Genau das ist auch die Absicht des Gerichts“, erklärt Reinke.
Ihr Schicksal hat eine Welle der internationalen Solidarität ausgelöst. Indigene NGOs und Aktivisten weltweit, zehn UN-Sonderberichterstatter, über 100 Menschenrechtsorganisationen und Hunderte Privatpersonen setzen sich seit Monaten für ihre Freilassung ein.
Daria Egereva ist Co-Vorsitzende des internationalen indigenen Forums zum Klimawandel (IIPFCC) und setzt sich für indigene Rechte ein. Während der UN-Klimaverhandlungen in Bonn traf das Internationale Forum indigener Völker zum Klimawandel (IIPFCC) vor wenigen Tagen die Entscheidung, dass Egereva bis zu ihrer bedingungslosen Freilassung Co-Vorsitzende des Forums bleibt. Egereva gehört dem Volk der Selkupen an, einem der kleinsten Indigenen Völker Russlands mit insgesamt etwa 3.500 Angehörigen. Die Indigenen Völker Sibiriens, der Arktis und des Fernen Ostens gehören zu den ärmsten Teilen der Bevölkerung. Sie haben keinen politischen Einfluss und keine wirksamen Mechanismen zum Schutz ihrer Rechte innerhalb Russlands.
Natalia Leongardt setzt sich seit mehr als 20 Jahren für die Rechte Indigener Völker in Russland ein.
Für Gespräche steht auch Tjan Zaotschnaja, ehrenamtliche Koordinatorin der GfbV zu Indigenen Völkern in Russland und Vorsitzende des International Committee of Indigenous Peoples of Russia (ICIPR), zur Verfügung. Sollten Sie Interesse an einem Gespräch haben, wenden Sie sich bitte an Sarah Reinke.

Sarah Reinke
Geschäftsführerin Menschenrechtsreferate
Thematische Schwerpunkte:
- Osteuropa
- Ukraine
- Armenien
- Sudan
E-Mail: s.reinke@gfbv.de
Telefon: +49 551 49906 13
