„Ein Jahr nach dem Völkermord in El Fasher führen die RSF, die für die Massaker verantwortlich sind, einen brutalen Drohnenkrieg gegen die Zivilbevölkerung. Der Terror nimmt kein Ende. Und niemand scheint ihn effektiv stoppen zu wollen! Im Gegenteil, die deutsche Zusammenarbeit mit den Vereinigten Arabischen Emiraten, dem Hauptlieferanten der tödlichen Drohnen, ist in den vergangenen Wochen noch enger geworden“, kritisiert Sarah Reinke, Leiterin der Menschenrechtsarbeit der Gesellschaft für bedrohte Völker (GfbV).
Die Menschenrechtsorganisation fordert die Bundesregierung auf, den Druck auf die Vereinigten Arabischen Emirate (VAE) zu erhöhen und sich für wirksame Maßnahmen einsetzen, um Waffen- und Drohnenlieferungen sowie die Unterstützung der Rapid Support Forces (RSF) durch ausländische Akteure zu stoppen. Nur so lasse sich verhindern, dass sich die Verbrechen an der Zivilbevölkerung wiederholen. „Die Eskalation der letzten Tage zeigt: Auf freundliche Worte hört weder die VAE noch die RSF“, warnt Reinke.
Am 26. Oktober 2025 hatten die RSF nach 18-monatiger Belagerung El Fasher, die Hauptstadt Norddarfurs, erobert. Rund 250.000 Menschen befanden sich zu diesem Zeitpunkt noch in der Stadt. Ein Großteil von ihnen gehörte den nicht-arabischen Zaghawa an. Das Humanitarian Research Lab der Universität Yale geht von bis zu 60.000 Toten infolge des Angriffs aus. Die RSF verübten Massaker, vergewaltigten und folterten Menschen, vertrieben Zehntausende und zerstörten die zivile Infrastruktur. Die Untersuchungskommission der Vereinten Nationen bezeichnete die Verbrechen als Völkermord.
„Die Weltgemeinschaft wurde monatelang vor genau diesem Szenario gewarnt und ließ es dennoch geschehen. Ein Jahr später müssen sich die politisch Verantwortlichen fragen lassen, warum sie das Morden nicht verhindert haben und warum sie dem Sterben im Sudan noch immer weitgehend tatenlos zusehen“, sagt Reinke.
In den vergangenen Tagen eskalierte der Drohnenkrieg der RSF erneut. Bei Angriffen in West-Kordofan, West-Darfur und Khartum starben Dutzende Zivilisten. Die Gewalt zeigt, dass die Zivilbevölkerung weiterhin dringend Schutz benötigt.
Chronologie der Drohnenangriffe auf zivile Ziele im Sudan, 21. September bis 21. Oktober 2026
27. September – Wad Madani (Al-Jazira) und Nyala (Süd-Darfur): Eine Drohne traf das Treibstoffdepot Umm Alaila bei Wad Madani und setzte es in Brand; es war der erste gemeldete Angriff dieser Art auf die Hauptstadt des Bundesstaates seit deren Rückeroberung durch das Militär. Zwei Explosionen erschütterten zudem das Zentrum von Nyala.
1. Oktober – El Obeid (Nord-Kordofan): Eine Drohne traf ein Wohnheim der Universität Kordofan, das Studierende und Zivilpersonen beherbergte; fünf Menschen wurden getötet und 47 verletzt. Die Menschenrechtsgruppe Emergency Lawyers dokumentierte den Angriff.
2. Oktober – El Obeid und Dilling: Ein Drohnenangriff auf eine Einrichtung für Binnenvertriebene in El Obeid tötete fünf Menschen; die Regierung von Nord-Kordofan beschuldigte die Rapid Support Forces (RSF). In Dilling (Süd-Kordofan) töteten RSF-Drohnenangriffe auf Wohnviertel vier Zivilpersonen, darunter ein Kind und eine Frau.
3. Oktober – Straße Dilling–Kadugli (Süd-Kordofan): Zwei klar als humanitäre Fahrzeuge gekennzeichnete Lastwagen des Welternährungsprogramms (WFP) wurden angegriffen; ein Fahrer wurde getötet. Die UN-Koordinatorin Denise Brown verurteilte den Angriff.
7. Oktober – Ed Damazin (Blauer Nil): Drohnenangriffe auf Wohngebiete trafen unter anderem das Viertel El Hijra, eine Moschee, das Haus des Finanzministers der Region sowie das Gelände der Technischen Hochschule. Vier Frauen wurden getötet; Emergency Lawyers und lokale Initiativen schrieben die Angriffe den RSF und der mit ihr verbündeten SPLM-N zu.
9. Oktober – Blauer Nil und West-Kordofan: Ein Drohnenangriff der RSF auf das Gebiet einer inoffiziellen Goldmine nahe dem Lager für Vertriebene in Abu Shandi (Wad El Mahi) tötete nach Augenzeugenberichten 26 Frauen und vier Kinder; die Regionalregierung nannte zunächst 30 Tote, die UN später mindestens 31. Nach Angaben von OCHA tötete zudem ein Drohnenangriff auf ein Gebäude mit vertriebenen Familien in El Nuhud (West-Kordofan) mindestens zwölf Zivilisten; ein zweiter Angriff in Ghubeish tötete fünf Menschen, darunter drei Kinder. Die UN verurteilte beide Angriffe. In El Obeid verletzten RSF-Drohnen zudem sechs Zivilisten.
10. Oktober – Jabal al-Uqaydat (an der ägyptischen Grenze): Ein Luftangriff auf eine Goldmine tötete 72 Menschen, zumeist Goldsucher. Emergency Lawyers beschuldigte Ägypten; der sudanesische Armeechef Burhan setzte eine Untersuchungskommission ein.
14. Oktober – Nord-Darfur und Blauer Nil: Ein Drohnenangriff im Gebiet Furawiya tötete zwei Menschen und verwundete acht. Bei einer Bombardierung in Umm Darfa (Blauer Nil) starb der Roten-Halbmond-Freiwillige Badr El Din Omar Musa bei humanitärer Arbeit.
15. Oktober – Abu Zaeima (Nord-Kordofan): Ein Flugzeugangriff (Antonov) der Armee auf ein Wohnhaus tötete fünf Kinder einer Familie, so Emergency Lawyers.
16. Oktober – Nyala (Süd-Darfur): Ein Drohnenangriff auf den Viehmarkt von Nyala tötete 30 Menschen und verwundete 47.
17. Oktober – Bir Saliba (West-Darfur) und Ankush (West-Kordofan): Ein der RSF zugeschriebener Drohnenangriff tötete in Bir Saliba mehrere Menschen, darunter sechs Frauen; die meisten Opfer waren Vertriebene, die in der Landwirtschaft arbeiteten. Ein Drohnenangriff der Armee auf einen zivilen LKW bei Ankush tötete vier Menschen, darunter drei Frauen. In einem Angriff auf ein Geflüchtetenlager in Sanakit in West Kordofan wurden fünf Kinder zwischen fünf und zehn Jahren getötet. UNICEF verurteilte diesen Angriff.
18. Oktober – Al-Dibab (West-Kordofan): Ein Drohnenangriff auf einen Transportknotenpunkt am Rande eines Marktes tötete nach Augenzeugen- und Sanitätsberichten 80 Menschen, darunter Pendelnde auf der Heimreise; die Drohne kehrte zehn Minuten nach dem ersten Treffer zurück. Am selben Tag wurden Drohnen auf die Staudämme Atbara und Setit sowie auf El Gedaref und Khashm El Girba abgefangen; weitere Angriffe trafen den Markt von Al-Muglad (West-Kordofan).
19. Oktober – Khartum und Nyala, Abyei: Ein den RSF zugeschriebener Drohnenangriff östlich des Flughafens Khartum tötete vier Menschen, darunter drei Kinder im Alter von zwei, vier und sechs Jahren und deren Vater. Ein Drohnenangriff auf das Stadtzentrum von Nyala tötete 17 Menschen und zerstörte zwei Wohnhäuser. In der Region Abyei traf eine Drohne den Amiet-Markt nahe einem Treibstoffdepot. Die UN gehen von mindestens 80 Toten und 27 Verletzten aus. Die Abyei-Verwaltung beschuldigte die sudanesische Armee, die angab, Treibstofflieferungen für die RSF angegriffen zu haben. Ein weiterer Angriff bei Todach verletzte 19 Menschen.
20. bis 21. Oktober – Ed Daein (Ost-Darfur) und Tschad: Bei einem Angriff auf ein Geflüchetenlager an der sudanesisch-tschadischen Grenze nahe der Stadt Tine wurden fünf Personen, darunter zwei humanitäre Helfer getötet und weitere Menschen verletzt, das meldet die Sudan Tribune. Nach Angaben der Sudan Founding Alliance (Tasees) tötete ein Drohnenangriff auf ein Restaurant nördlich des Hauptmarktes von Ed Daein 19 Zivilisten und verwundete 21; die Verantwortung wurde Streitkräften der Armee zugeschrieben, die angab, das Gefängnis von Ed Daein angegriffen zu haben. UN-Generalsekretär und OCHA verurteilten die Angriffe der vorangegangenen Tage erneut.
Quellen: Radio Dabanga (dabangasudan.org), Sudan Tribune (sudantribune.com), OCHA/ReliefWeb, AFP, AP. Die Opferzahlen beruhen auf Angaben von Emergency Lawyers, Sudan Doctors Network, Kordofan Observatory, OCHA)

Sarah Reinke
Geschäftsführerin Menschenrechtsreferate
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