Zum Inhalt springen

Volk: Aboriginal People

Aufgrund wissenschaftlicher Befunde wird der Siedlungsbeginn der Aboriginals in Australien auf 40.000 bis 60.000 Jahre vor unserer Zeitrechnung geschätzt. Die Aboriginals waren weitgehend Halbnomaden. Ein Lager errichteten sie dort, wo genügend Nahrung vorhanden war. Dies traf meist auf das Landesinnere, die Küstengebiete und die vorgelagerten Inseln zu. Ansonsten zwang das karge Nahrungsangebot zum ständigen Standortwechsel. Ihre mehr als 500 Gemeinschaften waren über den gesamten Kontinent verstreut. Sie bestanden häufig aus 500 bis 700 Personen, setzten sich aus verschiedenen Sippen zusammen und unterteilten sich in sesshafte oder nomadisierende Gruppen von 20 bis 50 Personen.

Bei der 1788 beginnenden Eroberung durch die Engländer lebten zwischen 500.000 und 750.000 Aboriginals in Australien, die ungefähr 500 verschiedene Sprachen benutzten. Die Zahl der Ureinwohner sank innerhalb weniger Jahrzehnte (1830) auf 80.000, die Vielzahl der Sprachen reduzierte sich auf etwa 375. Heute spricht nur noch etwa ein Fünftel der Aboriginals eine ihrer früheren Muttersprachen. Von den derzeit rund 18 Millionen Menschen in Australien zählen zwischen 300.000 und 400.000 zu den Aboriginals (ca. 2 Prozent). Die Mehrheit lebt in den Bundesstaaten Northern Territory, Queensland und New South Wales.

Aufgrund der Vertreibungen und Zerstörungen der natürlichen Umwelt ist es nur noch wenigen Aboriginals, die hauptsächlich im Zentrum und im Norden Australiens leben, möglich, nach der Art ihrer Vorväter zu jagen und zu sammeln. Die überwiegende Mehrheit sah sich einem enormen Anpassungsdruck über mehr als zwei Jahrhunderte ausgesetzt. Um so erstaunlicher, dass selbst die mehrheitlich inzwischen in Städten lebenden Aboriginals noch alte Stammesnamen verwenden, um sich zu identifizieren. Ebenso legen sie großen Wert auf ihr ausgedehntes Verwandtschaftssystem, die „Aboriginal Community“. Die Identifikation mit der Geschichte der zugehörigen Gemeinschaft (tribal ancestry) ist nach wie vor groß.
In Australien werden die Aborigines gewöhnlich „Schwarze“ genannt. Sie bevorzugen jedoch ihre eigenen Namen. Einer groben Einteilung nach Sprachfamilien folgend, siedeln die Murri im Osten, die Koori im Südosten, die Nanga im Süden, die Nyungar (auch: Noongar) im Südwesten, die Wonghi im Westen und die Yolngu im Norden. Dazu kommen die Torres Strait Islanders (Inselgruppe zwischen Australien und Papua-Neuguinea). Viele wurden im vergangenen Jahrhundert von den Inseln der Südsee als Arbeitssklaven nach Australien deportiert und dort in der Plantagenwirtschaft und bei der Schafzucht als billige Arbeitskräfte eingesetzt. Sie unterscheiden sich entsprechend in ihren Lebensgewohnheiten von den Aboriginals und beharren bis heute auf ihrer eigenständigen Identität.
Aus der Vielzahl der Kulturen seien auch die Wik und die Thayorre auf der Halbinsel Cape York oder die Yalanji (alle im Bundesstaat Queensland) genannt, die Gummela und Mowanjum in Westaustralien, die Maralinga-Tjarutja in Südaustralien, die Pitjantatjara und Warramunge in Zentralaustralien, die Mirrar und Jawoyn in Northern Territory, die Nyoongas im Südwesten, die Barkindji in New South Wales oder die Adnyamathanha, Arabunna, Biripi, Koarda, Koenpil, Mpwalarra, Ngarrindjeri, Nunukal, Nughi oder Worimi. Die bis heute wahrnehmbare Vielfalt der Aboriginals setzt sich u.a. in der Kunst, in der Musik und in anderen Formen der Kultur fort. Das berühmte Blasinstrument ‘Didjeridoo’ stammt aus dem tropischen Norden, die bemalten Emu-Eier aus Westaustralien und Holztiere etwa aus Zentralaustralien. Ebenso gibt es eine Vielzahl an Organisationen für fast alle Lebensbereiche, in denen mitunter schon der Name auf die unterschiedliche Herkunft hinweist. Der vereinheitlichende Begriff Aboriginals (Ureinwohner) umreißt Gemeinsamkeiten vor allem dort, wo sie ihre Rechte, insbesondere ihre Landrechte gegenüber den Nachfahren der Kolonisatoren einfordern und als Opfer von Völkermord, Unterdrückung und Diskriminierung auftreten.

Australian Indigenous Voice Referendum (14.10.)

Am 14. Oktober stimmt die Bevölkerung Australiens in einem Referendum über die „Aboriginal and Torres Strait Islander Voice“ ab – ein beratendes Gremium für die indigene Bevölkerung Australiens soll in der Verfassung des Landes verankert werden. Der Name ist so gewählt, dass man eigentlich gar nicht dagegen sein kann. Und doch gibt es viele Indigene im Land, die für ein „Nein“ werben.

# Hintergrund# Pressemitteilungen# Termin

Mehr

Landkonflikte in Australien

Australiens Indigene wehren sich:
• Wangan und Jagalingou blockieren Zufahrtsstraße zur Carmichael-Kohlemine
• Rio Tinto streicht Boni wegen Sprengung heiliger Höhlen
• Australiens „Native Title“-System benachteiligt Indigene systematisch

# Pressemitteilungen

Mehr

Proteste gegen Rassismus gegenüber indigenen Völkern

Indigene Völker leiden weltweit unter Ausgrenzung und Diskriminierung
Menschenrechtsorganisation fordert mehr Initiativen im Kampf gegen Rassismus an Indigenen

# Pressemitteilungen

Mehr

Siemens: Aboriginal People widersprechen Kaeser
Die Aboriginal People haben gegenüber der Menschenrechtsorganisation angekündigt, einen Vertreter zu den Protesten während der Siemens-Hauptversammlung in München am kommenden Mittwoch zu entsenden. Foto: Joe Kaeser während des Fortune Global Forum 2015. FORTUNE Global Forum via Flickr (CC BY-NC-ND 2.0)

Siemens: Aboriginal People widersprechen Kaeser

Australische Aboriginal People haben der Darstellung von Siemens-Chef Joe Kaeser widersprochen, dass sie dem Bau der umstrittenen Carmichael Kohle-Mine des indischen Adani-Konzerns zugestimmt hätten. Darauf hat die Gesellschaft für bedrohte Völker (GfbV) am Montag hingewiesen.

# Pressemitteilungen

Mehr

Eurovision Song Contest: Im Schatten der Superstars – Aboriginal Australians im Elend
Als Angehörige einer indigenen Gemeinschaft wirbt Jessica Mauboy aktiv um Unterstützung für bitter nötige Bildungsprojekte für Kinder der Aboriginal Australians. Foto: Eva Rinaldi via Flickr

Eurovision Song Contest: Im Schatten der Superstars – Aboriginal Australians im Elend

Anlässlich der Teilnahme des indigenen australischen Superstars Jessica Mauboy am Eurovision Song Contest (ESC) in Lissabon macht die Gesellschaft für bedrohte Völker (GfbV) auf die traurige Lage der Aboriginal Australians auf dem fünften Kontinent aufmerksam.

# Pressemitteilungen

Mehr

Australien: Merkel soll mit Turnbull über Lage der Aboriginal People sprechen
Bundeskanzlerin Angela Merkel empfängt am Montagabend den australischen Premierminister Malcolm Turnbull in Berlin. Foto: Cia Pak via UN Photo

Australien: Merkel soll mit Turnbull über Lage der Aboriginal People sprechen

Bundeskanzlerin Angela Merkel soll sich bei ihren Gesprächen mit dem australischen Premierminister Malcolm Turnbull am Montag in Berlin auch nach geplanten Maßnahmen zur Verbesserung der miserablen Lage der Aboriginal People auf dem fünften Kontinent erkundigen.

# Pressemitteilungen

Mehr

Umstrittener „Australia Day“ am 26. Januar: Australien soll Nationalfeiertag verlegen
Die indigene Parlamentarierin Lidia Thorpe hat in den vergangenen Tagen berichtet, sie habe zahlreiche Hass-Mails, Todesdrohungen und Androhungen von Vergewaltigungen bekommen, weil sie sich für ein anderes Datum des Festtages ausgesprochen hat. Foto: Takver via Flickr

Umstrittener „Australia Day“ am 26. Januar: Australien soll Nationalfeiertag verlegen

Die australische Regierung soll den Forderungen der indigenen Bevölkerung des Landes nachkommen und den umstrittenen „Australia Day“ (26.1.) auf ein anderes Datum verlegen, verlangt die Gesellschaft für bedrohte Völker (GfbV).

# Pressemitteilungen

Mehr

Australia Day
Der Beginn der Kolonialisierung ist für die Aboriginal People kein Feiertag. Foto: JAM Project via Flickr

Australia Day

Am 26. Januar wird jedes Jahr der „Australia Day“ gefeiert. Für die Aboriginal People ist es bis heute unbegreiflich, wie der Beginn ihrer Kolonialisierung als Feiertag begangen werden kann. Zu Recht. Wir feiern lieber starke indigene Frauen aus Australien!

# Info

Mehr

Australien: Solidaritätsaktion mit Aboriginal People in Berlin am Australia Day (26.1.)
Aboriginal People bezeichnen diesen Tag als „Invasion Day“ (Tag der Invasion) oder "Survival Day" (Tag des Überlebens). Aktivisten fordern einen neuen Nationalfeiertag für alle Australier, indigene wie nicht-indigene, Foto: Tali C. via Flickr

Australien: Solidaritätsaktion mit Aboriginal People in Berlin am Australia Day (26.1.)

Am Nationalfeiertag Australiens, dem kommenden Donnerstag (26.1.), gibt es auch in Berlin eine Solidaritäts- und Protestaktion gegen die Feierlichkeiten zum „Australia Day“: Unterstützt von der Gesellschaft für bedrohte Völker (GfbV) informiert das Berlin Aboriginal Solidarität Netzwerk am Vormittag von 10.30 Uhr bis 12.30 Uhr am Brandenburger Tor darüber, dass viele Aboriginal People an diesem Tag trauern.

# Pressemitteilungen

Mehr