Zum Weltregenwaldtag am 22. Juni erinnert die Gesellschaft für bedrohte Völker (GfbV) daran, dass der Schutz des Amazonas untrennbar mit dem Schutz der dort lebenden Indigenen Völker verbunden ist.
„Die Welt feiert indigene Gemeinschaften als Hüter des Regenwaldes. Gleichzeitig werden viele von ihnen bedroht, vertrieben oder ermordet. Wer den Regenwald erhalten will, muss die Menschen schützen, die ihn verteidigen“, erklärt Jan Königshausen, Referent für Indigene Völker der GfbV.
Indigene Territorien gehören zu den am besten erhaltenen Gebieten des Amazonas. Doch ihr Schutz ist nicht einzig das Ergebnis einer romantisierten oder vermeintlich „traditionellen“ Lebensweise. Vielmehr verteidigen indigene Gemeinschaften ihre Gebiete seit Jahrzehnten gegen illegale Holzfäller, Goldsucher, Ölunternehmen, Landräuber und Infrastrukturprojekte, die ihre Lebensgrundlagen zerstören. Der Preis für diesen Widerstand ist hoch. Einschüchterungen, Vertreibungen und tödliche Gewalt gehören für viele indigene Menschenrechts- und Umweltverteidigerinnen und -verteidiger zum Alltag.
Trotz Schutzgesetzen und internationalen Verpflichtungen gelingt es vielen Staaten im Amazonasgebiet nicht, indigene Menschenrechtsverteidiger wirksam vor Gewalt zu schützen. Straflosigkeit bleibt die Regel, während illegale Holzfäller, Bergbauakteure und Landräuber weiter in indigene Territorien vordringen.
Die GfbV kritisiert diesen grundlegenden politischen Widerspruch. Staaten und internationale Akteure profitieren von den Schutzleistungen indigener Gemeinschaften für Klima und Biodiversität. Gleichzeitig gelingt es vielerorts nicht, ihre Rechte wirksam durchzusetzen und sie vor Gewalt und Vertreibung zu schützen.
„Indigene Völker verdienen Schutz ohne Wenn und Aber – nicht erst dann, wenn ihre Territorien Kohlenstoff speichern oder Artenvielfalt bewahren. Wer ihre Rechte nur mit ihrem Nutzen für das Klima begründet, macht Menschenrechte von politischen Interessen abhängig“, so Königshausen.
Der Amazonas ist keine unberührte Wildnis, sondern ein über Jahrhunderte von indigenen Gesellschaften geprägter und geschützter Lebensraum. Solange indigene Gemeinschaften Gewalt, Vertreibung und der Zerstörung ihrer Territorien ausgesetzt sind, bleibt jeder Anspruch auf Regenwaldschutz unvollständig.

Jan Königshausen
Referent für Indigene Völker
Thematische Schwerpunkte:
- Kolumbien
- Bolivien
- Wayúu
E-Mail: j.koenigshausen@gfbv.de
Telefon: +49 551 49 906 14