„Am Reißbrett entworfene Träume von ‚homogenen Bevölkerungen‘ werden Flucht und neue Konflikte bringen“, warnt der GfbV-Bundesvorsitzende Jan Diedrichsen. „Stattdessen müssen sich beide Seiten zum Schutz der Minderheiten auf ihrem Gebiet bekennen und ihnen Autonomierechte einräumen.“ Bild: William John Gauthier via Flickr (CC BY-SA 2.0)
Westbalkan-Gipfel in Berlin (29. April)
Die Gesellschaft für bedrohte Völker befürchtet, dass auf dem Westbalkan-Gipfel am Montag ein Gebietsaustausch zwischen Serbien und dem Kosovo im Fokus stehen wird. Eine Grenzverschiebung über die Köpfe der Betroffenen hinweg würde Flucht und neue Konflikte bringen. Stattdessen müssten sich beide Seiten zum Minderheitenschutz bekennen, Autonomierechte gewähren und ihre Vergangenheit schonungslos aufarbeiten.
Schon früh hatte die GfbV den Verdacht, dass die fünf Camps in Nord Mitrovicë/Mitrovica ganz in der Nähe einer Bleischmelzanlage extrem verseucht waren, öffentlich gemacht und eine Evakuierung der Lager gefordert. Foto: Roma-Mädchen Sarah Jahirovic (2008) Foto: Bernard Sulivan.
Kosovo: Hoffnung für bleivergiftete Flüchtlinge
In einem Schreiben an UN-Generalsekretär António Guterres haben 55 Europa-Abgeordnete Entschädigung für Roma, Aschkali und Balkan-Ägypter gefordert, die nach dem Kosovo-Krieg 1999 von den Vereinten Nationen in bleiverseuchten Flüchtlingslagern untergebracht worden waren und deshalb ernsthaft erkrankt sind. Das Engagement der Parlamentarier gibt den Opfern des unverantwortlichen Umgangs der UN mit diesen Flüchtlingen Hoffnung auf Gerechtigkeit und endlich angemessene medizinische Hilfe.
Hashim Thaci (l.), Präsident des Kosovos und Aleksander Vucic, Präsident Serbiens diskutieren über eine mögliche Grenzverschiebung oder einen Gebietsaustausch zwischen den Ländern. Beide sollten sich in ihren Entscheidungen auch ihren Minderheiten widmen. Bild: European External Action/Belgrade-Pristina dialogue via Flickr CC BY-NC 2.0
Kosovo/Serbien: Diskussion über Grenzverschiebung
Mit Sorge verfolgt die Gesellschaft für bedrohte Völker (GfbV) die aktuelle Diskussion über eine mögliche Grenzverschiebung oder einen Gebietsaustausch zwischen dem Kosovo und Serbien.
Die westbalkanischen Staaten im Jahr 2018. Von Nord nach Süd: Serbien, Bosnien und Herzegowina, Montenegro, Kosovo, Albanien, Mazedonien. Bild: Marko7 via Wikimedia Commons
Westbalkan-Gipfel in London: Eine gerechte Zukunft für den Westbalkan gestalten
Die EU-Staaten müssen die Regierungschefs des Westbalkans in die Pflicht nehmen, für die angestrebte Aufnahme in die EU-Familie grundlegende Reformen in ihren Ländern durchzusetzen.
Die EU muss ihrer Führungsrolle auf dem Westbalkan gerecht werden und alle Länder in die Lage versetzen, sich zu einer gerechten Gesellschaft zu entwickeln, in der Menschen- und Minderheitenrechte gewährleistet sind. Bild: Lizenzfrei
Westbalkan: Stabilisierung der Konfliktregion gefordert
Für eine Stabilisierung der konfliktreichen Westbalkan-Region hält es die Gesellschaft für bedrohte Völker für dringend nötig, dass alle mutmaßlichen Kriegsverbrecher in den Ländern des ehemaligen Jugoslawiens juristisch verfolgt und bestraft werden.
Am 6. März wird die Menschenrechtsorganisation eine Dokumentation über Gesundheitsprobleme ehemaliger Lagerinsassen und ihrer Kinder vorlegen. Foto: GfbV
Anzeichen von Langzeitschäden bei Roma aus verseuchten UN-Flüchtlingslagern mehren sich!
Für eine Dokumentation hat die GfbV 50 Betroffene mit 213 Kindern befragt. Die gesundheitlichen Beschwerden deuten darauf hin, dass sie durch die hohe Bleibelastung in den UN-Flüchtlingslagern lebenslange Schäden davongetragen haben. Foto: GfbV
Am 6. März wird die Menschenrechtsorganisation eine Dokumentation über Gesundheitsprobleme ehemaliger Lagerinsassen und ihrer Kinder vorlegen. Foto: GfbV
UN sollen Roma-Flüchtlinge entschädigen
Der Verdacht, dass Roma-Flüchtlinge im Kosovo durch die Unterbringung in Flüchtlingslagern der Vereinten Nationen (UN) auf bleiverseuchtem Grund gesundheitliche Langzeitschäden davongetragen haben, erhärtet sich nach Erkenntnissen der Gesellschaft für bedrohte Völker (GfbV).
Wir wünschen uns von Gabriel, dass er Menschlichkeit zeigt, sich dieser Ärmsten der Armen annimmt und ihre Lage bei den Gesprächen mit der Kosovo-Regierung zum Thema macht. Foto: SPD Saar via Flickr
Bundesaußenminister auf dem Westbalkan
Anlässlich der Westbalkan-Reise von Außenminister Sigmar Gabriel weist die Gesellschaft für bedrohte Völker (GfbV) auf die desolate Lage der Roma, Aschkali und Balkan-Ägypter im Kosovo hin.
Mehr als 70 Jahre nach dem nationalsozialistischen Völkermord an den Sinti und Roma leiden die rund zwölf Millionen Angehörige dieser Volksgruppen in vielen europäischen Ländern bis heute unter Antiziganismus, sozialer Ausgrenzung, rassistisch motivierter Gewalt, extremer Armut und struktureller Diskriminierung. Foto: Jens-Olaf Walter via Flickr
Antiziganismus-Beauftragten gefordert
Auf Initiative des ehemaligen Bundesratspräsidenten Wedemeier wird seit 1994 in der jeweils letzten Plenarsitzung des Bundesrates im Dezember an den Völkermord an den Sinti und Roma gedacht. Anknüpfungspunkt für das Gedenken ist der 16. Dezember 1942, der Tag, an dem der „Reichsführer der SS“ den so genannten Auschwitz-Erlass unterzeichnet hatte.