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Aktuelles News & Artikel 20. Todestag der russischen Journalistin Anna Politkowskaja: Putin zeigte schon damals sein wahres Gesicht

20. Todestag der russischen Journalistin Anna Politkowskaja: Putin zeigte schon damals sein wahres Gesicht

Zum 20. Todestag der russischen Journalistin Anna Politkowskaja erinnert die Gesellschaft für bedrohte Völker (GfbV) an ihren mutigen Einsatz für die Menschen in Tschetschenien. Politkowskaja wurde am 7. Oktober 2006, dem Geburtstag des russischen Präsidenten Wladimir Putin, in Moskau erschossen. Sie hatte zuvor jahrelang über Kriegsverbrechen und schwere Menschenrechtsverletzungen der russischen Armee in Tschetschenien berichtet und dabei immer wieder die politische Verantwortung Putins und später des von ihm eingesetzten tschetschenischen Machthabers Ramzan Kadyrow benannt.

Gemeinsam mit tschetschenischen Menschenrechtsaktivistinnen dokumentierte Politkowskaja die Folgen des russischen Krieges gegen die tschetschenische Zivilbevölkerung. Ihre Reportagen aus Grosny sowie aus zahlreichen Städten und Dörfern Tschetscheniens erschienen in der unabhängigen Zeitung Nowaja Gazeta, deren Mitgründer 2021 mit dem Friedensnobelpreis ausgezeichnet wurde.

Bei einem zufälligen Treffen während eines Flugs nach Inguschetien kritisierte Politkowskaja gegenüber der GfbV, dass die ganze Welt auf die Gefangenen in Guantánamo schaue, sich aber niemand für die Tschetschenen in den Filtrationslagern interessiere. „Was damals in Tschetschenien geschah, geriet international viel zu schnell aus dem Blick. Heute setzt die russische Armee in der Ukraine ähnliche Methoden ein, um Menschen durch Folter zu terrorisieren“, sagt Sarah Reinke, Geschäftsführerin Menschenrechte bei der GfbV, die sich noch gut an das Treffen mit Politkowskaja erinnert.

Auch die GfbV setzte sich seit Beginn des zweiten Tschetschenienkrieges intensiv für die Zivilbevölkerung ein. In einem mehr als 300 Seiten umfassenden Bericht dokumentierte die Organisation systematische Verbrechen an der tschetschenischen Bevölkerung und bewertete diese als gezielten Völkermord.

Politisch stießen solche Warnungen jedoch lange auf wenig Resonanz. Tschetschenische Geflüchtete galten als besonders schwer traumatisiert. Dennoch wurde ihr Schicksal in Deutschland vielfach nicht angemessen wahrgenommen. „Die verantwortlichen Politiker in Deutschland, besonders der in enger ‚Männerfreundschaft‘ mit Putin verbundene Bundeskanzler Gerhard Schröder, ignorierten das Leid der Tschetschenen. Das erwies sich im Rückblick als einer der größten Fehler der deutschen Nachkriegspolitik. Denn schon damals zeigte sich das wahre Gesicht Putins: die imperiale Gewalt, das Großmachtstreben und der Wille, durch äußerste Brutalität seine Ziele zu erreichen“, sagt Reinke.

Nach einem anfänglichen Entsetzen über den kaltblütigen Mord an der bekannten Journalistin ging die Politik schnell zur Tagesordnung über. Nur wenige Monate nach dem Mord war Putin Gast der Münchner Sicherheitskonferenz und hielt dort am 10. Februar 2007 eine Rede. Eine nicht enden wollende Reihe von Morden an politischen Gegnern des russischen Präsidenten folgte.

Tschetschenien wird nach wie vor von „Putins Bluthund“ Ramzam Kadyrow regiert. Das autoritäre und repressive Regime Kadyrows verübt schwerste Menschenrechtsverletzungen.

Die GfbV ruft dazu auf, die Erinnerung an Anna Politkowskaja und ihre Berichte aus Tschetschenien wachzuhalten. „Was in Tschetschenien, in den Anfangstagen von Putins Präsidentschaft begann, setzte sich über die Jahre fort und eskaliert seit 2022 in der Ukraine. Auch deshalb ist es wichtig, die Erinnerung an die mutige Journalistin Anna Politkowskaja wachzuhalten“, betont Reinke.

Sarah Reinke

Sarah Reinke

Geschäftsführerin Menschenrechtsreferate

Thematische Schwerpunkte:

  • Osteuropa
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  • Armenien
  • Sudan

E-Mail: s.reinke@gfbv.de 

Telefon: +49 551 49906 13