Hinweis zum Sprachgebrauch in älteren Beiträgen
Der folgende ältere Beitrag kann Sprache und Formulierungen enthalten, die heute nicht mehr den Ansprüchen einer diskriminierungsfreien und sensiblen Ausdrucksweise entsprechen. Er wurde im historischen Kontext verfasst und bewusst unverändert gelassen, um unsere jahrzehntelange Menschenrechtsarbeit zu dokumentieren.
Der „Nationale Rat für Menschenrechte“ in Ägypten hat dem Innenministerium in Kairo vorgeworfen, zu der jüngsten Gewalt zwischen Muslimen und Kopten Anfang April beigetragen zu haben, weil Sicherheitskräfte untätig blieben. Dies berichtete die Gesellschaft für bedrohte Völker (GfbV) am Freitag in Göttingen. Nach dem Tod eines Passanten hat sich die Zahl der Toten bei den gewaltsamen Auseinandersetzungen zwischen dem 5. und 7. April 2013 auf neun Menschen erhöht. Sieben Personen, unter ihnen vier Kopten, starben bei Kämpfen in dem Dorf Khosous am 5. April. Zwei Kopten fielen später Angriffen auf einen Trauerzug in Kairo zum Opfer.
„Dringend müssen die Sicherheitskräfte ihre Präsenz in von Kopten und Muslimen bewohnten Dörfern und Stadtvierteln verstärken, da angesichts der bestehenden Spannungen oft nur ein falsches Gerücht genügt, um einen tödlichen Streit eskalieren zu lassen“, erklärte der GfbV-Afrikareferent Ulrich Delius. Der ägyptische Menschenrechtsrat hatte in seinem am Donnerstag veröffentlichten Bericht kritisiert, dass der Pastor der Kirche von Khosous verbreitet hatte, alle Kirchen in der Region seien angeblich von bärtigen Islamisten niedergebrannt worden.
Gegen 32 mutmaßliche Tatbeteiligte wurde inzwischen Haftbefehl erlassen. Zwei Kinder, die mit ihren Graffitis auf den Mauern des Islamischen Studienzentrum Al-Azhar in Khosous den Streit ausgelöst hatten, wurden inzwischen freigelassen. Ihnen droht keine Strafverfolgung, da sie erklärten, sie hätten sich bei ihren Schmierereien nichts gedacht und hätten niemandem Schaden zufügen wollen.
Die tödlichen Auseinandersetzungen haben auch im Schura-Rat, dem Oberhaus des Ägyptischen Parlaments, heftigste Debatten und Schuldzuweisungen ausgelöst. So reagierten koptische Parlamentarier empört, als islamistische Abgeordnete vor dem Schura-Rat eine Video-Aufzeichnung zeigten, um Kopten für die zunehmenden Spannungen verantwortlich zu machen. In dem Video war zu sehen, wie junge Kopten vom Dach der Sankt-Markus-Kathedrale in Kairo Polizisten angriffen. Die Parlamentarier warfen den Islamisten und Sprechern des Innenministeriums vor, falsche Anschuldigungen zu erheben und die Öffentlichkeit so manipulieren zu wollen. Außerdem forderten die koptischen Abgeordneten, eine andere Video-Aufzeichnung vorzuführen, die zeigt, wie Scharfschützen der Polizisten auf die Demonstranten schossen.

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