Die mutmaßlich mehr als 500 Toten und Vermissten nach zwei Schiffskatastrophen vor Myanmar zeigen nach Einschätzung der Gesellschaft für bedrohte Völker (GfbV) das Versagen der internationalen Gemeinschaft beim Schutz der Rohingya. Die Menschenrechtsorganisation fordert die Bundesregierung auf, ihre Kürzung der humanitären Hilfe zurückzunehmen und sich stärker für den Schutz der Rohingya einzusetzen.
Nach Angaben von UNHCR und IOM verließen zwei Boote Ende Juni den Rakhine-Staat in Myanmar. An Bord waren überwiegend Rohingya. Unter ihnen befanden sich nach vorläufigen Angaben auch einige, die bereits vorher in überfüllten Flüchtlingslagern in Cox’s Bazar in Bangladesch lebten. Die tödliche Fluchtroute von Myanmar und Bangladesch über das Meer in Richtung Malaysia, Indonesien oder Thailand zählt zu den gefährlichsten der Welt. Die Zahl der Überfahrten hat sich innerhalb weniger Jahre vervielfacht. Allein 2025 wurden nach UN-Angaben fast 900 Rohingya auf See als tot oder vermisst gemeldet.
„Die Flucht über diese lebensgefährliche Route zeigt, wie verzweifelt die Lage der Rohingya ist. Die Minderheit aus Myanmar lebt seit Jahrzehnten unter Verfolgung und Staatenlosigkeit. Auch in den Geflüchtetenlagern in Bangladesch finden sie bis heute weder Schutz noch eine dauerhafte Perspektive. Die Kürzung internationaler humanitärer Hilfe verschärft ihre Not zusätzlich. Die sich wiederholenden Schiffskatastrophen sind Ausdruck des politischen Versagens, endlich wirksamen Schutz und dauerhafte Lösungen zu schaffen.“
In Myanmar eskaliert die Gewalt gegen die Rohingya immer wieder. In ihrer Heimat Rakhine-Staat sind die Rohingya noch immer im Kreuzfeuer zwischen dem myanmarischen Militär und der Rebellenarmee Arakan Army. Seit Ende 2023 blockiert das Militär humanitäre Hilfe. Rund 1,2 Millionen Rohingya harren seit ihrer massenhaften Vertreibung aus Myanmar und dem Völkermord im Jahr 2017 in Geflüchtetenlagern in Bangladesch aus. Dort ist die humanitäre Lage ebenfalls katastrophal. Naturkatastrophen und Überschwemmungen bedrohen die Lager zusätzlich. In den überfüllten Lagern von Cox’s Bazar sind in den vergangenen Wochen mindestens 17 Menschen bei Erdrutschen ums Leben gekommen, darunter Kinder. Internationale Mittel gehen kontinuierlich zurück – auch Deutschland hat seine humanitäre Hilfe im Ausland seit 2024 von 2,23 auf 1,05 Milliarden Euro mehr als halbiert.
Die GfbV fordert die Bundesregierung auf, ihren humanitären Verpflichtungen nachzukommen, sichere und legale Fluchtwege zu unterstützen und sich für ein Ende der Gewalt in Myanmar einzusetzen. Die Vertreibung der Rohingya ist Gegenstand des Völkermord-Verfahrens Gambia gegen Myanmar vor dem Internationalen Gerichtshof, dem Deutschland beigetreten ist; ein Urteil wird noch 2026 erwartet.

Mirjam Kobold
Referentin für Asien
Thematische Schwerpunkte:
- China
- Tibet
- Uigur*innen
- Rohingya
E-Mail: m.kobold@gfbv.de
Telefon: +49 30 51695825-4