Die Gesellschaft für bedrohte Völker (GfbV) warnt vor einer dramatischen Eskalation der Gewalt in der sudanesischen Stadt El Obeid in Nordkordofan. „Seit Anfang Juni greifen die Rapid Support Forces die Stadt El Obeid fast täglich mit Drohnen an. Sie haben die Stadt abgeriegelt. Es droht ein Massaker wie in El Fasher, der Hauptstadt Norddarfurs, im Herbst 2025“, erklärt Sarah Reinke, Leiterin der Menschenrechtsarbeit der GfbV.
„Es reicht nicht aus, dass sich Deutschland besorgt über die Situation in El Obeid zeigt, die VAE müssen daran gehindert werden, immer mehr tödliche Drohnen in den Sudan zu liefern!“ fordert Reinke. Seit Jahresbeginn hat sich der Krieg im Sudan immer stärker zu einem Drohnenkrieg entwickelt. Die RSF bekommen Drohnen aus chinesischer und serbischer Herstellung über die Vereinigten Arabischen Emirate.
Bis zu 500.000 Menschen, unter ihnen geschätzt 100.000 Binnenvertriebene aus anderen vom Krieg betroffenen Landesteilen, sitzen in El Obeid fest. Die RSF haben die Stadt von drei Seiten eingekesselt und ihre Kämpfer in Orten südlich, westlich und nördlich der Stadt zusammengezogen.
Seit dem 10. Juni haben die RSF die Angriffe auf El Obeid intensiviert. Dabei sind mindestens 24 Zivilisten getötet worden, wie Zahlen der sudanesischen Aktivistin Sara Elhassan und des Sudan Doctors Network dokumentieren. Berichte der GfbV-Partnerorganisation Bana Group for Peace and Development bestätigen dies. El Obeid wird fast täglich mit Drohnen angegriffen. Am 22.6. griffen die RSF das größte Geflüchtetenlager in El Obeid an.
„Die Angriffe der RSF auf El Obeid folgen dem gleichen Muster wie etwa auf die Stadt El Fasher in Norddarfur und die Stadt Dilling in Südkordofan, die monatelang belagert und dann von den RSF eingenommen wurden. Die RSF verübten dort brutale Massaker an der Zivilbevölkerung, die als Völkermordverbrechen eingestuft werden“, betont Reinke.
„Fällt El Obeid, droht Millionen Menschen der Verlust lebenswichtiger Hilfe“, warnt die Menschenrechtlerin. El Obeid ist der wichtigste Verteilungsknotenpunkt für Hilfsmaßnahmen im gesamten Großraum Kordofan und das operative Hauptquartier der Sudanese Armed Forces (SAF). Sollten die RSF El Obeid erobern, würde nicht nur die Versorgung für die Bevölkerung in Nordkordofan, sondern auch in Süd- und Westkordofan wegbrechen. Bereits jetzt mussten mehrere medizinische Einrichtungen schließen, darunter ein Dialysezentrum sowie mehrere Wasserstationen. Eine Eroberung El Obeids würde der RSF zudem eine zusammenhängende Kontrolle über Gebiete von Darfur über Kordofan bis zum Nil verschaffen.

Sarah Reinke
Geschäftsführerin Menschenrechtsreferate
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