Hinweis zum Sprachgebrauch in älteren Beiträgen
Der folgende ältere Beitrag kann Sprache und Formulierungen enthalten, die heute nicht mehr den Ansprüchen einer diskriminierungsfreien und sensiblen Ausdrucksweise entsprechen. Er wurde im historischen Kontext verfasst und bewusst unverändert gelassen, um unsere jahrzehntelange Menschenrechtsarbeit zu dokumentieren.
Die Gesellschaft für bedrohte Völker (GfbV) warnt vor einer wachsenden Gefahr von Terroranschlägen auf Bundeswehrsoldaten in Nord-Mali und allgemein in Deutschland, sollten deutsche Militärausbilder auch im Norden des afrikanischen Staates eingesetzt werden. „Deutsche Soldaten werden dann neben Franzosen zu einem bevorzugten Anschlagsziel islamistischer Terroristen“, sagte der GfbV-Afrikareferent Ulrich Delius am Dienstag in Göttingen und forderte, Deutschland solle sich stärker für Frieden und Aussöhnung mit den Tuareg engagieren. Das Bundeskabinett will am Mittwoch darüber entscheiden, ob deutsche Ausbilder der malischen Armee im Rahmen des EUTM-Programmes aus dem vergleichsweise sicheren Süden des Landes auch nach Nord-Mali entsandt werden.
„Die Gefahr islamistischer Anschläge darf nicht unterschätzt werden“, sagte Delius. Seit Januar 2015 wurden mehr als 200 Terroranschläge in Nord-Mali verübt, bei denen 210 Personen getötet wurden. In weniger als drei Jahren kamen dort 83 UN-Blauhelmsoldaten zu Tode. Seit Jahresbeginn 2016 haben die Angriffe islamistischer Gewalttäter zugenommen. Am 20. März 2016 griff die islamistische Gruppe Ansar Dine eine Armeebasis nahe der Stadt Tessalit an. Am 21. März wurde ein Hotel von EUTM-Ausbildern in der Hauptstadt Bamako von Islamisten attackiert, einer der Angreifer starb bei der Attacke. Am 3. April erschossen mutmaßliche Islamisten nahe der Stadt Timbuktu einen Zivilisten.
Da Ende März drei Terrorverdächtige verhaftet wurden, wird nun mit einem Vergeltungsanschlag von Islamisten gerechnet. So hat die US-Botschaft am 8. April alle US-Staatsbürger in Mali vor einem bevorstehenden Terroranschlag gewarnt und sie aufgefordert, keine Restaurants, Cafés, Theater oder Kirchen zu besuchen. Auch die Vereinten Nationen sprechen von einer alarmierenden Sicherheitslage besonders im Norden des Landes.
„Während sich Deutschland in Mali sicherheitspolitisch immer stärker engagiert, ist von seinem politischen Engagement für Frieden und Aussöhnung in der Region nur wenig zu spüren“, kritisierte Delius. „ Doch ohne einen dauerhaften Frieden zwischen bewaffneten Tuareg-Gruppen und der Zentralregierung wird auch der Antiterror-Kampf scheitern. Wer die islamistische Gefahr bannen will, muss die tiefe Spaltung Malis nach jahrzehntelangen Konflikten mit den Tuareg überwinden.“ Seit Monaten kritisieren Tuareg-Gruppen die äußerst schleppende Umsetzung eines am 20. Juni 2015 vereinbarten Friedensabkommens. Erst Ende März 2016 war neuer Streit ausgebrochen, nachdem sich der Ministerpräsident Malis geweigert hatte, an einem Forum zum Frieden und zur Versöhnung in der in Tuareg-Gebieten gelegenen Stadt Kidal teilzunehmen.
Header Foto: Michal Huniewicz via Flickr

Gemeinsam handeln – Newsletter abonnieren
Bleiben Sie informiert über unsere Menschenrechtsarbeit, Erfolge und aktuelle Kampagnen. Unser Newsletter bringt Ihnen Stimmen unserer Partner*innen, Analysen und Möglichkeiten zum Mitmachen direkt ins Postfach.
