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Aktuelles News & Artikel Erdbeben in Kolumbien: Auswirkungen auf indigene Gemeinschaften noch nicht absehbar

Erdbeben in Kolumbien: Auswirkungen auf indigene Gemeinschaften noch nicht absehbar

Die Gesellschaft für bedrohte Völker (GfbV) ruft dazu auf, indigene Gemeinschaften bei der Beurteilung der Erdbebenfolgen in Kolumbien nicht zu vergessen. Die Auswirkungen auf indigene Gemeinschaften sind laut der Menschenrechtsorganisation bislang nicht absehbar. Das Erdbeben am 10. August hatte sein Epizentrum bei der Gemeinde San José del Palmar im Departamento Chocó, einem Gebiet, in dem viele indigene Gemeinschaften leben.

„Dass es nur wenige Meldungen über die Lage im Departamento Chocó gibt, bedeutet nicht, dass es dort keine Schäden gibt. Nur zehn von 35 indigenen Gemeinschaften in der Region Bojayá im Departamento Chocó konnten 24 Stunden nach dem verheerenden Erdbeben über ihre Lage berichten. Die Nachrichten, die uns von ihnen erreichen, sind besorgniserregend. Es gibt Berichte über Tote, Verletzte und erhebliche Schäden an Häusern und Infrastruktur“, sagt Jan Königshausen, Referent für Indigene Völker bei der GfbV.

In El Cairo, einer Gemeinde an der Grenze zu San José del Palmar, sind nach Angaben lokaler Akteure mehr als 80 Prozent der Häuser ganz oder teilweise beschädigt; Dächer stürzten ein, auch Todesopfer wurden gemeldet. In San José del Palmar selbst ist der direkte Kontakt bislang abgebrochen. Erdrutsche blockieren die einzige Zufahrtsstraße, nach einem Stromausfall ist die Internetverbindung nur eingeschränkt möglich. Gleichzeitig werden dort erhebliche Schäden an Häusern und Schulen gemeldet, berichtet die Menschenrechtsorganisation.

„Wenn Straßen blockiert sind oder der Strom ausfällt und somit die Kommunikation zusammenbricht, können ganze Gemeinden aus der Schadensbilanz verschwinden. Deshalb müssen die Behörden die betroffenen indigenen Territorien gezielt aufsuchen, die Schäden gemeinsam mit den traditionellen Autoritäten erfassen und die notwendige Hilfe direkt in die Gemeinschaften bringen“, appelliert Königshausen. Die Bevölkerung im Departamento Chocó leide ohnehin unter fehlender Infrastruktur, Armut und bewaffneter Gewalt. Indigene Gemeinden werden dort immer wieder gewaltsam daran gehindert, ihre Territorien frei zu verlassen oder sich innerhalb dieser zu bewegen. Das Erdbeben trifft damit auf eine Region, deren Infrastruktur und staatliche Versorgung bereits vor der Katastrophe unzureichend waren.

Behörden müssen Schäden in indigenen Gebieten erfassen

Die GfbV fordert die kolumbianischen Behörden auf, die Schäden in indigenen Territorien systematisch zu erfassen und dabei die Cabildos, die indigene Führungsstruktur der Gemeinschaften, einzubeziehen. Nicht nur Tote und zerstörte Gebäude in den Städten müssten gezählt werden, sondern auch fehlende Unterkünfte, unterbrochene Verkehrs- und Versorgungswege sowie der Zugang zu Trinkwasser, Lebensmitteln und medizinischer Versorgung in den ländlichen und indigenen Gemeinschaften.

„Die entscheidende Frage darf nicht nur sein, wie viele Menschen gestorben sind und wie hoch der Sachschaden ist. Wir müssen wissen, welche Gemeinden abgeschnitten sind, wer keinen sicheren Schlafplatz mehr hat und wo Menschen weder medizinische Hilfe noch Lebensmittel erreichen können. Wenn ganze Gemeinschaften gar nicht erst in der Schadensbilanz auftauchen, besteht die Gefahr, dass auch die Nothilfe an ihnen vorbeigeht“, erklärt Königshausen.

Jan Königshausen

Jan Königshausen

Referent für Indigene Völker

Thematische Schwerpunkte:

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E-Mail: j.koenigshausen@gfbv.de 

Telefon: +49 551 49 906 14