Hinweis zum Sprachgebrauch in älteren Beiträgen
Der folgende ältere Beitrag kann Sprache und Formulierungen enthalten, die heute nicht mehr den Ansprüchen einer diskriminierungsfreien und sensiblen Ausdrucksweise entsprechen. Er wurde im historischen Kontext verfasst und bewusst unverändert gelassen, um unsere jahrzehntelange Menschenrechtsarbeit zu dokumentieren.
Editorial
Liebe Leserin, lieber Leser,
„Ich sah Körperteile und zerbrochene Bänke. Überall war so viel Blut. Manchen wurde der Körper entzwei gerissen“, berichtet der koptische Christ Nabil Nader erschüttert. Er war hautnah dabei, als jüngst am Palmsonntag der Islamische Staat einen grauenhaften Anschlag auf eine koptische Kirche im nordägyptischen Tanta verübte. Auch in Alexandria riss am gleichen Tag ein Selbstmordattentäter Christen mit in den Tod. Bei dem Doppelanschlag kamen 45 Menschen ums Leben, mehr als 100 wurden verletzt.
Perfide, kaltblütig, berechnend geht der Islamische Staat vor, und das nicht nur in Ägypten. Alles im Namen einer Religion, die als die wahrhaftige gepriesen wird. In Burma indes berufen sich extremistische Mönche auf den Buddhismus, um Anschläge gegen muslimische Rohingya zu rechtfertigen. Im multireligiösen Indien versuchen Nationalisten, den Hinduismus als Staatsreligion zu etablieren.
Ägypten, Burma, Indien, Pakistan, Indonesien, Syrien oder Irak: Die Liste der Länder ist lang, in denen Menschen ihre Glauben über andere Religionen stellen. Das hat fatale Folgen: Anstatt friedlich miteinander zu leben, werden Gotteshäuser dem Erdboden gleich gemacht und Andersgläubige im Namen Gottes verfolgt oder gar getötet. Viele Menschen fliehen vor dieser religiös motivierten Gewalt. Und auch bei uns in Deutschland suchen sie Zuflucht – mit traumatischen Erlebnissen im Gepäck. Doch kann das die Lösung sein? Kann die Flucht vor religiöser Verfolgung die Wurzeln dieses oft tief sitzenden Hasses auf Andersgläubige beseitigen?
Sollen wir bleiben oder fliehen? Diese Frage stellen sich vor allem die Christen im Nahen Osten. Emanuel Youkhana, Erzdiakon der Assyrischen Kirche im nordirakischen Dohuk, vertritt einen klaren Standpunkt: „Wenn wir hier unsere Wurzeln verlieren und wenn die Türen offen sind, dann vollenden wir die noch unvollendete Mission des IS, den Nahen Osten von seinen Christen zu säubern. Die 2.000 Jahre alte Existenz der Christen hier kommt dann zu einem Ende. Dies wäre ein großer Verlust – für das Christentum, für unsere Länder, unsere Regionen und für unsere Partner.“
Ihre Sandy Naake
Redakteurin bedrohte Völker – pogrom

aus „bedrohte Völker – pogrom“ Nr. 299, 02/2017
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