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Aktuelles 306 Tourismus: Fluch oder Segen? Editorial: Tourismus – Fluch oder Segen?

Editorial: Tourismus – Fluch oder Segen?

Editorial: Tourismus – Fluch oder Segen?
Bild: Filipe Frazao via Shutterstock.com

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Der folgende ältere Beitrag kann Sprache und Formulierungen enthalten, die heute nicht mehr den Ansprüchen einer diskriminierungsfreien und sensiblen Ausdrucksweise entsprechen. Er wurde im historischen Kontext verfasst und bewusst unverändert gelassen, um unsere jahrzehntelange Menschenrechtsarbeit zu dokumentieren.

Liebe Leserin, lieber Leser,

der Rucksack lehnt an meinem Bett. Rings um ihn herum habe ich T-Shirts, Hosen, Sonnencreme und Mückenspray ausgebreitet. Draußen scheint die Sonne. Drinnen suche ich in den Schubladen der Kommode nach meinem Reisepass. Weit kann er doch nicht sein. Es ist Sommer. So wie mich packt zu dieser Zeit viele Menschen die Reiselust. Egal ob Rucksack-, Tauch- oder Vier-Sterne-alles-inklusive-Tourist. Um dem Alltag für einige Tage zu entfliehen, suchen wir den besonderen Reiz in der Ferne.

In dieser Ausgabe von „bedrohte Völker – pogrom“ möchten wir Sie mitnehmen auf eine Reise rund um den Globus: zu den Akwe Xerente in den brasilianischen Busch, auf den heiligen Berg Uluru der Aboriginal People in Australien oder zu dem Volk der Moken, die vor den Küsten Burmas und Thailands ein Seenomadenleben führen. Sie alle sehen sich mit den enormen Chancen, aber auch den Gefahren einer stets wachsenden Tourismusbranche konfrontiert.

Tourismus bewegt sich in Spannungsfeldern: Wichtige Einnahmequelle versus Kommerzialisierung, kultureller Austausch versus kulturelle Ausbeutung, Erschließung touristisch attraktiver Gegenden versus Verdrängung der Einheimischen – um nur einige zu nennen. Der Grat zwischen Nutzen und Schaden ist schmal. Besonders, was den Umgang mit religiösen und ethnischen Minderheiten sowie indigenen Völkern angeht.

Damit die Reise nicht nur uns Urlaubern in fröhlicher Erinnerung bleibt, sondern auch bei den Menschen vor Ort positive Spuren hinterlässt, sammeln wir in dieser Ausgabe einige praktische Tipps. Wir haben etwa mit einer Tourismusexpertin gesprochen sowie das Pro und Kontra eines Tourismusboykotts einzelner Länder abgewogen. Eine Anwältin aus Australien, die selbst Angehörige der Aboriginal People ist, berichtet, was sich in ihrem Land tut, um das kulturelle Erbe ihres Volkes, aber auch den Verbraucher vor Plagiaten indigener Kunst zu schützen.

Am Ende liegen die Entscheidungen, wie ich meine Reise gestalte, wie ich mich vor Ort verhalte und welche Prioritäten ich setze, bei mir als Reisende. Ein spannendes Gefühl. Mit dieser Erkenntnis und voller Vorfreude schultere ich meinen fertig gepackten Rucksack. Den Reisepass habe ich endlich gefunden. Ich bin bereit, wieder Neues kennenzulernen und Menschen zu treffen, die anders leben als ich.

Apropos Neues: In dieser Ausgabe erwartet Sie das erste Mal eine Seite für Kinder. In dieser Rubrik wollen wir in Zukunft unser Titelthema kindgerecht aufbereiten. Kinder bekommen im Internet und Fernsehen vieles unserer Erwachsenenwelt mit. Umso wichtiger ist es, ihnen die Themen einzuordnen, Interessen zu wecken und Neugierde zu befriedigen.

Ich wünsche Ihnen viel Freude beim Entdecken und bei Ihrer nächsten Reise. Ich hoffe, für eine spannende Reiselektüre ist mit dieser Ausgabe von „bedrohte Völker – pogrom“ gesorgt.

Herzliche Grüße

Johanna Fischotter

Redakteurin

aus „bedrohte Völker – pogrom“ Nr. 306, 03/2018

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