Hinweis zum Sprachgebrauch in älteren Beiträgen
Der folgende ältere Beitrag kann Sprache und Formulierungen enthalten, die heute nicht mehr den Ansprüchen einer diskriminierungsfreien und sensiblen Ausdrucksweise entsprechen. Er wurde im historischen Kontext verfasst und bewusst unverändert gelassen, um unsere jahrzehntelange Menschenrechtsarbeit zu dokumentieren.
Erschüttert muss die Gesellschaft für bedrohte Völker (GfbV) zur Kenntnis nehmen, dass eine 61 Jahre alte bosniakische Rückkehrerin am Donnerstag in der Gemeinde Srebrenica ermordet worden ist. Sie wurde mit einem stumpfen Gegenstand erschlagen und beraubt. Die Tote ist eine Verwandte der in der ostbosnischen Gemeinde arbeitenden Koordinatorin der GfbV und war vor einiger Zeit nach Srebrenica zurückkehrt. Dort lebte sie allein in der Nähe des Gedenkzentrums für die im Juli 1995 von serbischen Truppen ermordeten Einwohner der damaligen UN-Schutzzone. Auch die heute 61-Jährige hatte damals alle ihre männlichen Angehörigen verloren und war vertrieben worden.
„Dieser zweite Mord an einer Rückkehrerin verängstigt Tausende von anderen Rückkehrern und nimmt ihnen den Mut für einen Neuanfang in ihren Heimatorten“, erklärte der GfbV-Generalsekretär Tilman Zülch am Freitag. Schon vor etwa einem Jahr war eine Rückkehrerin im Dorf Pecista ermordet worden. Sie wurde durch die Explosion einer versteckten Handgranate getötet. Trotz vielfacher Bitten von Überlebenden des Völkermordes haben die Polizei, Administration und Gerichte der Republika Srpska, die vielfach selbst in die Verbrechen der Vergangenheit verstrickt waren, nichts unternommen, um dieses Verbrechen aufzuklären.
Rund 4 500 bosnische Vertriebene sind in die 59 Dörfer im Großraum Srebrenica und in die Stadt zurückgekehrt. „Während Srebrenica weltweit zu einem Synonym für Völkermord geworden ist, haben die internationalen Institutionen und großen Hilfswerke die Stadt an der Drina verlassen“, sagte Zülch. Die zurückgekehrten Witwen und Waisen sind sich selbst überlassen, müssen durch einfachste Landwirtschaft mit schwerer Arbeit ihr Überleben sichern.
Die GfbV hat mehrfach an die Bundesregierung, die EU sowie an die USA appelliert, die willkürliche Teilung Bosniens aufzuheben und der Großgemeinde Srebrenica im Rahmen der Republik Bosnien-Herzegowina Selbstverwaltung zu gewähren.

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