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Aktuelles News & Artikel Ethnische Konflikte eskalieren auf den Fidschi-Inseln

Putsch im Mai 2000

Ethnische Konflikte eskalieren auf den Fidschi-Inseln

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Der folgende ältere Beitrag kann Sprache und Formulierungen enthalten, die heute nicht mehr den Ansprüchen einer diskriminierungsfreien und sensiblen Ausdrucksweise entsprechen. Er wurde im historischen Kontext verfasst und bewusst unverändert gelassen, um unsere jahrzehntelange Menschenrechtsarbeit zu dokumentieren.

Fidschis Premierminister Mahendra Chaudhry reagierte gelassen, als drei Wochen vor dem jüngsten Putsch auf den Fidschi-Inseln 5.000 fidschianische Ureinwohner Ende April 2000 auf einer Großdemonstration den Rücktritt seiner seit Mai 1999 amtierenden Regierung forderten: „Die Bürger Fidschis werden sich nicht ein weiteres Mal täuschen lassen und Putschisten unterstützen.“ (Sunday Times, 30.4.2000) Seine Regierung setze sich engagiert für den Schutz der Rechte der fidschianischen Ureinwohner ein.

Doch Chaudhry unterschätzte den Unmut in der Bevölkerung. Als sieben maskierte Putschisten unter Führung des Geschäftsmannes George Speight am 19. Mai 2000 in das Parlamentsgebäude eindrangen und den Premierminister, mehrere Kabinettsmitglieder und Abgeordnete als Geiseln nahmen, konnten sie sich der Unterstützung durch die meisten Ureinwohner sicher sein. Zwar missbilligen viele indigene Fidschianer das brutale Vorgehen der Putschisten, den Sturz der Regierung begrüßen sie jedoch.

Fidschianische Ureinwohner beklagen ihre zunehmende Verarmung und fühlen sich immer mehr an den Rand der Gesellschaft gedrängt. Zwar stellt die Urbevölkerung mit 51 Prozent der 825.000 Einwohner die größte Bevölkerungsgruppe, nachdem nach den Putschen von 1987 rund 80.000 Fidschianer indischer Abstammung das Land verließen. Doch die damals von ihnen erhoffte Verbesserung ihrer wirtschaftlichen Lage blieb aus. Unter dem Motto „Fidschi den Fidschianern“ hatte Oberstleutnant Sitiveni Rabuka im Mai und September 1987 mit Militärgewalt die Macht an sich gerissen und die demokratisch gewählte, von Indern dominierte, sozial-liberale Regierung aus Labour Party und National Federation Party unter Führung des fidschianischen Premierminister Timoci Bavadra gestürzt. Dann hatte er mit Unterstützung des einflussreichen Rates der Führer der Urbevölkerung (Great Council of Chiefs) die Verfassung Fidschis im Sinne der indigenen Bevölkerung ändern lassen und ihre bereits bestehenden Privilegien erweitert. Seither dominieren die ethnischen Fidschianer mit 37 Mandaten auch das Parlament, während ihre indischstämmigen Landsleute nur 27 Sitze beanspruchen können.

Die gezielte Förderung von Ureinwohnern durch das Rabuka-Regime ließ eine Elite unter der Urbevölkerung entstehen, die lukrative Führungsposten in der öffentlichen Verwaltung und in staatlich kontrollierten Unternehmen besetzte, die sog. Taukei. Doch für die Mehrheit der fidschianischen Urbevölkerung besserte sich die Lage nicht, da es an breit angelegten Förderprogrammen fehlte und die Wirtschaft noch lange unter den Folgen der Militärputsche litt. Nach Rabukas Rücktritt 1993 war der Weg für eine Verfassungsreform frei, die im Juli 1997 stattfand und die Machtübernahme durch den indisch-stämmigen Premierminister Chaudhry ermöglichte.

Geschickt nutzten im Frühjahr 2000 die fidschianische Oppositionspartei SVP (Soqosoqo ni Vakavulewa ni Taukei) und die Taukei-Bewegung die wachsende Unzufriedenheit unter den ethnischen Fidschianern und mobilisierten gegen die neue Regierung, wie dies die Taukei-Bewegung bereits vor den Putschen 1987 getan hatte. Geschürt wurde das Misstrauen der Urbevölkerung, als der Premierminister mehrere führende fidschianische Beamte ihrer Ämter enthob. Tatsächlich bewies Chaudhry, dessen Vision einer multikulturellen Gesellschaft von der Urbevölkerung mit Argwohn betrachtet wurde, nur wenig Sensibilität im Umgang mit den ethnischen Fidschianern. Die Verarmung vieler Ureinwohner ist aber sicher nicht nur auf die Politik seiner Regierung in den vergangenen zwölf Monaten zurückzuführen, sondern auf eine weit verbreitete Korruption und Perspektivlosigkeit fidschianischer Regierungen seit der Unabhängigkeit des Staates 1970. Statt sich für eine Bewahrung der Kultur und für eine Verbesserung der Lage der ethnischen Fidschianer einzusetzen, hat die in Suva regierende Elite der Urbevölkerung nur den Schutz ihrer persönlichen Interessen im Sinne gehabt. Die breite Mehrheit der Einwohner und die indischstämmigen Fidschianer gingen dabei weitgehend leer aus.

So geht auch der jüngste Putsch nicht nur auf einen Interessenkonflikt zwischen indischstämmigen Fidschianern und der Urbevölkerung zurück. Zwar versuchen die Befürworter des Putsches mit der eingängigen Formel „Fidschi den Fidschianern“ alle Ureinwohner hinter sich zu scharen. Doch die Urbevölkerung bildet keine homogene Gruppe. Schon vor dem Putsch hatten sich die traditionellen Führer der ethnischen Fidschianer besorgt über die wachsende Kluft zwischen einzelnen Gruppen der Ureinwohner geäußert (Fiji’s Daily Post, 25.4.2000). So gibt es nicht nur Differenzen zwischen den traditionellen „Chiefs“ und der neuen Machtelite der Fidschianer, die durch Kooperation mit indischstämmigen Geschäftsleuten oder durch lukrative Ämter zu Wohlstand gekommen ist, sondern auch zwischen dem Osten und Westen des Landes. Die Ureinwohner im Osten sind nicht bereit indigene Premierminister aus dem Westen des Staates zu akzeptieren, in dem die meisten indischstämmigen Bürger leben und der durch den Zuckerrohranbau und Tourismus zu Wohlstand gekommen ist. Auch Putschistenführer Speight, der sich zum Anwalt indigener Interessen erklärte, vertritt nur eine kleine fidschianische Machtelite, die sich um das Schicksal der breiten Bevölkerung bislang wenig kümmert.

Speight selber stammt zum Teil von europäischen Einwanderern ab, setzt sich aber wie viele Nachkommen europäischer Immigranten für eine Führungsrolle der Urbevölkerung ein. Ihm droht aufgrund der Geiselnahme eine mehrjährige Haftstrafe. Nach massiven internationalen Protesten war er mit zwanzig seiner Mitstreiter am 26. Juli verhaftet worden. Zwar hatte er von den Militärs am Ende der Geiselnahme freies Geleit und eine Amnestie zugesichert bekommen, doch das höchste Gericht Fidschis entschied dagegen (BBC 2.10.2000). Das Gericht begründete sein vom Ausland sehr begrüßtes Urteil damit, dass Speight sich nicht an die Vereinbarungen gehalten habe, da er die Herausgabe aller Waffen der Putschisten verweigert habe. Speight muss sich nun einem Prozess stellen und wird vermutlich verurteilt werden. Dennoch steht es schlecht um eine Rückkehr Fidschis zur Demokratie.

Die neue Regierung unter Übergangs-Premierminister Laisenia Qarase kündigte bereits an, dass nicht an eine Wiedereinführung der Verfassung von 1997 gedacht sei, da sie die Interessen der ethnischen Fidschianer nur unzureichend berücksichtige (Fiji’s Daily Post, 18.8.2000). Bis Dezember 2001 solle eine neue Verfassung ausgearbeitet werden. Ein Jahr darauf sollten dann Wahlen durchgeführt werden. Die „Verfassungsreform“ soll von einer Kommission vorbereitet werden, der drei traditionelle „Chiefs“, zwei Inder und ein Vertreter anderer Minderheiten angehören sollen. Die zwei bedeutendsten Hindu-Organisationen riefen bereits zum Boykott auf und drohten allen Indern, die sich daran beteiligen würden, mit Ausschluss (Fiji Sun, 4.10.2000). Premierminister Qarase kündigte an, dass künftig Führungspositionen in der Politik nur noch von ethnischen Fidschianern besetzt werden sollen (The Age, 29.8.2000). Es wird also erneut die „rassische Karte“ ausgespielt, ohne dass sich die Lage der meisten Ureinwohner dadurch spürbar bessern wird.

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