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Aktuelles News & Artikel Putsch hat katastrophale Folgen

Fidschi im Sommer 2000

Putsch hat katastrophale Folgen

Hinweis zum Sprachgebrauch in älteren Beiträgen

Der folgende ältere Beitrag kann Sprache und Formulierungen enthalten, die heute nicht mehr den Ansprüchen einer diskriminierungsfreien und sensiblen Ausdrucksweise entsprechen. Er wurde im historischen Kontext verfasst und bewusst unverändert gelassen, um unsere jahrzehntelange Menschenrechtsarbeit zu dokumentieren.

Acht Wochen nach Beginn des Staatsstreichs auf den Fidschi-Inseln endete für die letzten 18 von den Putschisten festgehaltenen Geiseln am 13. Juli 2000 der Alptraum. Doch ihre von allen Fidschianer bejubelte Freilassung kann nicht darüber hinwegtäuschen, dass die Inselrepublik noch Jahre unter den schwerwiegenden wirtschaftlichen, gesellschaftlichen und politischen Folgen des Geiseldramas leiden wird. Einbußen in Höhe von rund 990 Millionen DM hat die Wirtschaft Fidschis nach offiziellen Angaben schon jetzt erlitten (Australian Financial Review, 22.8.2000).

Die Tourismusindustrie wurde am spürbarsten von der Geiselkrise erschüttert. So blieb in den ersten sieben Wochen nach dem Putsch der Absatz von Flugtickets der nationalen Fluggesellschaft „Air Pacific“ in Australien, Fidschis wichtigstem Tourismusmarkt, um 18,6 Millionen DM hinter dem Vorjahresergebnis zurück (Radio Australia, 10.7.2000). Auch japanische Touristen blieben weitgehend aus, so dass die meisten Flugverbindungen mit diesen beiden Ländern gestrichen werden mussten. Statt der sonst üblichen 4.000 Urlauber täglich trafen nur noch 450 auf Fidschi ein, nachdem die Außenministerien Australiens, Neuseelands, der USA und Großbritanniens vor einem Besuch der Inselrepublik gewarnt hatten. Eines der besten Hotels, das Sheraton Royal auf der Insel Denaru nahe dem internationalen Flughafen Nadi, wurde Mitte Juni geschlossen, nachdem nur noch 25 Prozent der Bettenkapazität ausgelastet waren (Radio Australia, 13.6.2000).

Mindestens 2.000 Angestellte des Hotel- und Gaststättengewerbes verloren zeitweise ihre Beschäftigung (The Fiji Sun, 5.9.2000). Zwar verbesserte sich die Lage in der Tourismusindustrie nach dem Ende des Putsches. Doch es bleibt zweifelhaft, ob ein großes Investitionsprogramm, das von der mittlerweile eingesetzten Übergangsregierung angekündigt wurde, schnell greifbare Erfolge bringen wird.

Der Putsch hat die Entwicklung des Landes möglicherweise um 20 Jahre zurückgeworfen, so die Prognose des Wirtschaftswissenschaftlers Philip Szmedra von der Universität des Südpazifik in der Hauptstadt Suva (Wansolwara, Juni 2000). Der Umsturz sei zu einem denkbar ungünstigen Zeitpunkt gekommen. Gerade habe sich das Land von den Folgen der Militärputsche von 1987 erholt, neue internationale Investoren gewonnen und jährliche Wachstumsraten des Bruttosozialprodukts von fünf Prozent erreicht. Ein politisch instabiles Land aber werde von Touristen und von Investoren gemieden, warnt er.

Auch der für die Exportwirtschaft bedeutenden Bekleidungsindustrie droht ein Fiasko. Ende September 2000 kündigte die australische Regierung an, günstige Importbedingungen für fidschianische Textilien zu streichen, solange die Demokratie nicht wieder hergestellt sei (Radio Australia, 29.9./2.10.2000). Da 60 Prozent aller Textilprodukte nach Australien exportiert werden, droht nun der Verlust von bis zu 35 Prozent der 20.000 Stellen in der Textilindustrie. Mindestens 7.500 Erwerbstätige sind nach offiziellen Angaben schon jetzt (Fiji’s Daily Post, 5.9.2000), inoffiziell gibt es sogar bis zu 22.000 Arbeitslose.

Unter den Fidschianern indischer Abstammung hat der Putsch tiefe Verunsicherung und Angst ausgelöst. Viele Inder fürchten nicht nur um ihre wirtschaftliche Zukunft, sondern fühlen sich als Menschen zweiter Klasse, die im öffentlichen Leben immer mehr benachteiligt werden. Lehrer-Organisationen und Gewerkschaften beklagen die Diskriminierung von indisch-stämmigen Mitgliedern bei der Beförderung im öffentlichen Dienst. Angesichts mangelnder beruflicher Perspektiven und tätlicher Bedrohung durch Fidschianer wandert eine stetig wachsende Zahl von Indern fidschianischer Abstammung aus der Inselrepublik ab. 80.000 Menschen unterzeichneten im August eine Petition der Selbsthilfeorganisation „Indische Bewegung für Gerechtigkeit und Frieden“, die an die Regierungen Australiens und Großbritanniens appelliert, indisch-stämmige Einwanderer aufzunehmen (Radio Australia, 17.8.2000).

„Für Inder fidschianischer Abstammung gibt es heute keinen Platz mehr auf Fidschi“, erklärt der Historiker Brij Lal und Mitautor der fidschianischen Verfassung von 1997. Rund 80.000 Fidschianer indischer Abstammung seien bereits nach den zwei Putschen 1987 emigriert. Nun drohe der Exodus von 300.000 weiteren, warnt Lal (Sydney Morning Herald, 15.7.2000). Schon zeigen sich im Gesundheitssystem erste katastrophale Folgen des Exodus: Die Fidschianische Ärzte-Organisation rechnet mit dem Verlust von 200 Ärzten und warnte vor Engpässen in der Gesundheitsversorgung (Radio Australia, 31.7.2000). Bis Mitte September 2000 reisten bereits 56 Krankenschwestern aus. Schon nach den Putschen 1987 waren 130 ärzte und Krankenschwestern emigriert.

Angst vor übergriffen seitens der fidschianischen Urbevölkerung haben auch ausländische Studenten an der Universität des Südpazifik. Einige wechselten bereits zu Universitäten in Australien und Neuseeland. Inzwischen wird sogar erwogen, die angesehene Universität, an der Studenten aus dem gesamten südpazifischen Raum ausgebildet werden, aus Sicherheitsgründen in ein anderes Land zu verlegen.

Regierungen in aller Welt verurteilten den Militärputsch. Der Sicherheitsrat der Vereinten Nationen äußerte am 15. Juni 2000 seine Besorgnis über die wachsende politische Instabilität im Südpazifik und forderte eine Rückkehr zu Recht und Gesetz auf den Fidschi-Inseln. Das Europaparlament forderte in einer Resolution „geeignete zielgerichtete Maßnahmen“ der Europäischen Union (EU) gegen die Übergangsregierung, wenn bis Ende November 2000 nicht tatsächlich Fortschritte bei der Wiedereinsetzung der verfassungsmäßig gewählten Regierung erzielt würden. Zwar setzten Frankreich und Großbritannien ihre militärische Zusammenarbeit mit Fidschi aus, aber die Europäische Kommission signalisierte Zurückhaltung bei der Verhängung weitreichender Sanktionen der EU. Während Großbritannien mehrmals öffentlich erklärte, nur das gestürzte demokratische Regime übe rechtmäßig die Staatsgewalt aus, erkannte Japan die umstrittene Übergangsregierung inzwischen an.

Auch im Südpazifik sind Regierungen uneins, wie sie auf den Putsch reagieren sollen. Australien und Neuseeland verhängten begrenzte Sanktionen, die den mächtigen australischen Gewerkschaften jedoch nicht weit genug gehen. Sie drohten bereits mit einem Handelsboykott, sollte die Demokratie nicht bald wiederhergestellt werden. Während westliche Demokratien ihre Empörung äußern, reagieren die südpazifischen Inselstaaten verhaltener. Der Generalsekretär des Südpazifik-Forums, in dem 16 südpazifische Inselstaaten zusammengeschlossen sind warnte vor einer Verhängung von Sanktionen und einer Einmischung in die inneren Angelegenheiten Fidschis (Radio Australia, 15.9.2000). Der Premierminister des Nachbarstaates Tuvalu, Ionatana Ionatana, zeigte sogar Verständnis für die Putschisten und betonte, die fidschianischen Ureinwohner und nicht die Inder seien die rechtmäßigen Herrscher Fidschis.

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