Zwei Jahre nach dem Gefangenenaustausch zwischen westlichen Staaten und Russland sowie Belarus am 1. August 2024, bei dem 16 politische Gefangene freigelassen wurden, fordert die Gesellschaft für bedrohte Völker (GfbV) einen verstärkten Einsatz für politische Gefangene in Russland: „Die indigenen Menschenrechtsverteidigerinnen Daria Egereva und Natalia Leongardt sitzen seit dem 17. Dezember 2025 in russischer Haft und sind wegen angeblichen Terrorismus angeklagt. Die Frauen sind unschuldig, das Verfahren politisch motiviert, die drohenden Haftstrafen drakonisch“, erklärt Sarah Reinke, Leiterin der Menschenrechtsarbeit der GfbV. „Die Bundesregierung muss sich mit Nachdruck für ihre Freilassung einsetzen. Denn der Gefangenenaustausch vor zwei Jahren hat gezeigt: Zähe Verhandlungen können Erfolg haben. Doch dafür braucht es öffentlichen Druck und politischen Willen. Am 5. August ist der nächste Verhandlungstermin in Moskau. Es geht um die Verlängerung der Untersuchungshaft. Die Tage davor sollten für verstärkte diplomatische Initiativen genutzt werden, fordert Reinke.
Egereva ist Co-Vorsitzende des Internationalen Indigenen Forums zum Klimawandel (IIPFCC). Leongardt engagiert sich seit über 20 Jahren für die Rechte Indigener Völker in Russland. Beide haben maßgeblich dazu beigetragen, den Dialog indigener Gemeinschaften mit internationalen Plattformen, etwa auf UN-Ebene, zu stärken. „Für diesen Einsatz sollen die beiden Frauen nun offenbar bestraft werden. Ihnen drohen bis zu 20 Jahre Haft unter horrenden Bedingungen. Das muss die internationale Gemeinschaft dringend verhindern“, fordert Reinke.
Nach Angaben der Menschenrechtsorganisation OWD-Info befinden sich aktuell mehr als 2.100 Menschen in Russland aus politischen Gründen in Haft. Darunter seien viele Angehörige von Minderheiten und Indigenen Völkern. Daria Egereva gehört dem Volk der Selkupen an, einem der kleinsten indigenen Völker Russlands mit etwa 3.500 Angehörigen. Die indigenen Völker Sibiriens, der Arktis und des Fernen Ostens zählen zu den ärmsten und politisch am stärksten marginalisierten Gruppen des Landes – ohne wirksame Mechanismen zum Schutz ihrer Rechte.
„Russlands jüngste Beschwerde, westliche Staaten würden das Thema indigener Völker als Druckmittel nutzen, zeigt jedoch: Politischer und öffentlicher Druck aus dem Westen kommt in Moskau an. Die Freilassung von Egereva und Leongardt muss für die Bundesregierung daher eine hohe Priorität haben, die Zuständigen müssen alle Möglichkeiten für einen für einen Gefangenenaustausch prüfen“, so Reinke.
Im Zuge des Gefangenenaustauschs im August 2024 kam unter anderem der prominente russische Menschenrechtsverteidiger Oleg Orlov frei. Dafür hatte sich die GfbV gemeinsam mit anderen Menschenrechtsorganisationen lange eingesetzt.
Unsere Petition für die Freilassung der beiden Aktivistinnen finden Sie hier.

Sarah Reinke
Geschäftsführerin Menschenrechtsreferate
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