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Aktuelles News & Artikel Internationaler Tag der indigenen Frauen (5.9.): Das Vermächtnis der indigenen Aktivistin Lucila Mejía

Internationaler Tag der indigenen Frauen (5.9.): Das Vermächtnis der indigenen Aktivistin Lucila Mejía

Zum Internationalen Tag der indigenen Frauen und Mädchen am 5. September erinnert die Gesellschaft für bedrohte Völker (GfbV) an die bolivianische indigene Aktivistin Lucila Mejía Soto de Morales. Sie starb am 29. August 2026 im Alter von 77 Jahren. Mejía gehörte zu den Wegbereiterinnen der politischen Organisierung indigener und bäuerlicher Frauen in Bolivien und war die Gründerin und erste Vorsitzende der späteren „Bartolina Sisa“-Organisation.

Der Internationale Tag der indigenen Frauen wurde im November 2025 von der UN-Vollversammlung beschlossen und wird in diesem Jahr zum ersten Mal gefeiert. Seinen Ursprung hat der Tag in Bolivien. Er wurde 1983 während des Zweiten Treffens der Organisationen und Bewegungen Amerikas in Tihuanacu ins Leben gerufen – zu Ehren von Bartolina Sisa, einer Aymara-Frau, die im 18. Jahrhundert den Widerstand gegen die koloniale Unterdrückung anführte und am 5. September 1782 hingerichtet wurde.

Lucila Mejía setzte sich über Jahrzehnte dafür ein, dass indigene und bäuerliche Frauen ihre politischen Interessen selbst vertreten und ihre kollektiven Rechte einfordern können. Ihr Einsatz steht beispielhaft für die politische Organisierung indigener Frauen, die in vielen Ländern Lateinamerikas für die Rechte ihrer Gemeinschaften, ihre Territorien und politische Teilhabe kämpfen. Lucila Mejía wurde am 31. Oktober 1948 in Chiarumani in der Provinz Aroma im Departamento La Paz in Bolivien geboren. Bereits als Zwölfjährige ging sie nach Cochabamba, wo sie als Hausangestellte arbeitete. Die Erfahrungen dieser Zeit prägten ihren späteren Einsatz für die Rechte indigener und bäuerlicher Frauen.

„Lucila Mejía gehört zu einer Generation indigener Frauen, die sich gegen die politische und gesellschaftliche Ausgrenzung ihrer Gemeinschaften und insbesondere gegen die Marginalisierung von Frauen innerhalb dieser Strukturen organisiert haben“, erklärt Jan Königshausen, Referent für Indigene Völker der GfbV. „Mit der Gründung der ‚Bartolinas‘ schuf Mejía eine eigenständige politische Organisation für indigene und bäuerliche Frauen. Sie machte damit sichtbar, dass die politische Teilhabe indigener Frauen nicht nur eine Frage der Repräsentation ist. Sie entscheidet mit darüber, ob Gemeinschaften selbst über ihr Land, ihre Ressourcen und ihre Zukunft bestimmen können.“

Heute stehen die politischen Errungenschaften indigener Frauen weltweit verstärkt unter Druck. Überall, wo Staaten, Unternehmen und andere Akteure um Land, natürliche Ressourcen und politische Einflussmöglichkeiten ringen, geraten besonders die Rechte indigener Gemeinschaften ins Visier. Indigene Frauen, die ihre Gemeinschaften vertreten, sind besonders gefährdet.

Auch die Entwicklungen in Bolivien zeigen, wie relevant die Fragen, für die Mejía gekämpft hat, weiterhin sind: Indigene Repräsentation wird zurückgedrängt und auch das zwischenzeitlich paritätisch besetzte Parlament ist wieder stark männlich geprägt – genau wie die Regierung, bei der alle Ministerien von Männern angeführt werden. Kollektive Landrechte werden geschwächt und indigene Organisationen aus politischen Entscheidungsprozessen gedrängt. Indigene Frauen sind die ersten, die die Auswirkungen unmittelbar spüren.

„Der Kampf indigener Frauen ist kein abgeschlossenes Kapitel der bolivianischen Geschichte“, sagt Königshausen. „Lucila Mejía hat gezeigt, was politische Organisierung verändern kann. Ihr Vermächtnis verpflichtet uns, heute den Frauen zuzuhören und sie zu unterstützen, die für ihre Gemeinschaften, ihre Territorien und ihr Recht auf Selbstbestimmung kämpfen.“

Jan Königshausen

Jan Königshausen

Referent für Indigene Völker

Thematische Schwerpunkte:

  • Kolumbien
  • Bolivien
  • Wayúu

E-Mail: j.koenigshausen@gfbv.de 

Telefon: +49 551 49 906 14