Hinweis zum Sprachgebrauch in älteren Beiträgen
Der folgende ältere Beitrag kann Sprache und Formulierungen enthalten, die heute nicht mehr den Ansprüchen einer diskriminierungsfreien und sensiblen Ausdrucksweise entsprechen. Er wurde im historischen Kontext verfasst und bewusst unverändert gelassen, um unsere jahrzehntelange Menschenrechtsarbeit zu dokumentieren.
Wie die Gesellschaft für bedrohte Völker (GfbV) über ihre Freunde im nordirakischen Kurdistan erfahren hat, sollen dort am Dienstag bei einem Bombenanschlag auf ein Büro der Demokratischen Partei Kurdistan Iran (PDKI) sechs Menschen getötet und mehrere verletzt worden sein. Das Büro befindet sich in der Ortschaft Koya. Mitglieder der PDKI feierten ein altkurdisch-iranisches Fest, die Yalda-Nacht, als das Attentat verübt wurde. Die PDKI agiert im Untergrund und im Exil. Sie macht die iranische Regierung für den blutigen Anschlag verantwortlich.
„Immer wieder greifen Agenten der Islamischen Republik Iran (IRI) kurdische Aktivisten an, auch im Ausland. Sieben Millionen der zehn Millionen Kurden sind dort einer doppelten Verfolgung ausgesetzt: Sie sind ethnische Kurden und nicht-schiitische Muslime“, berichtete der GfbV-Nahostreferent Kamal Sido am Mittwoch in Göttingen. „Die iranischen Machthaber verbieten oft den Bau von sunnitischen Moscheen, denn die offizielle Religion ist de facto das Schiitentum.“
Die GfbV und andere Menschenrechtsorganisationen werfen der Regierung der Islamischen Republik Iran vor, durch die Verhängung und Vollstreckung von immer mehr Todesurteilen und durch die langjährige Inhaftierung von Oppositionellen ein Klima der Angst im Land zu schaffen. „Offenbar soll jeder iranische Bürger – ob Perser, Kurde, Ahwazi, Belutsche, Aserbaidschaner, Turkmene oder Christ – die Macht des Regimes in Teheran spüren“, sagte Sido. Im Iran sollen jährlich Hunderte Hinrichtungen stattfinden: Allein 2015 sollen 977 Todesurteile vollstreckt worden sein. Auch wird aus Gefängnissen und Polizeistationen immer wieder berichtet, dass Gefangene grausam gefoltert werden.
Die Yalda-Nacht ist ein kurdisch-iranisches Fest, das die Wintersonnenwende feiert. Im iranisch-zoroastrischen Kalender entspricht dies der Nacht vom 30. Aar (Feuer) auf den 1. Dey (Schöpfer). Das Fest stammt ursprünglich aus dem Zoroastrismus, einem Glauben der iranischen Völker aus der vor-islamischen Zeit. Es wird vor allem von Kurden, Persern, Tadschiken und Afghanen zelebriert.
Im Vielvölkerstaat Iran leben neben Persern auch Aseri, Kurden, Araber, Belutschen, Turkmenen, Assyro-Aramäer sowie andere kleinere ethnische und religiöse Minderheiten. Die nichtpersischen Nationalitäten stellen weit mehr als die Hälfte der rund 77 Millionen Einwohner des Iran. Als eigenständige Völker mit eigener Sprache, Kultur und Geschichte werden sie nicht anerkannt, sondern bewusst als „ethnische Gruppen“ bezeichnet. Sie alle leiden unter Unterdrückung und Diskriminierung.
Header Foto: UN Photo/Bikem Ekberzade

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