Hinweis zum Sprachgebrauch in älteren Beiträgen
Der folgende ältere Beitrag kann Sprache und Formulierungen enthalten, die heute nicht mehr den Ansprüchen einer diskriminierungsfreien und sensiblen Ausdrucksweise entsprechen. Er wurde im historischen Kontext verfasst und bewusst unverändert gelassen, um unsere jahrzehntelange Menschenrechtsarbeit zu dokumentieren.
Anlässlich des Prozessbeginns gegen die frühere Sprecherin von Carla del Ponte und langjährige Balkankorrespondentin von Le Monde, Florence Hartmann, vor dem Kriegsverbrechertribunal in Den Haag hat die Gesellschaft für bedrohte Völker (GfbV) die Offenlegung geheimer Dokumente aus der Zeit des Genozids in Bosnien gefordert.
„Mit Beweisen gegen Völkermord darf es keinen „Deal“ geben“; erklärte der Vorstandsvorsitzende der internationalen Menschenrechtsorganisation, Tilman Zülch, am Montag in Göttingen. „Wenn die Seite der Opfer noch länger daran gehindert wird, Einsicht in diese brisanten Dokumente aus Belgrad zu nehmen, müssen sich die Richter des Tribunals vorwerfen lassen, daran mitgewirkt zu haben, dass die Verantwortlichen für die Verbrechen gegen die Menschlichkeit in Bosnien-Herzegowina ungestraft davonkommen.“ Florence Hartmann wird vorgeworfen, vertrauliche Informationen des Tribunals aus Serbien aus der Zeit des Krieges in ihrem
Buch „Paix et Châtiment“ veröffentlicht zu haben.
Es sei ein Skandal, dass unter anderem Dokumente und Protokolle des Obersten Verteidigungsrates Serbiens über Gespräche von Slobodan Milosevic mit den Generälen der jugoslawischen Armee über militärische Aktivitäten in Bosnien-Herzegowina geheim bleiben, erklärte der Menschenrechtler. Die Überlebenden des Völkermordes hätten ein Recht darauf zu erfahren, wer für den Genozid an den bosnischen Muslimen, für Massaker, Morde, Vergewaltigungen und Vertreibungen verantwortlich war.
Diese Dokumente müssten der europäischen Öffentlichkeit sofort zugänglich gemacht werden. Da sie auch im Prozess Bosnien gegen Serbien und Montenegro vor dem International Court of Justice nicht verwendet werden durften, konnte Bosnien den Nachweis nicht führen dass die Regierung Milosevic den Völkermord und die Massenvertreibungen in Bosnien geplant und mit Hilfe serbischer und bosnisch-serbischer Truppen durchgeführt habe.

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