Hinweis zum Sprachgebrauch in älteren Beiträgen
Der folgende ältere Beitrag kann Sprache und Formulierungen enthalten, die heute nicht mehr den Ansprüchen einer diskriminierungsfreien und sensiblen Ausdrucksweise entsprechen. Er wurde im historischen Kontext verfasst und bewusst unverändert gelassen, um unsere jahrzehntelange Menschenrechtsarbeit zu dokumentieren.
Am Montag, den 18. Mai 2015, 14:00 – 15:30 Uhr
in der Landesvertretung Niedersachsen,
In den Ministergärten 10, 10117 Berlin
„Menschenrechte im Iran in Zeiten politischer Annährung“ ist das Thema eines Pressegespräches am 18. Mai in Berlin, zu dem die Gesellschaft für bedrohte Völker (GfbV) einlädt. Referieren werden Prof. Ingo Hofmann, Sprecher der Baha’i-Gemeinde in Deutschland, Dr. Seyed M. Azmayesh von der Internationalen Organisation zum Schutz der Menschenrechte im Iran (Paris) sowie Dr. Kamal Sido, Nahostexperte der GfbV. Moderiert wird das Gespräch von Helmut N. Gabel, Pressesprecher von Karamat e.V. (Hannover). Die Menschenrechtler werden nach fast zwei Jahren Präsidentschaft von Hassan Rohani kritisch Bilanz ziehen und dabei auch die beginnende Annäherung zwischen dem Iran und dem Westen beleuchten.
Dass die Menschenrechte vor allem auch der ethnischen und religiösen Minderheiten auch unter Präsident Rohani massiv verletzt werden, zeigen die Ereignisse der vergangenen Tage in Iranisch-Kurdistan. Dort wurden kurdische Proteste blutig niedergeschlagen. Mindestens zwei Kurden wurden dabei von iranischen Sicherheitskräften getötet, 50 wurden verletzt und mindestens 282 festgenommen.
Auslöser der Proteste war die versuchte Vergewaltigung einer Kurdin am 4. Mai in der Stadt Mahabad im Nordwesten des Iran. Das 25 Jahre alte Opfer kam dabei zu Tode. Die junge Frau arbeitete als Zimmermädchen in einem Hotel. Sie wollte einem Bediensteten der iranischen Behörden entkommen, der versucht haben soll, sie zu vergewaltigen, und stürzte aus dem vierten Stock des Hotels in den Tod. Kurdische Aktivisten aus Mahabad sprachen von einem feigen Mord. In vielen Städten der mehrheitlich kurdischen Region des Iran kam es zu Protesten, die zum Teil gewaltsam aufgelöst wurden. In sozialen Medien kam es zu einer gewaltigen Welle von Solidarität mit der jungen Kurdin. „Wir sind alle Farinaz! Das ist der Ruf nach Freiheit für alle Menschen in Kurdistan und im Iran“, war zu lesen.
Das Siedlungsgebiet der Kurden im Iran umfasst die vier Ostanan (Provinzen) Kermanschah, Ilam, Westaserbaidschan, sowie Kordestan im Westen des Landes und hat mit seinen zehn Millionen Einwohnern eine Gesamtfläche von ca. 125.000 Quadratkilometern. Fast 98 Prozent der iranischen Kurden bekennen sich zum Islam. 75 Prozent von ihnen sind Sunniten, 25 Prozent Schiiten. Im Vielvölkerstaat Iran leben neben Persern auch Aseri, Kurden, Ahwazi, Belutschen, Turkmenen, Assyrer sowie andere kleinere ethnische und religiöse Minderheiten. Nichtpersische Nationalitäten stellen weit mehr als die Hälfte der rund 77 Millionen Staatsbürger.

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