Hinweis zum Sprachgebrauch in älteren Beiträgen
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Auch mehr als fünf Jahre nach pogromartigen Ausschreitungen gegen Christen in der Region Kandhamal im indischen Bundesstaat Orissa warten Überlebende und Angehörige der Gewaltopfer noch immer auf Gerechtigkeit, berichtete die Gesellschaft für bedrohte Völker (GfbV) am Mittwoch in Göttingen. 54 mutmaßliche Täter wurden am Dienstag von einem Gericht in Kandhamal aus Mangel an Beweisen freigesprochen. Die Angeklagten waren von der Staatsanwaltschaft beschuldigt worden, Weihnachten 2007 eine baptistische Kirche und 14 von Christen bewohnte Häuser niedergebrannt zu haben. „Es ist beschämend für den Rechtsstaat Indien, dass die meisten Gewalttaten an Christen von den Gerichten nicht geahndet werden“, erklärte der GfbV-Asienreferent Ulrich Delius. „Indien muss dringend mehr tun, um die Straflosigkeit zu beenden.“
Überlebende und Angehörige der mehr als 100 christlichen Gewaltopfer hatten nach den Ausschreitungen hinduistischer Extremisten in Kandhamal im Dezember 2007 und August 2008 mehr als 3.230 Anzeigen bei der Polizei eingereicht. Trotz der Einsetzung von zwei Schnellgerichten wurden nur 75 Täter verurteilt. Wegen Mordes gab es nur 27 Verfahren. Zwei dieser Prozesse endeten mit einem Schuldspruch. Die von Hindu-Nationalisten geschürte Gewalt gegen Christen eskalierte vor allem im August 2008, als rund 300 Kirchen und kirchliche Einrichtungen sowie 5.600 von Christen bewohnte Häuser von Angreifern niedergebrannt wurden. Mehr als 56.000 Christen flohen damals vor der Gewalt. „Ohne eine konsequente Bestrafung der Gewalttäter wird es auch keine Aussöhnung zwischen Opfern und Tätern geben“, erklärte Delius.
In Indien nimmt vor allem in ländlichen Gebieten die Zahl der Übergriffe auf Christen und Angehörige anderer religiöser Minderheiten zu. So wurden vom „Global Council of Indian Christians“ in dem im Süden des Landes gelegenen Bundesstaat Karnataka in den vergangenen drei Jahren 150 Übergriffe auf Christen registriert. Allein in den vergangenen vier Monaten wurden in Karnataka 27 Gewalttaten gegen Christen verübt. So wurde am 6. Oktober 2013 ein protestantischer Pastor von mit Macheten bewaffneten Hindu-Nationalisten bedroht und unter den Augen von Polizisten zusammengeschlagen. Der Pastor hatte die Witwe eines verstorbenen Christen aufgesucht, um mit ihr das Gedenken an den Toten zu besprechen. Der Geistliche wurde von den Hindu-Extremisten daraufhin beschuldigt, die Witwe unter Druck gesetzt zu haben, zum christlichen Glauben zu konvertieren. Statt dem bedrängten Pastor beizustehen, nahmen die Polizisten ihn wegen „verdächtigen Verhaltens“ in Gewahrsam.

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