Hinweis zum Sprachgebrauch in älteren Beiträgen
Der folgende ältere Beitrag kann Sprache und Formulierungen enthalten, die heute nicht mehr den Ansprüchen einer diskriminierungsfreien und sensiblen Ausdrucksweise entsprechen. Er wurde im historischen Kontext verfasst und bewusst unverändert gelassen, um unsere jahrzehntelange Menschenrechtsarbeit zu dokumentieren.
Nach dem Bekanntwerden neuer Geheimdokumente zur systematischen Verfolgung muslimischer Nationalitäten in China fordert die Gesellschaft für bedrohte Völker (GfbV) von der europäischen Politik, auf verbale Kritik nun endlich konkrete Taten folgen zu lassen. „Deutschland und die Europäische Union dürfen nicht akzeptieren, dass Verbrechen gegen die Menschlichkeit ihres strategischen Partners China bei Gipfeltreffen verschwiegen oder als Randnotizen abgetan werden“, erklärte der GfbV-Direktor Ulrich Delius am Dienstag in Göttingen. „Verantwortliche für die Verbrechen müssen mit Reise-Sanktionen an der Einreise in die EU gehindert werden. Deutsche Firmen müssen ihre Aktivitäten in Xinjiang überprüfen.“ Spätestens beim EU-China-Gipfel in Leipzig im September 2020 unter deutscher EU-Ratspräsidentschaft müsse Europa deutlich Farbe bekennen und zu seinen Werten stehen.
Die nun bekannt gewordenen Dokumente belegen die zynische Akribie, mit der chinesische Behörden jedes Symbol der Religiosität uigurischer oder kasachischer Muslime erfassen und deuten. Bärte, Kopftücher, Moschee-Besuche und das Fasten während des Ramadan, alles werde systematisch erfasst. Je gläubiger die Menschen nach diesen Kriterien eingeschätzt würden, desto länger müssten sie gegen ihren Willen in den Lagern verbleiben. „Dies ist nicht nur ein Verstoß gegen internationale Menschenrechtskonventionen, sondern auch gegen Chinas Verfassung, die die Religionsfreiheit garantiert“, so Delius.
Die systematische Verletzung der Religionsfreiheit in Xinjiang müsse aber auch dem Vatikan bei seiner Annäherung an Chinas Regierung zu denken geben. Denn heute seien die Opfer der Verbrechen muslimische Gläubige, schon morgen könnten es Angehörige der christlichen Minderheit sein, warnt die GfbV. Chinas Regierung misstraue jeder Religion, die sie nicht total kontrolliere. Jeder Deal mit Chinas Führung schüre die Repression gegen Andersdenkende und Gläubige. Erst letzten Freitag waren die außenpolitischen Führungen Chinas und des Vatikans bei der Münchener Sicherheitskonferenz zu einem viel beachteten Treffen zusammengekommen.
Headerbild: Malcolm Brown via Flickr

Gemeinsam handeln – Newsletter abonnieren
Bleiben Sie informiert über unsere Menschenrechtsarbeit, Erfolge und aktuelle Kampagnen. Unser Newsletter bringt Ihnen Stimmen unserer Partner*innen, Analysen und Möglichkeiten zum Mitmachen direkt ins Postfach.
