Hinweis zum Sprachgebrauch in älteren Beiträgen
Der folgende ältere Beitrag kann Sprache und Formulierungen enthalten, die heute nicht mehr den Ansprüchen einer diskriminierungsfreien und sensiblen Ausdrucksweise entsprechen. Er wurde im historischen Kontext verfasst und bewusst unverändert gelassen, um unsere jahrzehntelange Menschenrechtsarbeit zu dokumentieren.
Die Gesellschaft für bedrohte Völker (GfbV) warnt davor, die radikal-islamistische Gruppe Boko Haram in Nigeria zu unterschätzen und vorschnell ihre Zerschlagung zu verkünden. „Der Terror der islamistischen Kämpfer hält auf hohem Niveau noch immer an“, berichtete der GfbV-Afrikareferent Ulrich Delius am Montag in Göttingen. „Zwar ist Gruppe geschwächt, doch mit ihrem baldigen Verschwinden ist nicht zu rechnen. So wurden in den ersten drei Wochen des Monats November 20 Terrorangriffe verübt, bei denen 135 Menschen getötet wurden. Im Vormonat Oktober waren 22 Überfälle registriert worden, im September 24 und im August zwölf. Somit haben Boko-Haram-Kämpfer seit August 2016 mindestens 78 Terrorattacken verübt.“
Trotz dieser erschreckenden Zahlen gibt sich Nigerias Armee siegesgewiss und vermittelt in der Öffentlichkeit, eine Zerschlagung Boko Harams stünde unmittelbar bevor. So erklärte der Armee-Oberbefehlshaber Generalleutnant Tukur Buratai am Sonntag vor Journalisten in Maiduguri, es bestehe „kein Zweifel“ daran, dass Boko Haram besiegt sei. Bereits am 16. November 2016 hatte Buratai verkündet, die Armee warte darauf, dass Boko Haram bald den bewaffneten Kampf aufgeben werde. Die Terrorgruppe sei von Nigerias Soldaten geschlagen worden, sie hätten einen „Meilenstein-Sieg“ errungen.
Momentan werden fast alle Angriffe Boko Harams im Bundesstaat Borno im Nordosten Nigerias verübt. So starben am Sonntag bei Schusswechseln zwischen Boko Haram und der Armee mindestens elf Menschen und neun Personen wurden verletzt. Am Freitag vergangener Woche kamen bei drei Anschlägen von Selbstmordattentätern sechs Menschen zu Tode. Zuvor waren am Montag und Dienstag fünf Dörfer überfallen und mindestens 22 Personen getötet worden.
Richtete sich der Terror lange Zeit vor allem gegen die Zivilbevölkerung, so scheinen nun auch die Armee und andere staatliche Sicherheitskräfte Ziel der Attacken zu sein. Im Monat November 2016 wurden zwei hoch dekorierte Armee-Kommandeure bei Anschlägen von Boko Haram wurden.
In sechs Jahren Bürgerkrieg sind mehr als 20.000 Menschen dem Terror Boko Harams und der brutalen Kriegsführung der Sicherheitskräfte zum Opfer gefallen. Mindestens 2,6 Millionen Zivilisten sind vor dem Terror geflohen.
Foto: EU/ECHO/Isabel Coello via Flickr

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