Die Gesellschaft für bedrohte Völker (GfbV) zeigt sich zutiefst besorgt über die Festnahme der international bekannten krimtatarischen Politikwissenschaftlerin und Journalistin Lenora Dyulber durch russische Strafverfolgungsbeamte.
Um sechs Uhr morgens Ortszeit drangen am heutigen 4. Dezember russische Strafverfolgungsbeamte in ihr Haus in der Stadt Sudak auf der Krim ein. Nach Informationen krimtatarischer Menschenrechtler wird das Haus, in dem Dyulber mit ihrer Tochter lebt, derzeit durchsucht. Dyulber soll nach Simferopol gebracht worden sein, wo sie vom russischen Geheimdienst FSB verhört werden soll.
„Russland verschärft seine Repression gegen die Krimtataren immer weiter. Dass nun sogar eine international bekannte Wissenschaftlerin und Journalistin festgenommen wurde, zeigt, dass der russische Geheimdienst keinerlei Konsequenzen für sein Handeln fürchtet“, erklärt Sarah Reinke, Leiterin der Menschenrechtsarbeit der GfbV. Die GfbV hat in Briefen an Außenminister Johann Wadephul und die UN-Sonderberichterstatterin für Russland, Mariana Katzarova, um Intervention gebeten.
„Die internationale Gemeinschaft darf die russischen Menschenrechtsverletzungen auf der Krim nicht länger ignorieren“, betont Reinke. „Es braucht klare politische Signale und konkrete Maßnahmen, um den Schutz der Krimtataren zu gewährleisten.“
Hintergrund
Die Krimtataren sind eines der Indigenen Völker der Krim. Sie werden seit der völkerrechtswidrigen Annexion der Halbinsel durch Russland 2014 systematisch verfolgt und unterdrückt. Seit 2022 haben die Menschenrechtsverletzungen nochmals stark zugenommen. Dyulbers Festnahme reiht sich ein in eine Serie von Repressionen gegen krimtatarische Intellektuelle, Aktivisten und Journalisten. Im Oktober hatte der russische Gemeindienst vier krimtatarische Frauen aus politischen Gründen verhaftet. Aktuell befinden sich 133 Krimtataren in politischer Gefangenschaft, wie die GfbV in einem aktuellen Memorandum zur Menschenrechtslage auf der Krim berichtet.

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