Hinweis zum Sprachgebrauch in älteren Beiträgen
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Göttingen
Am Samstag, dem 21. März 2009, veranstaltete die GfbV-Regionalgruppe Göttingen und der Verein Niedersächsischer Bildungsinitiativen im Victor Gollancz-Haus bei frühlingshaften Temperaturen das Seminar „Bolivien – auf dem Weg zu einer neuen Gesellschaft?!“. Der bolivianische Botschafter S.E. Walter Prudencio Magne Veliz und die Ethnologin Kerstin Veigt konnten als ausgesprochen kompetente Referenten gewonnen werden.
Als erstes lateinamerikanisches Land, an dessen Spitze ein indigener Präsident steht, gilt Bolivien als ein Exempel hinsichtlich der Erfolges einer indigenen Völker und deren voranstrebender Emanzipation. Historisch einzigartig, vollzieht sich ein Prozess der Veränderung, der tradierte, der Kolonialzeit entstammende, gesellschaftliche Machtverhältnisse hinterfragt und eine Umstrukturierung in die Wege geleitet hat. So räumt bspw. eine neue Verfassung Gleichberechtigung und mehr Mitsprache der traditionell marginalisierten indigenen Bevölkerungsmehrheit ein, was jedoch auf Seiten der alten europäisch-stämmigen Elite für extremen Zündstoff sorgt.
Die Referentin Kerstin Veigt, die auch gleichzeitig die Moderation des Seminars übernahm, stimmte die Teilnehmer auf die Problematik ein und informierte über aktuelle Ereignisse. Im Anschluss daran spannte Botschafter S.E. Walter Prudencio Magne Veliz in seinem eindringlichen Vortrag, sachkundig gedolmetscht von Kerstin Veigt und Arne Zindel, den Bogen von der Bedeutung der Koka-Pflanze in der andinen Kultur über die oftmals kategorisch westliche Ablehnung indigenen Wissens bis hin zur Brisanz der gesellschaftlichen Verhältnisse Boliviens und einsetzende Reformen; er zeigte auf, wie notwendig bspw. das neue Antikorruptionsgesetz ist und dass das derzeitige komplizierte juristische System wegen seines neoliberalen Charakters überholt wäre.
Abgerundet wurde das rundum spannende und gelungene Seminar durch zwei Filme über die indigene Bewegung Boliviens, mit ihr verbundene historische Konflikte und die im Kontrast dazu stehende oppositionelle Bewegung der „media luna“, die sich hartnäckig für eine Autonomie der bolivianischen Tieflandstaaten einsetzt.
S.E. Walter Prudencio Magne Veliz kündigte außerdem an, dass das Jahr 2009 politischen Reformen gewidmet wird und ab 2010 dann im ökonomischen Bereich mit Veränderungen zu rechnen ist.
Der Teilnehmerkreis war breit gefächert: Studenten, die sich mit Lateinamerika beschäftigen, in Deutschland lebende Bolivianer, Zivilpersonen, die sich in der Region engagieren, Teilnehmer mit familiärem Hintergrund.
Claudia Schwab
(Praktikantin im GfbV-Referat Indigene Völker Weltweit)

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