Hinweis zum Sprachgebrauch in älteren Beiträgen
Der folgende ältere Beitrag kann Sprache und Formulierungen enthalten, die heute nicht mehr den Ansprüchen einer diskriminierungsfreien und sensiblen Ausdrucksweise entsprechen. Er wurde im historischen Kontext verfasst und bewusst unverändert gelassen, um unsere jahrzehntelange Menschenrechtsarbeit zu dokumentieren.
Der österreichische Innenminister Ernst Strasser beschädigt mit seinem Vorschlag, für tschetschenische Flüchtlinge in der Ukraine Auffanglager zu errichten, nach Auffassung der Gesellschaft für bedrohte Völker International den guten Ruf Österreichs. „Schutzsuchende Tschetschenen in einem Land festhalten zu wollen, das diese Genozidflüchtlinge regelmäßig wieder an den Täterstaat Russland ausliefert, ist eine Provokation für die Völkerverständigung und die internationale Humanität“, erklärten der Präsident der GfbV International, Tilman Zülch (Göttingen), und der Vizepräsident André Rollinger (Luxemburg) am Freitag.
„Die österreichische Regierung müsste wissen, dass 20 Prozent des tschetschenischen Volkes – etwa 160.000 Menschen – den Angriffen russischer Truppen seit 1994 zum Opfer gefallen sind“, mahnten die Menschenrechtler. „Die österreichische Regierung müsste wissen, dass Grosny nach den Vorbildern Dresden oder Rotterdam dem Erdboden gleichgemacht wurde. Die österreichische Regierung müsste auch wissen, dass rund 50.000 tschetschenische Kinder so zu Waisen wurden und etwa 10.000 tschetschenische Kinder Invaliden sind, die Gliedmaßen oder das Augenlicht verloren haben.
Vor allem erinnern wir die österreichische Regierung jedoch daran, dass der Ruf Österreichs bis heute darunter leidet, was den Wiener Juden angetan wurde. Jene, die zunächst überlebten, wurde oft die Aufnahme in einem Fluchtland verweigert, so dass sie doch noch ums Leben kamen. Wir gehen davon aus, dass der Vorschlag des Innenministers schnell zurückgezogen wird, da die österreichische Regierung sicherlich nicht an diese böse Tradition anknüpfen möchte.“
Im übrigen habe sich Strasser auch darin geirrt, dass die Tschetschenen demselben „Kulturkreis“ angehörten wie die Ukrainer oder Russen. Die Tschetschenen sprechen eine autochthone nichtslawische Sprache und gehörten dem kaukasischen Kulturkeis an.

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