Die Gesellschaft für bedrohte Völker (GfbV) trauert um ihren Freund Dogan Akhanli. Der Schriftsteller starb nach kurzer, schwerer Krankheit am gestrigen Sonntag in Berlin. Er wurde 64 Jahre alt.
„Der Tod von Dogan Akhanli macht uns sehr traurig. Immer wieder besuchte er uns in Göttingen und schrieb häufig für unsere Zeitschrift ‚Für Vielfalt‘. Politisch setzte er sich für Menschen- und Minderheitenrechte in der Türkei ein. Er wird uns sehr fehlen“, erklärt der GfbV-Nahostreferent Dr. Kamal Sido.
Akhanli wurde 1957 in der Türkei geboren. Er verfasste zahlreiche Romane und ein Theaterstück. 1991 musste er aus der Türkei fliehen und kam als politischer Flüchtling nach Deutschland. Seit 1992 lebte er in Köln. Sein Kernthema war die Auseinandersetzung mit den Genoziden des 20. Jahrhunderts. Aufgrund seiner politischen Haltung war er mehrfach in der Türkei inhaftiert; zuletzt wurde er 2017 in Spanien aufgrund eines türkischen Haftbefehls festgenommen. Darüber schrieb er das Buch Verhaftung in Granada. Die Romane Die Tage ohne Vater (2016) und Madonnas letzter Traum (2005) zählen zu den bedeutendsten Romanveröffentlichungen der Türkei. Im Jahr 2013 erhielt Akhanli den Pfarrer-Georg-Fritze Preis in Köln und 2018 den Europäischen Toleranzpreis in Österreich. Zuletzt wurde er 2019 mit der Goethe-Medaille ausgezeichnet.
Die Hintergründe seiner Verhaftung in Grenada erklärte Akhanli der GfbV in einem Interview, das Sie hier abrufen können.

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