Hinweis zum Sprachgebrauch in älteren Beiträgen
Der folgende ältere Beitrag kann Sprache und Formulierungen enthalten, die heute nicht mehr den Ansprüchen einer diskriminierungsfreien und sensiblen Ausdrucksweise entsprechen. Er wurde im historischen Kontext verfasst und bewusst unverändert gelassen, um unsere jahrzehntelange Menschenrechtsarbeit zu dokumentieren.
„pogrom – bedrohte völker“, Nr. 210, Heft 3 / 2001
Im Amazonasgebiet Ecuadors, dem sogenannten „Oriente“, wird bereits seit 1941 Erdöl gefördert. Damals begann Shell mit seiner ersten Ölbohrung im Departement Pastaza. Heute bedeckt ein Netz an Förderkonzessionen fast das gesamte Amazonas-Tiefland Ecuadors, das etwa ein Drittel der Staatsfläche ausmacht. Die Firmen Shell, Occidental Exploration and Production Company (Oxy; USA), Alberta Energy (Kanada), Repsol-YPF, ARCO Oriente Inc., Tri-Petrol, CGC, AGIP Oil Ecuador S.A., ENI u.a. haben sich inzwischen in den Departements Pastaza, Sucumbíos und Francisco de Orellana ausgebreitet.
Den indigenen Völkern und dem Regenwald, erbrachte die Erdölförderung ernsthafte Überlebensprobleme. Der Anteil Ecuadors am Amazonasbecken macht zwar nur 1,6 Prozent der Fläche aus, gilt jedoch als ein besonders artenreiches Gebiet. Über 25.000 Pflanzen beherbergt der Wald dort. Diese biologischen Vielfalt wurde zum großen Teil von den Ureinwohnern über Jahrtausende gehegt und gepflegt. Um so größer ist die von der Erdölförderung verursachte Umweltkatastrophe, die der im Süden Nigerias gleicht. In Ecuador sind inzwischen ebenfalls ganze Flüsse und davon abhängige Ökosysteme verseucht, das Trinkwasser kann dort nur noch aus Regenwasser gewonnen werden. Das Wild hat sich zurückgezogen oder ist gar nicht mehr vorhanden.
1979 immerhin wurde mittels der Dekrete 551 und 552 der Nationalpark Yasuni eingerichtet, der neben Tieren und Pflanzen auch den Völkern der Huaorani, Tagaeri und Taromename einen gewissen Schutz bietet. Im Departement Pastaza wurde Land an Ureinwohner übereignet. Allerdings unterliegt jeweils nur die ‚Oberfläche‘ des Landes der Verfügung durch die Indianer. Im Zweifelsfall kann auf diesen kommunalen Ländereien dann doch nach Erdöl gebohrt werden. Ebenfalls im Departement Pastaza erreichten indigene Organisationen in den Jahren 1998/99 ein Abkommen (Acuerdo del Plan Texas), das eine Bestandsaufnahme der Umweltschäden und Ausgleichsmaßnahmen vorsieht. Es ist bislang im wesentlichen bei der Absicht geblieben.
Jetzt ist auch der Yasuni-Nationalpark gefährdet: Unter Beteiligung der Westdeutschen Landesbank und der italienischen Ölfirma AGIP soll im Nordosten Ecuadors eine große Pipeline an die Küste gebaut werden. Der größte Anteil des Öls würde aus dem Nationalpark Yasuni gepumpt werden, d.h. aus dem vor einigen Jahren eingerichteten Refugium für die letzten Reste eines sehr sensiblen Ökosystems. Die dort lebenden, ca. 2.000 Angehörige zählenden Huaorani gehen einer noch weitgehend traditionellen Lebensweise nach und versuchen, sich die notwendigen Geldeinnahmen über Ökotourismusprojekte zu beschaffen. Damit wäre aber schnell Schluss, würden die Pläne zur Ölförderung verwirklicht. Teile des Nationalparks werden einige Monate im Jahr überschwemmt, so dass ein Ölaustritt sofort verheerende Folgen nach sich zöge. Die Pipeline verschöbe auch die bisherige Linie der Erdölaktivitäten weiter nach Süden, in die Siedlungsgebiete der Quichua, Shuar, Achuar, Siona, Secoya, Shiwiar und Zaparas hinein. Die Pipeline muss schließlich auch die Anden überqueren, ein hochaktives seismisches Gebiet mit vielen lebenswichtigen Grundwasserquellen für die Ureinwohner und Kleinbauern im Hochland.
Wie in Ecuador fast schon üblich, wurde das Pipeline-Projekt ohne vorherige Konsultation der betroffenen Ureinwohnergemeinschaften in die Welt gesetzt, obwohl Ecuador die Konvention Nr. 169 der Internationalen Arbeitsorganisation (ILO) ratifiziert hat und dazu verpflichtet wäre. Es wäre sicher verkehrt, die enorme Bedeutung der Erdölproduktion für Ecuador außer acht zu lassen. Aber es müsste nicht zuletzt den Investoren wie der Westdeutschen Landesbank verdeutlicht werden, welchen Preis derzeit andere dafür zahlen müssen – und dass uns dieser Preis zu hoch ist.
Patrick Kofler ist Mitarbeiter der GfbV Südtirol. Er hat letztes Jahr an der Erstellung eines Dokumentarfilms über die Erdölförderung in indianischen Gebieten Ecuadors mitgewirkt E:]G378o6?68:5?: Dr. Theodor Rathgeber ist Referent für Indigene Völker bei der GfbV Deutschland. Weitere Informationen über die Erdölförderung in Ecuador, die Pipeline und die Verantwortung der WestLB bei Rettet den Regenwald e.V., Hamburg www.regenwald.org

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